Ja zum Priesteramt - ein Zick-Zack-Kurs

Bad Kohlgrub - Er wollte schon als Jugendlicher Priester werden, dazu entschlossen hat er sich aber erst mit 30 Jahren: Theologie-Student Tobias Prinzhorn absolviert derzeit ein Praktikum im Pfarrverband Bad Kohlgrub.

„Ich nehme ihn fast überall mit hin“, sagt Pfarrer Rudolf Scherer über seinen Praktikanten: Der Theologiestudent Tobias Prinzhorn ist noch bis Ostersonntag im Pfarrverband Bad Kohlgrub, um den Tagesablauf und die Aufgaben eines Pfarrers sowie das Leben und die Arbeiten in einem Pfarrhaus kennen zu lernen.

Insgesamt hat der aus dem Dekanat Dorfen stammende 33-Jährige zwölf Wochen Zeit, um Rudolf Scherer „zunächst über die Schulter zu schauen und dann einige Teilbereiche meiner Arbeit zu übernehmen“, erzählt der Ortsgeistliche. Weil Tobias Prinzhorn in seiner Heimatgemeinde Pemmering Vorsitzender der katholischen Landjugend war, soll er auch mit den Ministranten des Pfarrverbandes arbeiten und bei der Kommunionvorbereitung mithelfen. Scherer möchte ihm im Laufe der Zeit auch die Einführungen von Gottesdiensten sowie Kreuzwege überlassen und ihn mit Gemeindereferentin Irmgard Eder in die Schule schicken. „Meine Aufgabe ist es in erster Linie, Herrn Prinzhorn zu begleiten“, stellt Pfarrer Scherer klar.

Er empfindet es als „ganz große Ehre, nach so kurzer Zeit schon einen Praktikanten zugewiesen bekommen zu haben.“ Diese Tatsache bewertet er als Zeichen der Wertschätzung und des Vertrauens - in ihn als Pfarrer - aber auch in die Gemeinden des Pfarrverbandes. Für diesen stelle die Präsenz Prinzhorns zweifellos eine Bereicherung dar: „Die Gläubigen erleben dadurch, dass es noch Priesteramtsanwärter gibt; sie begegnen Herrn Prinzhorn mit großer Offenheit.“

Obwohl er sich bereits als Jugendlicher mit dem Gedanken trug, Priester zu werden, hat der Theologiestudent das Thema zunächst immer wieder weggeschoben: „Ich hatte ja kein Abitur und fing deshalb erst einmal mit einer dreijährigen Lehre zum Industriemechaniker bei BMW in München an“, erzählt er. Danach kehrten die Gedanken zurück. Doch dann lernte er ein Mädchen kennen und das Thema hatte sich vorerst wieder erledigt. „Richtig akut wurde es dann zum ersten Mal mit 26“, erinnert sich Prinzhorn. Er entschied sich aber erneut gegen die Priester-Laufbahn und besuchte stattdessen die Meisterschule.

„Dort beschloss ich dann aber relativ bald, nach dem Abschluss mit dem Leiter des Priesterseminars zu sprechen.“ Von diesem wurde er 2009 schließlich in einen Vorkurs - das sogenannte Propädeutikum - nach Passau geschickt.

Seine Stärken sieht der Spätberufene in der Jugendarbeit, er kann aber „auch gut mit Senioren umgehen“. Weil ihm der Kontakt und Gedankenaustausch mit Menschen „außerhalb des theologischen Umfelds“ sehr wichtig ist, fährt er alle paar Wochen nach Hause, um Freunde und Familie zu treffen. Letztere reagierten für ihn „sehr überraschend“ auf seinen Entschluss, Priester zu werden: „Sie waren nämlich überhaupt nicht überrascht.“ Lediglich seine Eltern seien anfangs leicht besorgt gewesen, weil er seinen sicheren Arbeitsplatz für das Studium aufgab. „Mittlerweile stehen sie aber voll hinter mir und meiner Entscheidung.“

In seiner Freizeit geht Tobias Prinzhorn gerne Radfahren und Wandern. Außerdem besitzt er ein kleines Oldtimer-Moped und eine größere neue Maschine. Musik hört er - Tageszeit abhängig - querbeet und auch bei den Büchern hat er verschiedene Vorlieben: „Ich lese gerne Krimis von Donna Leon und Bücher über Papst Johannes Paul II., von dem ich ein großer Fan bin“.

Michaela Feldmann

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