Neuer Anlauf: Dr. Ralf Schauer mit einer Ansicht des geplanten Ärzte- und Bürohauses. Foto: sj

Projekt Ärztehaus lebt wieder auf

Murnau - Das Projekt schien bereits mausetot. Nun könnte das Unternehmen Ärztehaus im Kemmelpark in abgewandelter Form zu neuem Leben erwachen - in Kombination mit Büroflächen.

Der Murnauer Steuerberater Dr. Ralf Schauer und der Münchner Projektentwickler Klaus Ebert wollen das Vorhaben verwirklichen und werden dem Marktgemeinderat ihre Pläne in der Sitzung am morgigen Donnerstag vorstellen. Das Gremium soll dann eine Grundsatzentscheidung über die Ansiedelung eines Ärztehauses fällen. „Dabei geht es um dessen Auswirkungen auf die zentrale Versorungsfunktion der Ortsmitte“, sagt Hubert Süß, Rathaus-Kämmerer und Geschäftsführer der Murnauer Grundstücks Verwaltungs GmbH. Es soll also die generelle Frage geklärt werden, ob ein Ärztehaus dem Zentrum schaden würde - zumal Schauers und Eberts Konzept auch „gesundheitsnahes Gewerbe“ vorsieht, das allerdings der Kemmelpark-Bebauungsplan nicht zulässt: eine Apotheke mit Sanitätshaus und eventuell einen Hörgeräteakustiker. „Nur dann ist aber das Angebot komplett“, argumentiert Schauer. „Und allein mit Arzt- und Büroflächen lassen sich die Baukosten nicht refinanzieren.“ Diese lägen samt der Kosten für den Erwerb von rund 3500 Quadratmetern Grund bei rund sechs Millionen Euro, die ein Investorenkonsortium und einige beteiligte Ärzte tragen sollen.

Schon vor Jahren hatte eine Ärztegruppe auf einem Areal südlich des Handwerker- und Gewerbehofs, das auch für das aktuelle Projekt vorgesehen ist, die Idee eines Gesundheitszentrums mit verschiedenen Fachrichtungen und Dienstleistungsbetrieben vorangetrieben. Als Planer und Investor trat die darauf spezialisierte Medkonzept Deutschland auf, Schauer stand den Ärzten als Gesellschafter dieser Firma beratend zur Seite. Letztlich ließen die Mediziner die Pläne wieder fallen - das Projekt schien zu teuer, zu riskant (wir berichteten).

Schon 2011 zeigte sich Schauer sicher, dass es einen erneuten Versuch in Murnau geben wird. Diese Zeit ist gekommen: Die Pläne liegen fertig auf dem Tisch. Einen Teil des dreigeschossigen Komplexes würde Schauer, der knapp 80 Mitarbeiter beschäftigt, mit seiner Kanzlei belegen, um die drei Murnauer Standorte unter einem Dach zu vereinen. „Wir wollen weiter wachsen“, sagt Schauer. Weiter sind der gewerbliche Bereich sowie acht Arztpraxen vorgesehen, die selbständig arbeiten, aber per EDV vernetzt sind und gewisse Geräte, etwa beim Röntgen, gemeinsam nutzen. Nach Angaben des Steuerberaters gibt es zehn interessierte Murnauer Mediziner diverser Fachrichtungen, „die Schlange stehen“, um bei einem barrierefreien „Haus der kurzen Wege“ mit im Boot zu sitzen. Dadurch könne man die Ärzte am Standort halten, schaffe eine gute Infrastruktur und trage dazu bei, dass sich die medizinische Versorgung der Menschen in der Region wesentlich verbessere, betont Schauer. Er sieht keinen Grund für Ängste um den Ortskern. „Ich glaube nicht, dass ein Ärztehaus dazu beiträgt, die Innenstadt zu leeren. Diese Entscheidung ist viel früher, mit den beiden Einkaufszentren, gefallen.“ Es gelte, eine Änderung des Bebauungsplans herbeizuführen. „Zu einem Ärztehaus gehört eine vernünftige Apotheke.“ Mit einer Studie, die er bei Dr. Manfred Heider in Auftrag gegeben hat, will er die Verträglichkeit einer gesundheitsnahen gewerblichen Nutzung im Ärzte- und Bürohaus fürs Zentrum belegen. 200 Quadratmeter seien hier notwendig, um die Kosten zu refinanzieren, sagt Schauer.

Die Politik steuert mit dem Bebauungsplan Kemmelpark allerdings in eine andere Richtung. Ebenfalls am Donnerstag soll der Gemeinderat eine Änderung beschließen, die mit Ausnahme des Sondergebiets (Edeka/Aldi) keinen weiteren Einzelhandel erlaubt. Sollte das Gremium sein Projekt ablehnen, „dann ist eigentlich alles offen“, sagt Schauer. Denkbar, dass er ohne die Möglichkeit einer gewerblichen Nutzung allein ein Gebäude für seine Kanzlei realisiert - oder dass er ganz nach Seehausen ausweicht, auf das geplante Gewerbegebiet Längenwiesen. „Da gibt es zwei, drei Grundeigentümer, die großes Interesse signalisiert haben.“

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