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Einiges an Platz bietet die Halle III im Olympia-Eissportzentrum – nur für wen künftig?

Olympia-Eissportzentrum Garmisch-Partenkirchen

Pro Sport oder pro Sparen?

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Im Verwaltungsrat der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen geht es heute Abend um die Zukunft der Curlinghalle im Olympia-Eissportzentrum. Die Gemeindewerke und die Curling-Abteilung des SC Riessersee machen vor der Entscheidung ihre Sicht der Dinge noch einmal deutlich 

Garmisch-Partenkirchen – Eigentlich makaber: Während die Curler des SC Riessersee in diesen Tagen in der Schweiz Deutschland bei der Weltmeisterschaft im Mixed vertreten, also ihrem Sport auf Top-Level nachgehen, wird in der Heimat über ihr Schicksal diskutiert. Der Verwaltungsrat der Gemeindewerke tagt heute Abend. Ein zentraler Punkt: die Zukunft der Curlinghalle im Olympia-Eissportzentrum (OEZ). Im Grunde hatte das Gremium sich bereits für eine Schließung der Anlage (Halle III) entschieden. Nachdem sich nun aber doch massiver Widerstand von der Curlingseite regt, bringt Wotan Lichtmeß das Thema noch einmal zur Vorlage. Der Werkechef wird den Gemeinderäten aktuelle Zahlen präsentieren, um das weitere Vorgehen endgültig zu besiegeln.

Die Fronten sind verhärtet. So viel ist klar. Auf der einen Seite gibt es die Sportler, die um ihre Spielstätte, damit um ihre Existenz bangen. Auf der anderen Seite stehen die Gemeindewerke, die ihren Betrieb schlichtweg weiter optimieren wollen. Heißt im Klartext: Das Minus des OEZ nochmals zu verringern. Für das Jahr 2016 sind die Zahlen vorzeigbar: 1,3 Millionen Euro an Defizit hat die Anlage mit fünf Eisflächen aufgeworfen. Gegenüber Vorjahren, in denen das Minus bis auf zwei Millionen hinaufschnellte, hat sich da schon einiges getan. Lichtmeß aber reicht das nicht. „Ich habe einen klaren Optimierungsauftrag, und den muss ich verfolgen.“ Das habe der Verwaltungsrat festgelegt. Der Tenor zur Curlinghalle: Fällt die Zuschussbindung nach dem Bau der Anlage im Jahre 2018 weg, wird über die Zukunft der kleinsten Halle gesprochen. Das tun die entscheidenden Abteilungen und Gremien seit einigen Jahren. Der Konsens im August war nun: Die Halle III soll „künftig ganzjährig anderen Nutzungsmöglichkeiten offenstehen, die das Defizit des Eisstadions ... senken sollen“. So heißt es in einem Schreiben an die Curlingabteilung des SCR.

Schöpp zweifelt Zahlen der Gemeindewerke an

Aus allen Wolken fielen Rainer Schöpp, der Leiter der Sparte, und seine Mitstreiter nicht. Gewusst haben sie schon länger, dass die Schließung ein Thema ist. Nun, da sie aber droht, zur Realität zu werden, wehren sie sich – sie versuchen es zumindest. Schöpp zweifelt die Zahlen, die Lichtmeß in puncto Curlinghalle auftischt, an. „Wenn er von 200 000 Euro spricht, dann wären alle anderen Curlinghallen pleite, das könnte sich keiner leisten.“ Die Curler haben eine Firma aus Tirol gebeten, sich die Anlage anzusehen und die Kosten zu schätzen: „Die kommen mit dem teuersten Strom, der zu haben wäre, gerade mal auf 15 000 Euro Energiekosten.“ Die Summe im sechsstelligen Bereich könne bei nur vier Monaten Eiszeit nicht der Wahrheit entsprechen, behauptet Schöpp. Auch sieht er keinen Spareffekt: „Die Energiekosten fallen weg, aber Herr Lichtmeß kann doch nicht sein Personal rauswerfen.“ Das streitet Lichtmeß nicht ab. Aber: „Auf Sicht kann ich sehr wohl sparen. Wenn Eismeister aufhören, muss ich nicht jede Stellen nachbesetzen.“ Zudem könne das Personal Überstunden abbauen und müsse keine neuen anhäufen.

Schöpp präsentiert hinsichtlich der Personalkosten eine einfache Rechnung: „Pro Tag ist ein Eismeister für Curling maximal eine Stunde beschäftigt, das Eis mit der Maschine abzuziehen. Das sind maximal fünf oder sechs Stunden die Woche.“ Das Eis für Curling herzurichten, die „Pebbles“, die Wassertropfen, aufzubringen, übernehmen sowieso die Sportler selbst.

Werke-Chef Lichtmeß kann nur schmunzeln

Lichtmeß kann bei dieser Rechenweise nur schmunzeln. „Diese Denke ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Sein Personal nach Stunden abzurechnen, sei schlichtweg nicht möglich. „Ich habe doch Fixkosten, und das auch noch, egal ob ich Eis in der Curlinghalle habe oder nicht.“ Die Gemeindewerke beschäftigen keine Leiharbeiter, die auf Stundenbasis bezahlt werden, sondern Eismeister, die alle Tarifverträge besitzen. Der Werkechef erklärt seine Rechnung wie folgt: „Im Schnitt der vergangenen Jahre hatte ich ein Minus von 1,5 Millionen Euro.“ Davon zieht er rund 200 000 Euro für die beiden Freiflächen ab, die mittlerweile nicht mehr ganz drei Monate betrieben werden. Bleiben 1,3 Millionen Euro. „Die müsste ich nun auf die drei Hallen verteilen.“ Macht zirka 430 000 Euro pro überdachte Eisfläche. „So kann ich aber nicht rechnen, das wäre unfair. Die Halle III ist kleiner, die Eiszeit kürzer.“ Also zieht er nochmals 50 Prozent des Defizits ab. „Und ich garantiere, dass jeder Prüfer zu mir sagt, dass dies mit gesundem Menschenverstand nichts zu tun hat.“ Lichtmeß landet also bei rund 200 000 Euro.

Diese ursprüngliche Zahl hat er für den Verwaltungsrat nun noch einmal genau unter die Lupe genommen. „Aber weiter runter als Vollkosten in Höhe von 186 000 Euro komme ich beim besten Willen nicht mehr.“ Für 2016 speziell hat er sogar noch einen eigenen Wert: Da seien es 163 000 Euro gewesen. Den Verwaltungsrat müsse er aber mit dem Schnitt konfrontieren, der liege bei einem Gesamt-Defizit von 1,5 Millionen Euro eben bei 186 000 Euro. Was an Kosten für die beiden Eishockey-Hallen hängen bleibe, könne sich jeder selbst ausrechnen und fragen, ob dieses Vorgehen dann fair sei. Schließlich sei Eishockey ein deutlich einträglicheres Geschäft als Curling. Auch dazu hat Lichtmeß eine Zahl parat: „Die gesamten Einnahmen der Curlinghalle betragen pro Jahr 8000 Euro.“ Für Menschen, die seine Zahlen anzweifeln, hat Lichtmeß noch einen Hinweis: „Unser Abschluss wird in jedem Jahr von einem Wirtschaftsprüfer testiert, alle fünf Jahre kommt noch der Prüfungsverband.“

Curler hoffen auf Hilfe aus der Politik

Eine vertrackte Situation, die nun in den Händen der Verwaltungsräte liegt. Mit zahlreichen Gruppierungen und Parteien im Gemeinderat haben die Curler bereits Kontakt aufgenommen. Im Zuge des Wahlkampfes für die Bundestagswahl kontaktierten sie zudem die regionalen Kandidaten. Unterstützer fanden die SCR-Vertreter zumindest in SPD-Mann Robert Allmann und CSB-Fraktionschef Florian Hilleprandt. „An die CSU sind wir gar nicht rangekommen“, bedauert Schöpp. Allmann, der selbst Mitglied des Verwaltungsrates ist, wolle sich für einen Runden Tisch aller Beteiligten einsetzen, sagt Schöpp. Immerhin. „Zur Not werden wir es noch über ein Bürgerbegehren probieren.“ Denn von einem Standpunkt lässt er sich nicht abbringen: „Auf der Curlinghalle werden Kosten abgeladen, die Curling nicht verursacht.“

Eine Förderung von anderer Seite zu bekommen, wie sie bis 2014 durch den Bund bestanden hatte, ist in Schöpps Augen nur Träumerei. Ab dem Jahrtausendwechsel erhielten Gemeindewerke einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von jährlich 20 000 Euro. Dann wurde der Stützpunkt Curling aufgelöst und nach Füssen transferiert. Die Schöpps waren bekanntlich beim Verband in Ungnade gefallen und wurden sportlich auf dem Spitzenlevel, speziell das Damenteam, komplett ausgebootet. „Der Jugend-Stützpunkt in Deutschland liegt zwar momentan brach, aber an den ranzukommen, ist schwierig“, betont der Abteilungsleiter. „Denn dafür müsste der bayerische Verband weitere Zahlungen an den deutschen leisten, und der hat auch kein Geld.“ Im Grunde sind den Curlern also die Hände gebunden.

Bleibt ein Angebot, das Lichtmeß der SCR-Sparte während eines Fernsehbeitrags im BR unterbreitet hat: Die Curler könnten die Halle privat betreiben. Interesse habe er allerdings nur an einer ganzjährigen Vermietung. Denn gerade der Eisblock stehe weiteren Plänen für die Halle III am meisten im Weg. Über die Modalitäten könne man sich unterhalten. Klar ist: Der SCR müsste eigene Eismeister anstellen, den Strom selbst beziehen und bezahlen. Ein Angebot, das Schöpp grundsätzlich interessant findet. Nicht allerdings, wenn die Gemeindewerke auf eine Miete im hohen fünfstelligen Bereich beharren, von der er gehört hat. „Wir hatten sogar darüber nachgedacht, eine eigene Halle zu bauen. Aber das ist illusorisch.“

Curling-Eis gibt‘s nicht mehr zum Nulltarif

Die Frage ist aktuell, ob die Curler in diesem Winter überhaupt noch in ihre Halle kommen. „Es geht nicht mehr zum Nulltarif“, sagt Lichtmeß offen. 25 000 Euro fordern die Gemeindewerke, um in gut einer Woche das Eis zu bereiten. Für Schöpp eine hohe Hürde. Er hofft, dass zumindest die Gemeinde bei ihrem Zuschuss für den Sportbetrieb der SCR-Abteilung bleibt. Das macht immerhin 10 000 Euro aus. „Dann könnten wir rund 20 000 Euro schon stemmen“, meint Schöpp, der auf Einnahmen aus Veranstaltungen hofft. Lichtmeß stellt diese Summe nicht wirklich glücklich. Er überlässt die Entscheidung aber dem Verwaltungsrat. „Curling mache ich nicht mehr selber, das soll das Gremium entscheiden.“ Heute Abend könnte es passieren.

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