Die Kandahar-Piste

Peinliche Panne auf der Kandahar-Piste

Garmisch-Partenkirchen - Peinliche Panne vor dem ersten Training auf der Kandahar: Schneekanonen hatten die Piste befeuert, obwohl sie schon perfekt präpariert war. Bei ausländischen Medien sorgte das für Heiterkeit.

So ein Vorfall hatte ja gerade noch gefehlt zur allgemeinen Stimmungslage: Eine Schneekanone, die über Nacht Kunstschnee auf die rennfertige Piste feuert. Ehe am Donnerstag das erste Training auf der Kandahar stattfinden konnte, musste der Neuschnee erst wieder aus der Strecke geräumt werden, was bei ausländischen Medien für Heiterkeit sorgte, bei den Rennläufern für große Verärgerung. Klaus Kröll aus Österreich etwa fand das gar nicht lustig: „Das sind kuriose Sachen, die man hier erlebt.“ Wenn man die Kommentare der Läufer so hörte, konnte man fast den Eindruck gewinnen: Die Grundpräparierung der Kandahar sei ähnlich schlecht wie die Grundstimmung rund um das Weltcuprennen, das in Frage gestellt wird. Unruhig, rumpelig, gefährlich. Was die Piste angeht, verweist OK-Chef Peter Fischer zur Verteidigung auf die Wetterbedingungen: „Schnee, Regen, Schnee. Wir konnten auch nicht zaubern.“

Nach dem gestrigen Abschlusstraining hatte sich die Aufregung gelegt, wenigstens was die Piste betrifft. „Da haben sie gut gearbeitet“, bestätigte Didier Cuche, sein Schweizer Kollege Beat Feuz hatte „deutlich mehr Spaß als gestern“, auch wenn es im unteren Bereich recht weich war. „Wie auf Eiern“ sei man unterwegs, meinte Super-G-Weltmeister Christoph Innerhofer. Bestzeit legte einer hin, dem die Kandahar immer Flügel verleiht: Der Kanadier Erik Guay, vergangenen Februar als Weltmeister gefeiert. Wobei diesmal wieder auf der „klassischen“ Kandahar gefahren wird, weil eine Präparierung der WM-Piste mit dem „Freien Fall“ aufgrund der Wärme unmöglich war.

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Erik Guay sollte am Samstag (12 Uhr) besser die Chance nutzen, hier nochmal zu gewinnen, es könnte die letzte sein, falls die Beteiligten vom Deutschen Skiverband, dem Markt Garmisch-Partenkirchen, Organisationskomitee und Zugspitzbahn nicht bald zu einer einvernehmlichen Lösung finden. Die Situation scheint verfahren. Abfahrer Stephan Keppler wurde gestern im Ziel mit der Frage konfrontiert, was Garmisch so besonders mache. Er überlegte, lachte. „Wenn ich ehrlich bin, nichts mehr.“ Klar, die Strecke mag er, Heimrennen und so, aber „das war’s auch schon“. Der Ausdruck flammender Liebe klingt anders. Keppler würde Garmisch-Partenkirchen auch nicht in eine Reihe mit den Klassikern setzten, denn „wenn man sich das ganze Drumherum anschaut, wäre ich nicht sauer, wenn das Rennen woanders hingeht“. Die Streckenpräparierung sei ein Ärgernis, „dann schalten sie die Schneekanone über Nacht ein und keiner weiß, wer das gemacht hat. International wird das ziemlich belächelt.“ Momentan müsse man sich direkt „ein bisschen schämen.“ Denn „wie uns die Garmischer gegenübertreten, das ist alles nicht fein. Das ist in anderen Skiorten besser.“

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Die deutschen Athleten wurden am Donnerstag Abend verbandsintern aufgeklärt, am Samstag vor dem Rennen wollen sich DSV-Präsident Alfons Hörmann und OK-Chef Fischer in einer Pressekonferenz äußern. Warum die Politik den Weltcup hinterfragt, stößt auf Unverständnis: „So viel ist ja sonst auch nicht los in Garmisch, außer dem Neujahrsspringen.“, meint Keppler: „Es gibt genug andere Orte, wo die Leute dahinter stehen und genug Fans kommen. Und wo es schöner zu fahren ist.“

Ein Streitpunkt dreht sich um das geplante Trainingzentrum für deutsche Athleten an der Kandahar, wie in der WM-Konzeption vereinbart. Aber: „Jedesmal wenn wir trainieren wollten, liegt uns irgendein Stein im Weg, und wenn sie nur die Schneekanonen so auf die Piste stellen, dass wir nicht fahren können“, erzählt Keppler, „sie wollen uns nicht da haben.“ Und wenn es doch klappt, „werden wir beschimpft von den Einheimischen, was wir hier machen. Ob wir vier oder fünf Sekunden hinterherfahren, sei doch egal."

Von Jörg Köhle und Tanja Brinkmann

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