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Abgehoben: Vier Helikopter starten am Freitag Richtung Süden. Die Piloten üben unter anderem im Bereich der Zugspitze.

Bundespolizei trainiert im Werdenfelser Land

Leben retten im Hochgebirge

Ohlstadt - Acht Hubschrauber können einen ganz schönen Lärm machen. Die Maschinen stehen am späten Freitagvormittag aufgereiht wie an einer Perlenschnur auf dem Flugplatz Pömetsried. Die Triebwerke laufen. Drin sitzen der Pilot, ein Fluglehrer, ein Flugtechniker oder ein anderer Pilot. 

Bevor es losgehen kann, bedarf es noch einer gewissen Vorbereitung. Die Hydraulik wird überprüft, der Höhenmesser eingestellt und derlei Dinge mehr. Rund zehn Minuten dauert es, bis die Helikopter tatsächlich startklar sind. Erst als der Verbandsführer die Meldung „Ready“ bekommt, kommt Bewegung rein. Dann hebt einer nach dem anderen ab. Die Richtung ist klar: Es geht ins Gebirge. Genauer: Die Piloten steuern den Bereich an der Zugspitze an, auch Garmisch-Partenkirchen, Richtung Osten geht es bis hinüber zum Wendelstein. 

Die Fliegertruppe der Bundespolizei ist erstmals in Pömetsried, um den Einsatz in den Bergen zu üben. 16 frischgebackene Piloten und sieben Flugtechniker eignen sich dabei Fähigkeiten an, die sie haben müssen, um Personen in den Bergen zu suchen und zu retten. Hierzu gehören auch Landungen im Hochgebirge. Da sind Fragen zu klären wie: Gibt es Hindernisse? Wie ist das Wetter? Von wo kommt der Wind? Und reicht die Leistung des Hubschraubers aus, um an der vorgesehenen Stelle zu landen? 

Einer der Lehrgangsteilnehmer ist Dennis Fasch. Es ist das erste Mal, dass er im Gebirge fliegt und wird „mit Eindrücken überhäuft“. Vorher hat er am Flughafen in Frankfurt am Main als Bundespolizist gearbeitet. Der 25-Jährige bewarb sich dann für den Flugdienst. Hubschrauberpilot zu sein, sei die „attraktivste Tätigkeit“ bei der Bundespolizei, findet er. Flugerfahrung hatte der jungen Mann vorher keine. 

Einzige Frau des Kurses ist Kim Weykopf. Die 30-jährige Flugtechnikerin war vorher bei der Bereitschaftspolizei. „Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll“, erzählt sie. „Und sehr spezialisiert.“ 600 Stunden Theorie müssen die Teilnehmer unter anderem absolvieren. Dabei geht es unter anderem um Aerodynamik, Luftrecht, Navigation und Hubschrauberkunde. 

Der Lehrgang dauert 18 bis 20 Monate, die Prüfung wird dann beim Luftfahrtbundesamt in Braunschweig abgelegt. Um überhaupt teilnehmen zu können, muss man Polizeibeamter sein. Die zentrale Eigenschaft, die ein Interessent mitbringen muss, ist nach den Worten des stellvertretenden Ausbildungsleiters Michael Marx (45) „Multifunktionsfähigkeit“. Aber auch Disziplin, Stressresistenz, Pünktlichkeit, Engagement und Teamfähigkeit seien vonnöten. 

Die Bundespolizei hat für ihre Trainingsflüge Auflagen vom Landratsamt bekommen. Und zwar im Hinblick auf den Vogelbrutschutz. Bestimmte Gegenden müssen die Piloten aussparen. „Daran halten wir uns natürlich“, betont Marx. Auch Bodenpersonal wird für die Übungsflüge benötigt. Es übernimmt Feuerwehr-Aufgaben und betankt die Helikopter. Sie erhalten den Düsenkraftstoff F 34. 

Ein gutes Jahr nach dem G7-Gipfel in Elmau sind die Hubschrauber der Bundespolizei also zurück in Pömetsried. Weitere Trainingseinheiten sind dort für Montag, 25. Juli, angesetzt. Tags drauf setzt man die Ausbildung in Füssen fort.

Roland Lory

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