In Oberammergau beginnt die heiße Phase der Vorbereitung

Passionsspiele 2020: Ab Aschermittwoch wachsen wieder Bärte und Haare

  • Ludwig Hutter
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In Oberammergau ist alles echt: Daher herrscht bei den Passionsspielen auch ein Perücken-Verbot. In Kürze sprießen wieder Haare und Bärte.

Oberammergau – Der Aschermittwoch ist mitunter ein trister Tag: Das närrische Treiben ist zu Ende, die Fastenzeit beginnt und mancher, der es im Fasching übertrieben hat, wacht mit einem dicken Kopf auf. In der Kirche erinnert das Aschenkreuz, das der Priester auf die Stirn der Gläubigen zeichnet, den Menschen an seine eigene Vergänglichkeit, fordert ihn zu Umkehr und Buße auf. Alle zehn Jahre hat der Aschermittwoch in Oberammergau noch eine andere wichtige Bedeutung – es ist der Beginn der heißen Phase in der Vorbereitung auf die bevorstehenden Passionsspiele.

Traditionell ist dieser Tag immer mit einem Ritual verbunden, dem Haar- und Barterlass. In einem Aufruf dazu heißt es: „Alle weiblichen und männlichen Mitwirkenden und alle Kinder, die an den Passionsspielen teilnehmen, werden hiermit vom Spielleiter und von der Gemeinde Oberammergau aufgefordert, sich ab Aschermittwoch, . . . ., die Haare, die Männer auch die Bärte wachsen zu lassen.“ Dies wird in einem Monat, exakt am 6. März, wieder verkündet.

Einer, der diesem formalen Akt entspannt entgegen sieht, ist Peter Stückl, der beim nächsten Passion 2020 in der Rolle des Annas bereits zum zehnten Mal mitwirkt: „Ich hab kein Problem damit, wenn Haare und Bart sprießen. Ich bin da nicht so eitel, und außerdem ist der Wuchs in meinem Alter ja nicht mehr so intensiv. Beim letzten Mal hat’s aber am Ende schon ganz schön wild ausgesehen.“ Bei vielen männlichen Mitwirkenden mischt sich zu der lästigen Pflicht, mit langen Haaren und sprießenden Bärten zurecht zu kommen, auch ein Gefühl von Stolz, überall und sofort als Oberammergauer, der bei der Passion mitspielt, erkannt zu werden.

Erstmals im Rampenlicht steht ab der Premiere am 16. Mai 2020 Cengiz Görür, der zusammen mit Martin Schuster den Judas verkörpert: „Mich stört es eigentlich nicht, dass ich mir jetzt dann die Haare wachsen lassen muss. Wenn’s nötig ist, werde ich sie mir schon etwas nachschneiden lassen, damit es nicht ganz so krass ausschaut.“

Dass durch den Haar- und Barterlass das Geschäft etwas zurückgehen wird, räumt Friseurmeisterin Katharina Daisenberger (31) vom Friseursalon Kretschmar in der Dorfstraße schon ein: „Die Männer lassen sich normal alle sechs bis zwölf Wochen ihre Haare schneiden, jetzt werden vielleicht die Abstände etwas größer.“ Jedoch würde inzwischen auch das männliche Geschlecht großen Wert darauf legen, gepflegt und ordentlich auszuschauen: „Und deshalb muss vor allem auch die Frisur passen.“ Das Thema Bart ist ja ohnehin bei vielen kein Problem mehr. Daisenberger: „Männer mit Bart liegen momentan wieder absolut im Trend.“ Mit zu großen Einbußen rechnet man im Friseursalon Kretschmar nicht, „weil wir auch viele Kunden aus den umliegenden Ortschaften haben“.

„Voller Spannung und Freude“ sieht Bürgermeister Arno Nunn dem Pressetermin am Aschermittwoch, 6. März, entgegen: „Beim letzten Mal vor zehn Jahren hat Florian Streibl die Gemeinde in der Angelegenheit vertreten. Den Aufruf des Haar- und Barterlasses halte ich für eine unheimlich wichtige Sache, vor allem für die Mitwirkenden, weil er so etwas wie ein Einbiegen auf die Zielgerade bei der Vorbereitung darstellt.“ Es sei nur noch ein gutes Jahr hin, „und das wird wie im Fluge vergehen“. Nunn: „In diesem Sommer muss von der Infrastruktur her noch viel passieren: Shuttleverkehr, Parkplätze, Sicherheitskonzept, da müssen wir unsere Hausaufgaben machen.“

Ähnlich sieht Werkleiter Walter Rutz die Situation: „Der Haar- und Barterlass ist für uns heuer der Anfang, im Sommer steht dann bereits die Israel-Reise der Hauptdarsteller an und Ende November dürfte es schon mit den Proben losgehen. Das geht jetzt Rucki-zucki.“ Es ist wie immer: Wenn die Mähnen und Bärte länger werden, ist es nicht mehr lange hin zur Passion.

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