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Ganz ohne Plastik geht’s oft nicht: In manchen Metzgereien wird die Ware in Kunststofffolie gewickelt. So kann sie der Kunde in die mitgebrachte Box legen. 

Tupperdosen stellen Metzgereien vor eine Herausforderung

Plastik-Fasten: Wenn Wurst in die Box statt in die Tüte kommt

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Weg vom Plastik-Wahn: Manche Verbraucher versuchen, auf den Kunststoff zu verzichten. Vor allem beim Einkauf. Metzgereien im Landkreis gehen ganz unterschiedlich mit der umweltschonenden „Extra-Wurst“ ihrer Kunden um.

Landkreis – Wer regelmäßig in Metzgereien oder an Frischfleischtheken im Supermarkt einkauft, kennt es: Erst wickelt der Verkäufer den Aufschnitt in Einweg-Folie, steckt dann die Wurst in eine Papiertüte, zum Schluss klebt er noch einen Bon darauf oder packt alle Waren in eine Plastiktüte.

In Zeiten, in denen die Weltmeere im Müll ersticken, Wale und Schildkröten deshalb sterben, wächst das Bewusstsein dafür, einen anderen Weg einzuschlagen. Sogar die EU-Kommission reagiert. Sie möchte Plastikbesteck und -geschirr verbieten sowie Wegwerfartikel zurückdrängen. Zum Schutz der Ozeane.

Nicht erst seit diesen Plänen versuchen Menschen, den Verpackungswahnsinn einzugrenzen und auf Plastik so weit wie möglich zu verzichten. Sie bringen ihre eigenen, wiederverwendbaren Tupperdosen mit zum Einkauf. Eine Methode, die immer beliebter wird. Eine, mit der auch die Metzgereien im Landkreis konfrontiert werden. Mit dem Kundenwunsch gehen sie ganz unterschiedlich um.

Boxen der Kunden eigentlich nicht erlaubt

Ungefähr einmal pro Woche wenden Mitarbeiter der Metzgerei Wolff in Garmisch-Partenkirchen ihre Strategie an. Dort kommt ein Tablett zum Einsatz, auf das der Kunde seine Tupperdose stellt. „Dieses können wir hinter die Theke holen und die Wurst hineinfüllen“, erklärt Inhaber Stefan Wolff. So wird ein reibungsloser Ablauf ohne Abnehmerkontakt gewährleistet. Von außen hereingebrachte Keime gelangen nicht an die Ware. Ein Knackpunkt.

Eigentlich sind Läden gezwungen, Einweg-Plastik zu verwenden. Die Auflagen machen der Müllvermeidung einen Strich durch die Rechnung. Mit Boxen der Kunden zu arbeiten, „diese Form des Einkaufens ist vom Lebensmittelamt nicht erlaubt“, betont ein Angestellter der Vinzenzmurr-Filiale in Garmisch-Partenkirchen, der namentlich nicht genannt werden möchte. Die Hygiene-Verordnungen verbieten es. Denn bei den mitgebrachten Boxen ist unklar, wo diese gereinigt und gelagert wurden. Der Metzger darf sie laut Vorschrift nur hinter die Theke stellen, wenn er die Fläche danach desinfiziert.

Deshalb geht man bei Vinzenzmurr nur ungern anders vor. Das ist in der Regel aber auch gar nicht nötig. Nur zwei bis drei Mal in der Woche kommt ein Verbraucher mit Tupperdose in den Laden. Um ihnen einen guten Service zu bieten, verfahren die Angestellten wie die Kollegen der Garmisch-Partenkirchner Metzgerei Fink.

Jeder packt Ware dann selbst in den Behälter

Dort läuft’s nach einem bestimmten Schema ab, wenn der Einkäufer mit der eigenen Box am Tresen steht. „Wir geben unseren Kunden die Ware eingepackt in Papier über die Theke, und diese tun sie selber in ihren mitgebrachten Behälter“, sagt Janett Fink, Mitarbeiterin und Ehefrau des Inhabers Leonhard Fink. Sie hält er für eine gute Möglichkeit, Plastik zu vermeiden. All zu oft muss das Team aber nicht auf diese Weise handeln. Fink aber glaubt: „Das liegt zum Teil daran, dass die Tupperdosen zuhause vergessen werden.“

Ähnlich verhält es sich bei der Metzgerei Strasser mit der „Extra-Wurst“ der Kunden. Das Plastik-Fasten setzen dort nur wenige in die Tat um. „Vielleicht zwei Mal in der Woche“, sagt Inhaber Peter Strasser. Wenn doch, stellt der Kunde seine Box auf die Theke – der Verkäufer legt die in Papier eingewickelte Wurst hinein. So kommt die mitgebrachte Dose nicht über den Tresen – und somit den Lebensmitteln nicht zu nahe.

Noch bringt selten jemand eigene Dose mit

Ein großer Freund von der aktuellen Entwicklung hin zum reduzierten Einsatz von Tüten und Co. ist Christian Gerold. Plastikschonende Behälter erachtet der Chef der Oberammergauer Metzgerei durchaus als sinnvoll. Aber er kann das gleiche Lied wie alle anderen singen: „Nur einer von 100“ bringe seine eigene Box mit.

Gar nicht so angetan vom Anti-Plastik-Trend ist dagegen Gabi Berg. Zumindest in ihrem Laden: „In der Metzgerei geht es nicht, Plastik zu vermeiden“, sagt die Inhaberin der Metzgerei Rieder in Mittenwald. Die Erklärung liefert sie mit. „Die Wurst bleibt im Metzgerpapier am frischesten. Anders eingepackt, wird sie schmierig.“ Aus diesem Grund rät sie ihren Kunden davon ab, eine Dose mit zum Fleisch- und Wursteinkauf mitzubringen. Dabei häufen sich bei ihr die Kunden mit eigenen Boxen. Doch Berg klärt ihre Abnehmer auf. Frisches Hackfleisch trage viel Wasser in sich, sei schnell verderblich und die Verpackungsfolie deshalb umso wichtiger. Die meisten lassen dann die Wurst wie gewohnt von ihr verpacken.

Laura Masuhr 

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