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Sollte Gewinn bringen: die Passion. 

Finanzen Oberammergau 

Passion 2020: Selbstverpflichtung für den Super-GAU

Was passiert mit Oberammergau, wenn die Passion nicht so läuft wie erhofft? Wenn sie nicht Millionen in die leereGemeinde-Kasse spült? Dann gehen im wahrsten Sinne des Wortes in einigen Einrichtungen die Lichter aus.

Oberammergau – Die Passion wird’s schon richten. War in Oberammergau immer so, wird auch immer so bleiben. Vermeintlich. Doch heute ist vieles nicht mehr so wie vor zehn Jahren: Die Tourismusmärkte verändern sich und werden von Terror-Anschlägen erschüttert. Was passiert also, wenn die Passion 2020 hinter allen Erwartungen bleibt? Das Undenkbare war Thema im Gemeinderat. Hinter verschlossenen Türen haben sich die Lokalpolitiker mit den unangenehmen Gedankenspielen auseinandergesetzt. Das Ergebnis hat Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) nun am Ende der öffentlichen Sitzung bekannt gemacht. Der Gemeinderat hat eine freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichnet. Sie besagt – verkürzt und überspitzt gesagt: Gibt es keinen Passion-Gewinns, wird es auch keinen Wellenberg mehr geben.

„Die Selbstverpflichtung wurde vom Landratsamt gewünscht“, erklärt Nunn auf Anfrage. Sie sei ein Stück weit eine Konsequenz aus dem Jahr 2008, als die Gemeinde finanziell so handlungsunfähig war, dass die Vorbereitung der Passion 2010 nur durch eine Bürgschaft des Freistaats vorbereitet werden konnte.

Heuer sieht die Situation ganz anders aus: Zwar sind die Konten der Gemeinde-Verwaltung leer, auf jenem des Eigenbetriebs Kultur liegen aber noch knapp 14 Millionen Euro. Diese werden für die Sanierung des Theaters und die Vorbereitung des nächsten Gelübdespiels gebraucht.

Mit der Selbstverpflichtung, für die es Nunn zufolge eine deutliche Mehrheit im Gemeinderat gab, erklärt sich Oberammergau für den Tag X zum Sparen bereit. Bedeutet: Die Verwaltung muss sich dann ganz genau ihre freiwilligen Leistungen – zum Beispiel den Betrieb eines Schwimmbads oder eines Veranstaltungsortes wie dem Ammergauer Haus – anschauen. Und dann, wenn durch die Passion nicht genügend Rücklagen vorhanden sind, rechtzeitig zurückfahren. 2010 lag der Gewinn bei 35,7 Millionen Euro. „In die Richtung sollte es auch 2020 gehen“, sagt Nunn. Wobei er im Gremium erklärte, dass man die Hürde, „nicht an einer Zahl festmachen kann“.

Jene Zahlen, die Kämmerer Leonhard Trainer an dem Abend im Rahmen der Jahresrechnung 2016 präsentierte, waren überraschend. Denn sie zeigten doch eine ganz andere Rechnung als erwartet. So haben die Regiebetriebe deutlich weniger Verlust gemacht, den die Gemeinde auszugleichen hat. Sie konnte knapp 440 000 Euro einsparen. Bei 350 000 Euro liegt das Plus bei den Gewerbesteuer-Einnahmen, weitere 80 000 Euro sind es bei der Einkommenssteuer. Zudem gibt es Einsparungen von einer halben Million Euro bei den Baumaßnahmen. Zum Beispiel beim Hochwasserschutz. „Das ist aber nur aufgeschoben“, betont Nunn. Unterm Strich fällt die Zuführung zum Vermögenshaushalt – also das Geld, was im laufenden Betrieb für Investitionen übrig bleibt – deutlich höher aus. Geplant wurde mit 250 000 Euro. Letztlich sind es fast 1,9 Millionen Euro.

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