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Umstritten: der neue Beichtstuhl (l.) in der Murnauer St.-Nikolaus-Pfarrkirche. Daneben ein historisches Modell.

Einigen ist dieses Inventar zu modern

Gläubige spotten: Ist das ein Beichtstuhl oder ein Kühlschrank?

Murnau - Er wirkt wie ein Fremdkörper. So bewerten zumindest viele Murnauer den neuen Beichtstuhl in der Pfarrkirche St. Nikolaus. Hier können Sie abstimmen, ob er Ihnen gefällt oder nicht. 

Seit 2013 wird nun Murnaus Katholische St.-Nikolaus-Kirche umfangreich renoviert. Am Ende – wenn alles glatt läuft, findet im September 2017 zum Abschluss ein großer Festgottesdienst statt – dürften sich die Gesamtkosten des Mammutprojekts auf schätzungsweise zweieinhalb Millionen Euro belaufen. Ein verhältnismäßig kleiner Posten war die Anschaffung einer Reihe neuer Ausstattungselemente für den Kirchenraum. Dazu zählen eine Kerzennische, ein Weihwasserspender, ein Schriftenstand und eben der besagte Beichtstuhl.

Vor allem dessen Erscheinungsbild erhitzt die Gemüter. Die schwarze Stahlkonstruktion mit den großen, hellen Glastüren – eine Sonderanfertigung heimischer Handwerksbetriebe für an die 10 000 Euro – sticht in der Tat sofort ins Auge und wirkt wie ein Fremdkörper in dem ehrwürdigen Sakralbau. Der Kontrast zur barocken Umgebung fällt auf. Beispielsweise hängen direkt darüber historische Votivtafeln, daneben steht ein schöner, alter Holzbeichtstuhl.

Hinter vorgehaltener Hand wird die neue Stätte zum Sündenbekenntnis als „Kühlschrank“ oder „Getränkeautomat“ verspottet. Ein Gläubiger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, schrieb an die Redaktion: „Diese neuen Elemente waren natürlich modern zu gestalten, aber vielleicht hätte man sie doch ein wenig zurückhaltender in Form und Farbe ausführen können.“

Bewusste Entscheidung für neuzeitliche Optik

Pfarrer Siegbert Schindele kennt die Kritik – und verteidigt die Neuanschaffung. „Das ist die bestmögliche Lösung“, sagt er auf Tagblatt-Nachfrage. Eine Kirche sei nun mal kein Museum, sondern ein lebendiger Ort des Glaubens. Man könne und dürfe nicht einfach den Barockstil nachbauen. Die Kirchenverwaltung habe sich daher bewusst für eine neuzeitliche Optik entschieden.

Es spielten aber auch praktische Überlegungen eine Rolle. Speziell beim Beichtstuhl – der alte war in die Jahre gekommen und wurde abmontiert – verweist der Pfarrer auf „pastorale Gründe“. Man habe einen geschlossenen Raum geschaffen, erläutert er, in dem – neben der anonymen Beichte hinter einem Sichtschutz – jetzt auch offene Beichtgespräche stattfinden können. Schindele betont außerdem, dass Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte leicht in die Kabine kommen.

Denkmalpflege-Amt gab seinen Segen

„Mir gefällt’s. Das passt gut hinein“, meint auch Johannes Unterstein, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats. Es sei eine Gratwanderung, einen vorhandenen Barockstil und eine Modernisierung unter einen Hut zu bringen. „In Murnau gibt es immer verschiedene Meinungen“, sagt Unterstein. „Es ist toll, dass die Leute Anteil daran nehmen.“

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das die Kirchenrenovierung begleitet, gab dem Einbau des umstrittenen Beichtstuhls seinen Segen. Es sei zwar „nicht die allerglücklichste Lösung“, räumt Dr. Nikolaus Könner ein, der in der Behörde Chef des Referats Oberbayern ist. Er hätte sich die Form etwas „zurückhaltender“ gewünscht. Aber: „Die verantwortlichen Träger wollten das so.“ Damit gemeint sind die Kirchenverwaltung und das für Murnau zuständige Ordinariat Augsburg. Die Pläne lieferte ein Architekt. Grundsätzlich, so Kunsthistoriker Könner weiter, sei in solchen Fällen eine zeitgenössische Gestaltung der richtige Weg.

Der Diözesankonservator Dr. Michael Schmid stellt sich voll und ganz hinter die Murnauer Pfarrei. Die schlichte Form der Konstruktion, in der man sich die Sünden von der Seele reden kann, sei zeitlos, erläutert er. Und die verwendeten Materialien und Farben kämen in der Kirche bereits an anderen Stellen vor. Der Experte des Bistums ist zufrieden. Der Tenor: St. Nikolaus habe einen Beichtstuhl bekommen, der flexibel genutzt werden könne und die Wirkung der historischen Schmuckstücke nicht schmälere.

Andreas Seiler

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