Soll verkehrsberuhigt werden: die Kreuzung vor dem alten Postamt. Foto: Lory

Post-Kreuzung: Weniger als Tempo 20 ist nicht drin

Murnau - Die Marktgemeinde muss bei den Planungen für eine Neugestaltung der Bahnhofstraße einen Dämpfer einstecken: Die anvisierte Schritttempo-Regelung ist auf der Post-Kreuzung unzulässig.

Die Idee war von Anfang an umstritten, überzeugte aber die Mehrheit des Murnauer Gemeinderats: Der markante Kreuzungsbereich am alten Postamt sollte im Zuge der Sanierung der Bahnhofstraße radikal verkehrsberuhigt werden. Das Ziel: Ein Bereich, in dem Autos nur noch im Schritttempo (bis zu sieben Stundenkilometer) fahren dürfen - und Radfahrer und Fußgänger gleichberechtigt sind. Dahinter steckt die Planungsphilosophie „Shared Space“ (gemeinsam genutzter Raum). Doch daraus wird nichts.

Das im Mai beschlossene Konzept ist, wie in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats bekanntgegeben wurde, verkehrsrechtlich gar nicht machbar. Dies ist das Ergebnis eines Ortstermins, an dem auch das Landratsamt als übergeordnete Behörde beteiligt war. Nun wird eine Tempo 20-Lösung angestrebt. Experten sprechen - wie im Untermarkt - von einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich, der die Trennung der Fahrbahnen für Autos und Fußgänger beibehält.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) nimmt den Dämpfer gelassen. „Wir sollten kein Drama daraus machen“, sagte er. Es gebe eben verschiedene Sichtweisen. Entscheidend sei, dass es vor dem Kultur- und Tagunsgzentrum zu einer Entschärfung komme. Derzeit liegt das Limit bei den innerorts üblichen 50 Stundenkilometern. „Wenn wir dort nicht das Tempo reduzieren, werden wir keine erhöhte Stadtqualität hinbekommen“, betonte Beuting. Seiner Ansicht nach handelt es sich um einen besonderen Standort, den viele Fußgänger kreuzen, die beispielsweise vom Ortskern in Richtung Kurpark oder Münterhaus unterwegs sind.

Zum Hintergrund: Die als Asphaltwüste verschrieene Bahnhofstraße soll als zweite Einkaufsmeile neben dem Ober- und Untermarkt aufgewertet und attraktiver werden. Mindestens fünf Jahre wird der Eingriff dauern - und vermutlich 5,5 Millionen Euro verschlingen. Nächstes Jahr soll es mit dem ersten Abschnitt losgehen. Herzstück ist dabei die Neugestaltung des besagten Areals zwischen Postgasse und Burgklause. Die Schritttempo-Regelung wäre dem Vernehmen nach nur in einer Anliegerstraße mit einem geringen Verkehrsaufkommen denkbar, nicht aber auf einer Ortsdurchfahrt. Die Bahnhofstraße ist noch dazu eine wichtige Ausweichroute, wenn, etwa bei einem Unfall, die Entlastungsstraße gesperrt werden muss.

Verkehrsreferent Dr. Franz Englbrecht (ÖDP/Bürgerforum) hat in der Sache seine eigene Theorie: Er habe den Eindruck, erklärte er in der Sitzung, dass in den höheren Behörden gegen jede Einschränkung des Autoverkehrs vorgegangen wird. Und sein Fraktionskollege Michael Manlik meinte: „Das ist eine endlose Diskussion.“ Die einen wollten die Autos aus dem Zentrum rausbekommen, die anderen hinein.

Gar nicht begeistert von dem Prozedere ist Alexander Weinhart, Sprecher der Fraktion Mehr bewegen, der von Anfang an gegen die Schritttempo-Variante war. Dass diese gar nicht zulässig ist, hätte man doch vor dem ersten Gemeinderatsbeschluss abklären können, kritisierte er. Nun müsse man zurückrudern. „Wir hätten uns die Diskussion sparen können.“

CSU-Vize-Sprecher Josef Bierling ist froh, dass die „Shared Space“-Idee nicht Realität wird. Diese hätte seiner Meinung nach an der Stelle nicht funktioniert. Unabhängig davon warnte er vor einem „unsinnigen Schilderwald“ in der Bahnhofstraße, die zur Tempo 30-Zone und in dem besagten Kreuzungsbereich vor dem Postgebäude zur Tempo 20-Zone werden soll. Seiner Ansicht nach würde Tempo 30 für die gesamte Strecke reichen. (as)

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