Herber Einbruch im Dezember: Rückgang um über die Hälfte

Passionsspiele Oberammergau sorgten für Boom: 88 Prozent mehr Gäste-Ankünfte

Oberammergau - In vielen Orten in Bayern stagniert der Tourismus. Frohe Gesichter sieht man alle zehn Jahre in Oberammergau und im Ammertal: In einem Passionsjahr sind die Betten immer voll.

Mitunter amüsiert man sich in den Nachbarorten, wenn in Oberammergau auf dem politischen Parkett - mal wieder - die Fetzen fliegen und die Streitkultur blüht: Alle zehn Jahre verstummt der Spott jedoch zusehends. Denn in den Gemeinden im Ammertal weiß man: Die Passion kommt, und davon profitiert nicht nur das Dorf der Schauspieler, Sänger und Musiker, sondern die gesamte Region.

Einen neuerlichen Beweis für diese These als Folge eines erfolgreichen Passion liefern die Gäste- und Übernachtungszahlen von 2010, die jetzt Jörg Christöphler, Geschäftsführer der Ammergauer Alpen GmbH, bei der Bürgerversammlung in Bad Kohlgrub vorstellte. Demnach stiegen die Ankünfte im Tal von 149 357 im Jahr 2009 auf 280 985 im Passionsjahr - dies entspricht einer Steigerung von 88,1 Prozent. Etwas moderater fiel das Plus bei den Übernachtungen aus: Von 744 684 auf 859 497, was eine Zunahme von 15,4 Prozent ausmacht. Bad Kohlgrub hat im übrigen überdurchschnittlich von der Passion profitiert (nämlich + 18,2 Prozent), während die Zahl von Oberammergau (+ 16,3 Prozent) Tourismus-Fachmann Christöphler vor ein Rätsel stellte: „Der Zuwachs müsste deutlich höher sein. Ich weiß auch nicht, woran dies liegt. Vielleicht ist es der noch ausstehende Rücklauf der Anmeldungen.“

Die Passionsmonate Mai bis September haben dem Ammertal einen regelrechten Gäste-Boom beschert. Immerhin besuchten ja rund 500 000 Menschen die 109 Aufführungen des Gelübdespiels. Die Ankünfte lagen teilweise um 240 Prozent (wie im Juni) über denen im Jahr 2009. Auch die Übernachtungen stiegen im Ammertal in diesem Zeitraum zwischen 28 Prozent und 74 Prozent an. Der „schwächste“ Passionsmonat war der August (Ankünfte plus 127 Prozent, Übernachtungen plus 28,4 Prozent), der stärkste mit großem Abstand der Juni.

Nimmt man die Tourismus-Statistik etwas näher unter die Lupe, kommt indes auch Negatives zu Tage. Zieht man die fünf Passionsmonate nämlich von der Gesamt-Jahresbilanz ab, so ergeben sich für die sechs Gemeinden nicht unerhebliche Rückgänge: Minus 7,3 Prozent bei den Ankünften und gar minus 16,4 Prozent bei den Übernachtungen. Ein schwacher Monat war der letztjährige Januar (minus 18,8 Prozent/minus 22,9 Prozent), alarmierend gar der Dezember des vergangenen Jahres, als im Vergleich zu 2009 über 50 Prozent weniger Gäste ankamen und die Übernachtungen gar um 62,8 Prozent zurückgingen. Besonders in Bad Kohlgrub sackte der letzte Monat des Jahres in den Keller: Ankünfte minus 62,1 Prozent, Übernachtungen minus 67,2 Prozent. Dagegen konnte man im Februar jeweils zweistellige Zuwächse verbuchen.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer hat sich im Passionsjahr erwartungsgemäß deutlich nach unten entwickelt: Blieben die Gäste 2009 im Schnitt fünf Tage in der Region, so sackte diese Quote vergangenes Jahr in den Keller: Gerade einmal drei Tage verbrachten jede(r) Besucher(in) in den jeweiligen Ammertalgemeinden.

Ludwig Hutter

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