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„Haben keinen Grund zur Absage“: Passionsspiele bleiben auf Kurs - Gesundheitsministerium äußert sich

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Von: Manuela Schauer

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An 2022 rüttelt aktuell niemand: Die Hoffnung der Oberammergauer ruht weiter darauf, kommendes Jahr die Passionsspiele auf die Bühne zu bringen.
An 2022 rüttelt aktuell niemand: Die Hoffnung der Oberammergauer ruht weiter darauf, kommendes Jahr die Passionsspiele auf die Bühne zu bringen. © dpa

In der Ruhe liegt die Kraft: So könnte das inoffizielle Motto der Passionsspiele Oberammergau heißen. Trotz steigender Inzidenzen und drohender Regelverschärfungen fürchten die Verantwortlichen keine Absage wie 2020. Auch für das Landratsamt ist diese bis dato kein Thema.

Oberammergau – Jeden Tag checkt Walter Rutz die Corona-Zahlen. Kontrolliert, wie sich die Situation im Landkreis entwickelt. Ob sich die Inzidenz der 1000er-Marke nähert und somit ein regionaler Lockdown droht. „Corona nervt“, sagt der Werkleiter des Eigenbetriebs Kultur. Privat wie beruflich. Die Pandemie bestimmt das Leben im Allgemeinen – und die Oberammergauer Passionsspiele im Besonderen. Doch obwohl die vierte Welle gerade grassiert und man vermuten würde, bei den Verantwortlichen des Gelübdespiels bricht zunehmend die Panik aus, strahlt Rutz fast schon Gelassenheit aus. „Man muss ruhig bleiben“, sagt er. „Wir haben keinen Grund zum Absagen.“

Seit Allerheiligen laufen die Chorproben – mit strenger Teststrategie. „Das ist extrem wichtig“, betont Rutz. „Wir wollen alle sauber bleiben.“ So macht das Team nun weiter. Im Januar stehen die ersten Proben der Darsteller im Terminkalender. Wie die Lage dann aussieht, weiß heute niemand. Erst einmal in kleinen Gruppen zu starten, wäre machbar. Falls der Landkreis zum Hotspot mutiert, gibt‘s Puffer im Zeitplan bis zur Premiere am 14. Mai. „Das kriegen wir hin“, sagt der Werkleiter.

Strenger Winter, lockererer Sommer

Die Erfahrung hat die Oberammergauer gelehrt, dass auf einen strengen Winter ein lockererer Sommer folgt. Deshalb lässt ihn die 25-Prozent-Regel bei der Auslastung des Passionstheaters – diese Einschränkung wäre momentan unter anderem vorgeschrieben – bis dato noch kalt. Wirtschaftlich rechnen würde sich das Gelübdespiel unter dieser Bedingung allerdings nicht mehr – dazu braucht’s circa 75 Prozent. Dabei spielt das Geld eine äußerst wichtige Rolle. Bekanntermaßen hängt die Gemeinde finanziell am Tropf der Passion.

Ob das weltberühmte Großereignis nun die dringend benötigten Mittel in die klamme kommunale Kasse spült oder nicht, interessiert das Landratsamt in erster Linie wenig. Zumindest ist es kein Kriterium für eine erneute Absage. Die Kreisbehörde orientiert sich an den Corona-Bestimmungen – und die gefährden die Inszenierung bislang nicht. Die Passionsspiele „können unter verschärften Bedingungen stattfinden“, erklärt Scharf. Freilich eine Momentaufnahme. Niemand weiß, was kommt.

Gesundheitsministerium gibt Stellungnahme ab

In die gleiche Richtung stößt das bayerische Gesundheitsministerium. Alles hänge von der aktuellen Infektionslage ab. Wie ein Sprecher mitteilt, müsse gegebenenfalls damit gerechnet werden, dass eine 2G- oder 2G-plus-Regel gilt – „mit zuverlässiger Kontrolle beim Einlass, einer Kontaktdatenerfassung sowie einer etwaige Personenbegrenzung der Veranstaltung“.

Warum das Landratsamt 2020 acht Wochen vor der Premiere bei deutlich geringeren Fallzahlen – im März 2020 waren insgesamt an die 100 Menschen mit Covid-19 infiziert, jetzt sind fast täglich so viele betroffen – die Reißleine gezogen hatte und sich heute nicht dazu verpflichtet sieht, ist für Scharf schnell erklärt. „Damals gab’s noch keine Impfung, keine Masken, nur das Risiko.“ Die Corona-Maschinerie sei gerade erst in Gang gekommen. Jetzt aber „liegt das Besteck da“.

Keine Stornierungen wegen Reisewarnung

Telefonisch hat die Kreisbehörde die Passions-Macher bereits beraten, ihnen nahegelegt, ein Infektionsschutzkonzept von einer externen Fachkraft erstellen zu lassen. So wie man nach einer Lösung für die beengten Verhältnisse im Garderoben-Bereich der Mitwirkenden sucht, arbeitet das Team auch daran. Eine schwierige Angelegenheit angesichts der ständigen Änderungen. Welche Vorgaben es im Frühjahr sein werden, wäre reine Spekulation. „Wir können es erst dann rausgeben“, sagt Rutz, „wenn die Bestimmungen klar sind.“

Der Optimismus der Oberammergauer ist indes kaum zu brechen. Sie präsentieren sich krisenfest. „Es gibt kein Zurück“, betont der Werkleiter. „Da müsste schon eine neue Variante kommen, die uns aus der Spur wirft.“ Die Omikron-Mutante aus Südafrika sollte diesen Part am besten nicht einnehmen.

Die Reisewarnung der Amerikaner für Deutschland, die vergangene Woche ausgesprochen wurde, bereitet Rutz keine Sorgen. Stornierungen – etwa 120 000 US-Bürger buchen ein Arrangement – blieben bislang aus. Mit den Partnern und Agenturen in Übersee steht das Passionsteam im Austausch. Schon im Vorfeld hatte man sie darauf vorbereitet, dass hierzulande die Inzidenzen nochmal hochschnalzen werden und es eventuell eine Reisewarnung geben könnte. In weiser Voraussicht. „Wir können nur sauber hinplanen.“ Alles weitere liegt nicht in Oberammergauer Händen.

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