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Politische Rolle-Rückwärts im Gemeinderat

Passion 2020: Doch Verkauf von Arrangements

Oberammergau - Dicke Überraschung in Oberammergau: Die Lokalpolitiker haben im Geheimen beschlossen, dass bei der Passion 2020 von der Gemeinde doch Arrangements und nicht nur Tickets verkauft werden sollen.

Die letzte Sitzung des Oberammergauer Gemeinderates vor der Sommerpause sollte eigentlich am 10. August stattfinden. Doch dieser Termin wurde gestrichen, weil alle wichtigen Themen schon abgearbeitet sind. Die Lokalpolitiker verabschieden sich aber nicht in die Ferien, ohne vorher eine Bombe platzen zu lassen. Denn mit Blick auf die Passion 2020 ist alles anders: Die Gemeinde soll nun doch die traditionellen Arrangements anbieten. Der Beschluss von Ende Mai, in vier Jahren nur Karten für das Gelübdespiel zu verkaufen, gilt nicht mehr.

Das bedeutet auch: „Die laufende Ausschreibung für ein Ticketsystem ist unverzüglich aufzuheben“, heißt es in einer Mitteilung von Arno Nunn (parteifrei). Dass sich der Bürgermeister schriftlich zu Entscheidungen des Gemeinderates äußert, ist ungewöhnlich – in diesem Fall aber nachvollziehbar. Schließlich hat das Gremium am Mittwochabend mit 15:4-Stimmen beschlossen, den Punkt von der öffentlichen Tagesordnung zu nehmen. Was folgte war stundenlanges Beraten von Modellen, Abwägen von Risiken und Diskutieren. Am Ende stand die Mehrheit für die 180-Grad-Wende. „Man kann uns jedenfalls nicht vorwerfen, dass wir uns nicht intensiv mit dem Thema auseinandersetzen“, sagte Nunn auf Anfrage. Zur Erinnerung: Die Entscheidung, dass die Gemeinde nur noch Karten, nicht aber mehr die Pakete – bestehend aus Tickets, Übernachtungen und Restaurant-Besuchen – anbieten soll, hat für Aufregung im Dorf gesorgt. Schließlich hätte die Abkehr vom traditionellen System bedeutet, dass Hoteliers und Gastronomen selbst mit Reiseveranstaltern hätten verhandeln müssen – Unwägbarkeiten inklusive.

Nunn hatte zusammen mit Werkeleiter Walter Rutz immer wieder betont, dass man das unternehmerische Risiko abgeben will. Von dieser Position sind die Verantwortlichen aus zwei Gründen abgerückt. Zum einen, weil die Leistungsträger ein deutlich günstigeres Angebot für die Arrangements abgegeben haben. „Eines, das sich besser verkaufen lässt“, erklärt Nunn. Zum anderen soll der künftige Partner beim Arrangementverkauf auch einen Teil des wirtschaftlichen Risikos übernehmen. „Wir haben da vielleicht zu wenig die Chancen gesehen“, sagt Nunn. Gegen ihn liegen seit Donnerstag inzwischen zwei Rechtsaufsichtsbeschwerden – eingereicht von der CSU-Fraktion in Person von Markus Köpf – vor. Bereits Anfang Juli hatte er die erste an die Kommunalaufsicht, dem Landratsamt geschickt. Schon damals war das Thema Arrangements nicht-öffentlich behandelt worden. Für dieses Vorgehen, das sich Mittwoch wiederholt hat, sieht Köpf keinerlei Rechtsgrundlage.

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