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Stellt in Murnau aus: Fotografin Nomi Baumgartl.

Porträt über Fotografin Nomi Baumgartl 

In Murnau neue Heimat gefunden

Murnau - Sie fotografierte schon den Papst und die Wildnis Afrikas: Profi-Fotografin Nomi Baumgartl hat  in Murnau ihre neue Heimat gefunden.

Sie stand buchstäblich im Zentrum der katholischen Kirche, im Vatikan, und hat dort den früheren Papst Johannes Paul II. abgelichtet. Sie fotografierte aber auch in der Wildnis Afrikas und im Polareis. Sie schwamm mit Delphinen und blickte ins Auge eines Elefanten: die Fotografin Nomi Baumgartl. Und als sie eines Tages bei Dreharbeiten für eine Fernsehdokumentation auf dem höchsten Berg Deutschlands, der Zugspitze, stand und gefragt wurde, wo sie gerne leben würde, da zeigte sie in die Richtung, in der Murnau liegt. Heute, etwa ein Jahr später, wohnt sie tatsächlich dort und hat einen herrlichen Blick auf die Berge. Hier fühlt sich Nomi Baumgartl zu Hause – und scheint wohl selbst ein wenig überrascht davon zu sein, da sie zuvor vorwiegend in München oder auch in New York gelebt hat. Am Staffelsee wolle sie der Natur nahe sein und wieder Energie tanken, erzählt sie. Dabei wirkt sie lebenslustig und bereits voller Energie und Tatendrang.

Das Leben Nomi Baumgartls ist allerdings alles andere als geradlinig und nicht immer nur märchenhaft verlaufen. In den 1990ern hatte die erfolgreiche Mode-Fotografin und Bildjournalistin einen schweren Autounfall, bei dem sie ihr Langzeitgedächtnis weitgehend verlor. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sie wieder in der Lage war zu arbeiten und sie sich ihre Vergangenheit Stück für Stück zurückgeholt hatte. Und so ist sie heute, wie sie selbst sagt, in mancher Hinsicht erst 20 Jahre alt, weil ihr ein neues Leben geschenkt wurde. Damals, nach ihrem Unfall, halfen ihr vor allem die Begegnung mit einem wilden Delphin, beim Schwimmen im Meer und später eine professionelle Delphin-Therapie dabei, wieder gesund zu werden und als Fotografin zu arbeiten. Für die Organisation Dolphin Aid realisierte sie deshalb ein spektakuläres Fotoprojekt.

2001 lernte sie Chris Gallucci kennen, der mit seinen Elefanten Timbo in einem privaten Tierreservat in Kalifornien lebte. Aus dieser Begegnung entstand ein weiteres Projekt – unter anderem ihr Bildband „Der Elefantenmann“. Aber auch in ihrer märchenhaften Erzählung „Mumo“ griff Nomi Baumgartl das Erlebte auf und verband es mit Erträumten. Die ursprünglich im Piper Verlag erschienene Geschichte vom Elefanten, der seine letzten Tage im Meer verbringen wollte, wurde im vergangenen Jahr in Murnau neu aufgelegt, worüber sich Baumgartl sehr freute. „Rückblickend“, sagt sie, „ergab sich immer eines aus dem anderen – wie eine Fügung und Führung“. Aber in der Zeit der langen Rehabilitation war das alles gar nicht so klar. Was sie selbst fasziniert, ist, dass die Geschichte ihrer Heilung vom Wasser aufs Land führte und daher ein wenig der Geschichte des Lebens auf unserem Planeten entspricht. Ihre Kunst findet man heute in bekannten Museen und namhaften Sammlungen, aber auch in Murnau. Und zwar in der Seidlstraße, in der Schokoladen-Manufaktur. Darauf ist Nomi Baumgartl richtig stolz, dort hängen ihre Arbeiten zusammen mit Bildern, die Murnauer Kinder zu der Geschichte von Mumo dem Elefanten gemalt haben. Sie werden zugunsten der Stiftung Sauti Kuu von Auma Obama, der Halbschwester des amerikanischen Präsidenten, verkauft. Sauti Kuu bedeutet „Starke Stimmen“ und hilft Kindern in Afrika. Am Freitag und Samstag, 11. und 12. März, wird Nomi Baumgartl jeweils von 11 bis 17 Uhr in der Ausstellung Bücher signieren. Als Dankeschön für die kleinen Künstler und ihre Eltern.

Heribert Riesenhuber

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