Klare Ansage: Christian Echter (M.) verweist auf das Negativbeispiel Schongau. Fotos: Lory

Der Protest wächst

Murnau - Der Widerstand gegen weitere Einzelhandelsflächen im Murnauer Kemmelpark nimmt zu. Rund 35 Geschäftsleute und Kommunalpolitiker kamen am Dienstagabend ins Café Krönner, um sich über die aktuelle Entwicklung zu informieren. Dritter Bürgermeister und Buchhändler Guntram Gattner (ÖDP/Bürgerforum) fand dabei klare Worte: „Wir müssen uns auf die Hinterbeine stellen."

Zum Hintergrund: Angeblich interessiert sich der Immobilienriese Ten Brinke für ein 5000 Quadratmeter großes Grundstück im Eingangsbereich des früheren Militärareals. In einem Geschäftshaus, so die Befürchtung, sollen dann ein Bio-Supermarkt, eine Drogerie sowie ein Laden für Tiernahrung Platz finden. „An einzelne Interessenten sind bereits Mietverträge geschickt worden“, berichtete Gemeinderat Andreas Müssig (parteifrei), der im Zentrum einen Blumenladen betreibt. Eine Entwicklung, die ihm Sorge bereitet. „Unsere Innenstadt verträgt keine weiteren Einzelhandelsflächen mehr.“ Müssig verwies zwar darauf, dass jedes neue Sortiment im Bauausschuss behandelt werde. Dennoch gibt es Befürchtungen, dass das Vorhaben im Gemeinderat durchgewunken wird, wenn einmal die fertigen Pläne vorliegen sollten. Jetzt könne man das Ganze noch verhindern, meinte Müssig.

Nach dem Bau des neuen Einkaufzentrums, das Ten Brinke im Kemmelpark hochzog, habe die Frequenz im Ortskern spürbar abgenommen. „Es wird für uns Händler immer enger“, unterstrich CSU-Gemeinderat und Ladenbetreiber Wolfgang Köglmayr. Am Ende habe auch die Marktgemeinde ein Problem, wenn das Leben in der Fußgängerzone den Bach runtergehe.

Als „Bedrohung für Murnau“ empfindet Christian Echter (Modehaus Echter) das beschriebene Szenario. Ein Paradebeispiel, wie man eine Innenstadt zugrunde richten könne, sei Schongau. „Das ist ein Museum geworden.“ Echter empfahl, den nächsten Gemeinderat in einen Bus zu setzen und nach Schongau zu fahren.

Auch die vier Bürgermeisterkandidaten schauten vorbei. Elisabeth Hoechner (SPD) versuchte die Befürchtungen zu zerstreuen. Die Gemeinde müsse das Grundstück zum jetzigen Zeitpunkt nicht verkaufen. „Der Druck ist weg. Wir wollen den Markt schützen“, betonte sie.

Dass das Projekt einfach so im Marktgemeinderat durchgewunken wird, glaubt auch CSU-Kandidat Josef Bierling nicht. „Wir haben alle Fäden in der Hand.“ Für ihn steht fest, dass sich die Geschäfte im Markt durch Qualität und Service auszeichnen müssten.

„Wir müssen schauen, wie wir das Zentrum stärken können“, warf Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) ein, der ebenfalls Bürgermeister werden will. Er ist sicher: Die Frequenz im Ortskern werde auch nachlassen, wenn im Kemmelpark keine zusätzliche Flächen entstehen. Als Problem nannte er etwa den Online-Handel. An die Gemeinderäte appellierte Beuting, am Donnerstag, 6. Februar, gegen weitere Einzelhandelsflächen zu stimmen. Alexander Weinhart (Mehr Bewegen), der vierte Kandidat für den Chefsessel im Rathaus, regte an, mit dem Investor zu sprechen. Dabei solle dieser die Vorteile für Murnau aufzeigen „und nicht nur seine eigenen“. Auch Weinhart machte klar, dass der Markt schützenswert sei. Von Ten Brinke war am Mittwoch keine Stellungnahme zu erhalten. (roy)

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