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Öffentlichkeitswirksam: Das Schreiben hängt an einem Ständer gegenüber vom Angerbräu. 

Wird Jugend an Rand gedrängt?

Ein ungewöhnlicher Hilferuf 

Murnau - Es ist eine bemerkenswerte Aktion: Am Murnauer Untermarkt hat ein Unbekannter ein Schreiben platziert. Der Inhalt: Der Jugend werde im Ort nicht genug Beachtung geschenkt.

Als der Murnauer Marktgemeinderat Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) am Silvester-Nachmittag spazieren war, kam er auch am Untermarkt vorbei. Dort bot sich am Brunnen gegenüber vom Angerbräu nicht das gewohnte Bild. Denn es war eine Art Ständer platziert, an dem eine Tafel sowie oben eine Taube aus Pappmaché befestigt waren. Der Inhalt des dazugehörigen Textes ist ein Art Hilferuf – und hat es in sich. Ein Vorwurf: Die Jugend werde in Murnau an den Rand gedrängt. Kommunalpolitiker wollen daher aktiv werden.

Überschrieben ist das Schriftstück mit dem Satz „Der Blaue Reiter ist tot“. Zunächst erklärt der Verfasser, dass Murnaus kulturelle und künstlerische Vergangenheit groß sei. „Doch es ist die Vergangenheit.“ Die Zukunft des Ortes liege aber nicht in den Händen der Vergangenen, „sondern in unseren, denen der Jugend und Jugendkultur. Da diese nicht beachtet und anscheinend auch nicht gewünscht ist, verwandelt sich Murnau in ein schickeriaverseuchtes Bonzenloch, in dem nur Platz für jene ist, die zwar nichts zu sagen haben, aber das Geld haben, hier zu leben.“ Der Platz für jugendlichen Leichtsinn, Freiheit und Ausreißer werde immer beschränkter. Die jungen Leute, „die Zukunft dieses Ortes“, würden an den Rand der Gesellschaft verbannt und dort kriminalisiert. Der Autor nennt das Verbot, Alkohol in der Öffentlichkeit zu konsumieren. Dies sei gezielt verhängt worden, „um Jugendversammlungen ohne einen sichtbaren Grund aufzulösen“.

Alles sei darauf aufgebaut, aus Murnaus künstlerischer Vergangenheit den größtmöglichen Profit zu schlagen und den Touristen „eine Fassade des so wunderschönen und freien Murnaus zu präsentieren“. Es gebe „kaum genügend bezahlbaren Wohnraum für unsere Unterschicht und erst recht keinen Raum für Jugendliche, in dem sie sich ausprobieren, entdecken und entfalten können“. Wer das Schreiben verfasst hat, ist unklar. Es ist lediglich mit „Die weiße Taube“ unterzeichnet.

Zoepf hat ein Bild bei Facebook gepostet und den/die Verfasser gebeten, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Zudem hat der Gemeinderat von Mehr Bewegen seine Kollegen Dr. Elisabeth Tworek (Kulturreferentin, SPD) sowie die Jugendbeauftragte Veronika Jones (Grüne) informiert. „Wir wollen das Thema in den Marktgemeinderat tragen, auch wenn sich niemand meldet“, kündigt Zoepf an. Denn offensichtlich sei ein Missstand da. „Es ist zu überlegen, wo man für Jugendliche Platz und Raum schaffen kann. Damit die irgendwo unterkommen und nicht das Gefühl haben, nicht erwünscht zu sein. Das wäre fatal“, betont Zoepf. Vielleicht könnte die Kommune im James-Loeb-Haus Kapazitäten schaffen.

Der Verfasser des Schreibens habe im Grunde Recht, sagt Jones. „Das Angebot für die Jugendlichen ist relativ beschränkt.“ So habe Murnau nicht einmal einen richtigen Bolzplatz, es gebe auch keine Übungsräume mehr. „Das Jugendzentrum hat seine Berechtigung, spricht aber nur einen kleinen Teil der Jugendlichen an.“ Jones ergänzt, sie habe das Gefühl, dass die jungen Leute immer mehr aus dem Ortsbild verschwinden.

Die Jugendreferentin ist darüber hinaus der Ansicht, dass sich die Bevölkerung nicht immer gleich gestört fühlen sollte, wenn Teenager mal lauter seien. „Das gehört zum Erwachsenwerden dazu.“ Jones nimmt die Jugend auch gegen den „Generalverdacht“ in Schutz, „nur Unsinn und Dreck“ zu produzieren. Sie brauche einen „Vertrauensvorschuss“.

Für SPD-Rätin Tworek ist das Kulturfest am Samstag, 3. Juni, ein „wesentlicher erster Schritt, um Jugendliche für Kultur zu begeistern“. Die Fraktionen von SPD, Grünen und ÖDP/Bürgerforum hatten es gemeinsam auf den Weg gebracht. Das Fest werde ein neues Profil für eine Belebung des Kurparkes mit lokaler Kultur schaffen: „Kultur von Murnauern für alle, denen gemeinsam Kultur zu machen und zu erleben, Freude bereitet.“

Roland Lory

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