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Küsschen für die Kamera: Die Branchengrößen (v. l.) Anny Aurora und Texas Patti posieren leicht bekleidet auf der Wiese vor dem Gasthof Wildensee. 

Texas Patti treibt‘s wild in Mittenwald 

Pornodreh am Wildensee

Mittenwald - Schöne Hügel und Täler – nun hat auch die Sexbranche die Alpenwelt Karwendel entdeckt. Texas Patti oder Anny Aurora räkelten sich auf dem Kranzberg vor der Kamera. 

Auf dem Mittenwalder Kranzberg konnte man vor einigen Tagen ein Phänomen beobachten. Jede Menge Einheimische pilgerten hinauf zum Gasthof Wildensee. Aber warum nur? Jeder in der Region weiß doch, dass das Lokal inmitten unberührter Natur in der touristisch toten Zeit geschlossen hat. Was also hat so magische Anziehungskraft auf die überwiegend jungen Burschen?

Die Lösung ist – wenn überhaupt – in roten, weißen und schwarzen Dessous verpackt und heißt Texas Patti, Julia Pink oder Anny Aurora. Diese wohlgerundeten und langbeinigen Damen sind in der deutschen Porno-Szene so etwas wie Stars – neun Tage standen sie für Beate-Uhse-TV im und am Gasthof Wildensee vor der Kamera.

Und offenbar gefiel es dem Produktionsteam dort außerordentlich gut. „Es ist rabiat traumhaft schön hier“, schwärmt Hauptdarstellerin Texas Patti alias Bettina Habig (35) aus Münster. Unaufhörlich versorgen sie und ihre Kolleginnen ihre Fans in den sozialen Medien mit Neuigkeiten und aufreizenden Fotos. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. „Auffallend waren die täglichen Besucher aus dem Ort, die im Gasthof trotz der seit Jahren bekannten Betriebsferien ein Bierchen trinken wollten“, teilt Beate-Uhse-Sprecher Ulrich Kuhnt mit. Ja die „Sexpension Hüttenzauber“ – so der Arbeitstitel der achtteiligen Erotikserie, die im März 2017 im Pay-TV ausgestrahlt werden soll – hat den einen oder anderen neugierig gemacht.

Mittenwalder Gebirgsjäger kommen zufällig am Drehort vorbei

Selbst Bundeswehrsoldaten zog es zu den Nackedeis, wie Kuhnt weiter wohl mit einem Augenzwinkern berichtet. „Die Mittenwalder Gebirgsjäger führten rein zufällig einen Leistungsmarsch entlang der Pension durch.“ In der Edelweißkaserne kurz nachgefragt, drückt man sich um eine offizielle Stellungnahme. „Das waren keine von uns“, wird einem unter der Hand gesteckt. Damit wird auf ein Facebook-Foto angespielt, dass Porno-Aktrice Lara CumKitten bei Facebook gepostet haben soll. Es zeigt sie – bekleidet – im Kreise einiger Uniformierter.

Apropos Internet: „Eine ortsgebundene Facebookgruppe machte die Sexpension zum Thema Nr. 1“, teilt Kuhnt ferner mit. Bei der ganzen Mitteilungswut der Sex-Sternchen hatte man zu guter Letzt selbst bei der Alpenwelt-Karwendel-GmbH ein wenig Bammel, dass plötzlich delikate, nicht ganz jugendfreie Bilder auf ihren Kanälen landen würden. Unterm Strich jedenfalls ist doch Mittenwald und seine schöne Umgebung bei Texas Patti und ihren unzähligen Fans und Followern in aller Munde. Also Gratiswerbung und eine neue Urlauber-Klientel? GmbH-Chefin Sabrina Blandau überlegt lange, ehe sie auf diese pikante Frage eine Antwort gibt. Schließlich meint sie kurz und knapp: „Wir sehen hier für uns keine neue Gäste-Zielgruppe.“ Das soll’s auch schon gewesen sein.

Die „Tote-Hose-Zeit“ im Winter beleben

Doch wie verschlug es das illustre Produktionsteam aus Berlin – rund 20 Männer und Frauen – ausgerechnet zum Gasthof Wildensee? Beate-Uhse-TV nahm vor einigen Monaten über einen gemeinsamen Freund Kontakt mit Wirt Christian Witting auf. „Sie fragten, ob sie für mehrere Tage hier oben am See drehen könnten“, erzählt er. Für ihn war es ein passender Zeitpunkt. Die Sommersaison war vorbei und der Start in den Winter lässt noch auf sich warten. Um wortwörtlich die Tote-Hose-Zeit zu beleben, sagte der Mittenwalder schließlich zu.

Der Drehtag begann früh. Bereits um 5 Uhr klingelt der Wecker. In der geräumigen Gaststube versammeln sich Kameramänner, Tontechniker, Maskenbildnerinnen sowie Darsteller. Alles ganz normal, oder? „Die Gespräche am Tisch waren etwas erwachsener“, erzählt der Gastgeber mit einem Augenzwinkern. „Eigentlich alles wie an jedem normalen Filmset auch – nur ein wenig anders halt.“

Damit soll’s aber auch gut sein. Überrascht war man bei Beate-Uhse-TV im erzkonservativen Mittenwald von der der Lockerheit der Einheimischen. „Die Produktion wurde in der Umgebung sehr positiv und vorurteilsfrei aufgenommen“, glaubt zumindest Kuhnt wahrgenommen zu haben. Doch im beschaulichen Werdenfelser Land sind derlei Streifen nicht ganz unbekannt. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die sogenannten Lederhosen-Filme, die in den 1970ern in der Region gedreht wurden. Der feine Unterschied: Im Gegensatz zum Internet-Zeitalter geschah dies noch weitgehend im Verborgenen.

Josef Hornsteiner

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