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Besuchermagnet: die Passionsspiele in Oberammergau. 

Eine historische Entscheidung

Passionsspiele 2020: Abschied vom alten Arrangement

Oberammergau - Gastgeber im ganzen Landkreis müssen sich bei der Passion 2020 auf eine Veränderung einstellen: Die Gemeinde Oberammergau bricht mit ihrer Tradition, Tickets samt Übernachtung und Restaurantbesuch zu verkaufen. Arrangements in dieser Form wird es nicht mehr geben.

„Das ist eine historische Entscheidung“ sagt Oberammergaus Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei). Und eine mit Sprengkraft. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der Beschluss, den der Gemeinderat am Montagabend in nichtöffentlicher Sitzung gefällt hat, nicht mehr geheim ist. Die Spatzen pfeifen es mittlerweile von den Dächern, dass es bei der Passion 2020 keine Arrangements mehr geben wird. Zumindest nicht in der bisherigen Form. Die Gemeinde wird lediglich Tickets verkaufen. Für die Leistungsträger, also Gastgeber und Restaurantbesitzer, heißt das, dass sie selbst viel mehr aktiv werden müssen.

„Da gibt es natürlich eine gewisse Unsicherheit“, beschreibt Nunn die Diskussionen im Dorf. Denn: Das bisherige System hat es den Beteiligten eher leicht gemacht. Die Gemeinde hat – über eine eigene Gesellschaft und ein Reisebüro – ganze Pakete vergeben. Darin waren die Eintrittskarten für die Passion, die Übernachtung und Restaurantbesuche festgelegt. Preis pro Person im Drei-Sterne-Bereich: etwa 630 Euro. Eine Summe, die – wenn sie für amerikanische Gäste in einem längeren und teuren, Europa-Trip verpackt ist – wohl noch hinnehmbar war. „Auf dem deutschsprachigen Markt lässt sich ein solches Arrangement aber nicht verkaufen“, sagt Walter Rutz. Der Oberammergauer Werkleiter, der letztlich für die Passion verantwortlich zeichnet, fügt an: „Zu teuer“.

Schon 2010 habe sich gezeigt, dass das System, an dem schon seit den 1930er Jahren festgehalten wird, veraltet ist. Damals wurden 330 000 Arrangements vergeben – vorerst. Dann kamen von den Reiseveranstaltern 100 000 wieder zurück, was bis 90 Tage vor der Veranstaltung möglich ist. Es zeigte sich erstmals, wie sensibel der amerikanische Markt ist. Damals hatte die Finanzkrise gewütet. Heute bestimmt Terrorangst den Tourismus. Unterm Strich blieb für die Gemeinde bei den Arrangements vor allem eines: „ein großes Risiko“. Und genau dieser Punkt war wichtig in der dreistündigen, intensiven Diskussion des Gemeinderates.

In der Sitzung hat Rutz den Lokalpolitikern alle Vertriebs-Möglichkeiten und die Schwierigkeiten auf dem europäischen Markt vorgestellt. Die Entscheidung ist Nunn zufolge sehr knapp ausgefallen und beinhaltet den Beschluss, dass nun die Ausschreibung für einen Dienstleister erfolgt. Also jemanden, der den Verkauf der Eintrittskarten übernimmt und dafür ein Betriebssystem zur Verfügung stellt.

„Wir werfen aber nicht alle Tickets auf den Tisch und sagen: ,macht mal‘“, betont Nunn. Vielmehr habe die Gemeinde aufgrund von Vergabekriterien ein Steuerungselement in der Hand. Ähnlich wie bei Fußball-Weltmeisterschaften sind zum Beispiel mehrere Verkaufsrunden denkbar. Und grundsätzlich gelte: „Arrangements sind weiter möglich“, betont Nunn. Nur halt in der Form, dass sie von Reiseveranstaltern organisiert werden. Dass es so etwas geben muss, davon ist Rutz genauso überzeugt, wie Christian Stückl. „Wir brauchen eine Lösung für Gruppen“, sagt der Spielleiter. „Da wird es noch viel zu diskutieren geben.“ Der Kartenverkauf soll im ersten Quartal 2017 beginnen.

Schon jetzt gilt es für den Gemeinderat, weitere wichtige Entscheidungen zu fällen. Schon am 13. Juni geht es – ebenfalls in nichtöffentlicher Sitzung – um die Passions-Spieltage zwischen Mai und Oktober 2020. Und darum, wie viele Sitzplätze es im Theater geben wird. Beides sind Faktoren, die sich aufs Geld auswirken. Im Raum steht, 400 Stühle auszubauen. Die Folge: Zwar mehr Beinfreiheit für die Besucher, aber auch etwa vier Millionen Euro weniger Einnahmen. 2010 lag der Passions-Gewinn der Gemeinde bei 37,9 Millionen Euro.

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