Gericht

Polizisten-Trick: Betrüger verurteilt

Er hat Senioren um viel Geld gebracht. Nun saß ein 23-jähriger Münchner vor Gericht. 

Garmisch-Partenkirchen - Einer der „falschen“ Polizisten, die im vergangenen Jahr auch im hiesigen Landkreis versucht hatten, ältere Menschen durch Telefonterror um ihr Geld zu bringen, ist nun in Gröbenzell festgenommen und in Fürstenfeldbruck verurteilt worden. Nach zwei erfolgreichen „Einsätzen“ wurde der 23-jährige Münchner bei seinem dritten Versuch in Gröbenzell geschnappt. Am Brucker Amtsgericht ist er nun wegen Betrugs und versuchten Betrugs für zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter geschickt worden. „In diesen Fällen darf es keine milden Strafen geben“, betonte der Richter in seiner Urteilsbegründung. „Es muss sich herumsprechen, dass sich so etwas nie und nimmer rentiert.“ Zunächst hatte der Mann eine Garmisch-Partenkirchnerin um 15 000 Euro, dann eine 77-jährige Holzkirchenerin um 25 600 Euro geprellt. Wie sich in der Verhandlung herausstellte, war der 23-Jährige allerdings nur das letzte Glied in einer Kette von Betrügern. Er war wenige Tage vor seinem ersten Einsatz im Juli vergangenen Jahres in München auf einem Parkplatz von zwei Männern angesprochen worden, ob er sich nicht etwas Geld dazu verdienen wolle. Der 23-Jährige befand sich in einer schlechten Lebensphase und war in Geldnot. Er willigte ein. Bei seinem ersten Betrugseinsatz fuhr er zu dem Haus in Garmisch-Partenkirchen, wenige Tage später wiederholte sich dies in Holzkirchen, bis in Gröbenzell alles aufflog. Dort war eine Bankmitarbeiterin skeptisch geworden, als eine 90-Jährige 15 000 Euro auf einmal abheben wollte. Sie informierte die Polizei. Als der Betrüger bei der Frau erschien, um das Geld abzuholen, griff die echte Polizei zu. Nach seiner Festnahme zeigte sich der 23-Jährige rundherum geständig. Sonst hätte der Fall in Garmisch-Partenkirchen wohl niemals aufgeklärt werden können. Zutage trat in der Verhandlung auch, wie die Betrüger gearbeitet haben. Die Drahtzieher saßen in der Türkei, berichtete einer der ermittelnden Polizisten. Dies hatte ein Handygespräch offenbart. In Deutschland war ein Mann damit beschäftigt, die Opfer auszusuchen und als angeblicher Polizist anzurufen. Zielgruppe der Bande: hilflose, betagte und alleinlebende Menschen. Die Opfer wurden immer wieder kontaktiert. Die Gröbenzellerin berichtete sogar von einem „richtigen Telefonterror“. Der angebliche Polizist ließ seinen Opfern keine Zeit nachzudenken oder mit jemandem Kontakt aufzunehmen. Der Anrufer tischte den älteren Damen Geschichten von einer Einbrecherbande auf. Diese sei aufgeflogen und dabei sei ein Zettel mit den Kontodaten des Opfers aufgetaucht. Ihr Geld sei deshalb in Gefahr und solle von einem Polizisten in Sicherheit gebracht werden. Ein weiterer Mann war damit beauftragt, einen Abholer zu rekrutieren, in diesem Fall den Angeklagten. Dem Abholer wurde auferlegt, möglichst wenig zu reden und schnell mit dem Geld zu verschwinden.

Rubriklistenbild: © dpa

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