Prozess gegen Seelsorger der US-Armee: Aussage des Opfers

Garmisch-Partenkirchen - Im Prozess gegen einen Seelsorger (34) der US-Armee hatte am Mittwoch das Opfer (37) das Wort. Das Problem dabei: An die Tat selbst kann sich der Mann nicht mehr erinnern.

Der 37-Jährige wusste noch, dass er am Vorabend der Tat im Januar Schweinsbraten gegessen hatte. Später habe er Bier und Rüscherl getrunken. Auch von lustigen Unterhaltungen konnte er berichten. Dann reißt der Film: „Am Schluss kann ich mich an nichts mehr erinnern.“

Erst im Krankenhaus kam der 37-Jährige zu sich. Nur dank intensivmedizinischer Behandlung in der Unfallklinik Murnau hatte er überlebt. Er erlitt eine Blutung im Gehirn; mehrere Knochen im Gesicht waren gebrochen, der rechte Augapfel verschoben.

Vor dem Schwurgericht München II schilderte er sein „schiefes Gesicht“, die Schmerzen. Lange Zeit konnte er die Zähne nicht putzen und nur Kartoffelbrei essen – er durfte nicht kauen, weil in einer Operation das Jochbein wieder zurecht geschoben wurde. Bis heute sind Nerven im Gesicht, bis hin zu den Zähnen, geschädigt. Es fühlt sich taub an.

Schlimmer noch waren die psychischen Auswirkungen, die Angst. Auch die Ärzte waren sich nicht sicher, ob die Stellung des Auges wieder so wird wie vorher. Noch einige Wochen später fühlte sich der 37-Jährige „unfit“.

Der Staatsanwalt wirft dem angeklagten, protestantischen Seelsorger versuchten Mord vor. Der 34-Jährige war durch einen Kriegseinsatz psychisch erkrankt, nahm Psychopharmaka und trank Alkohol. Eine Mischung, die ihn vor dem Lokal ausrasten ließ. Aus einem Streit um weibliche Kneipengäste heraus ging er auf sein Opfer los und schubste es dermaßen, dass der 37-Jährige mit dem Kopf auf den Asphalt knallte. Danach malträtierte er ihn weiter.

Der Prozess dauert an.

Nina Gut

Rubriklistenbild: © dpa

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