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Spendable Raiffeisenbank: Bei der Generalversammlung in der TSV-Halle überreichten die zwei Vorstände Johann Sailer (l.) und Georg Hornsteiner (r.) Vereinsvertretern einen gut dotierten Scheck: (ab 2. v. l.) Franz Lipp (Trachtenverein), Emil Fütterer (Karwendelchor), Peter Frank (Fingerhakler), Heinz Pfeffer (Bergwacht), Sissi Gossner (Jugendorchester), Andreas Jais (Blaskapelle), Matthias Dallmayr (Fußballclub), Margit Hilmer (Mittelschule), Birgit Morgan (Eiskunstlaufverein), Hermann Hornsteiner (Kolpingfamilie), Robert Müller (Wasserwacht) und Andreas Knilling (TSV).

Bilanz mit nachdenklichen Worten

Raiffeisenbank umschifft alle Eisberge

Mittenwald - Trotz anhaltender Niedrigzins-Phase erhalten die 1826 Mitglieder der Raiffeisenbank Mittenwald eine Dividende. Grund dafür ist das gute Ergebnis im Jahr 2015.

Ein Eisberg ist ein großer, schwimmender Gigant im Meer. Nur etwa 15 Prozent des Kolosses sind an der Oberfläche zu sehen. 85 Prozent liegen unsichtbar im Wasser. Spätestens seit dem Untergang des Luxusdampfers Titanic im Jahr 1912 gilt er als gefährlicher Unheilsbringer. Nicht umsonst verglich Raiffeisenbank-Vorstandsvorsitzender Johann Sailer bei der Generalversammlung in der TSV-Halle die aktuelle Finanzpolitik mit einem Eisberg. „Wir alle wissen nicht, welche Gefahren der Eisberg unter Wasser für uns noch bereit hält.“

Der Rückblick und der Ausblick auf das abgelaufene und kommende Geschäftsjahr sind Sailer diesmal „besonders schwer“ gefallen, und er fühle sich „gar nicht gut dabei“. Denn nicht nur „Krieg und Terror sowie Millionen Menschen auf der Flucht“ hätte das Jahr gebracht. „Auch von den großen Banken und den EU-Krisenländern hat man nichts gescheites gehört.“ Letzteres würde zurzeit in den Medien fast keine Erwähnung mehr finden.

Doch all das ist laut Sailer „nur die Spitze des Eisberges“. Denn unter Wasser würde es „richtig brodeln“, versichert der Bankexperte. „Wir alle wissen nicht, wie unsere Politiker die Rahmenbedingungen und das Wetter für unsere Bank gestalten werden.“ Diese hätten es aber in der Hand, ob sich „der Sturm der ausufernden Bürokratie wieder legt und sich die Zinsen wieder normalisieren“.

Denn für Sailer ist klar: Je länger dieser Sturm tobt, desto „schwerer wird es für uns, auf dem Meer der Banken und der Finanzmärkte zu überleben“. Anspielen tut Sailer dabei auf die aktuelle Leitzins-Senkung des Europäischen-Zentralbank-Chefs Mario Draghi von 0,05 auf null Prozent. Zwar sind aufgrund der niedrigen Zinsen die Kredite, Ausleihungen und Kundeneinlagen „deutlich gewachsen“. Viele Neukunden konnte die Raiffeisenbank dadurch gewinnen. Die Bilanzsumme stieg um 4,3 Prozent auf 102,8 Millionen Euro.

Allerdings empfindet Sailer die Senkung des Leitzinses auch als „tragisch“: „Unsere Kunden bekommen für das Sparbuch oder das Tagegeld so gut wie keine Zinsen mehr“. Das sei „wirklich schlimm“ und bereite ihm „großen Kummer“.

Die Raiffeisenbank muss allerdings noch Zinsen zahlen beim Geldanlegen bei den großen Zentralbanken. So hätten die niedrigen Zinsen „Bremsspuren hinterlassen und die Ertragslage unserer Bank verschlechtert“. Darunter litt auch der Jahresüberschuss, auch wenn er sich nach wie vor sehen lassen kann: Nach Steuern beträgt er über 469 000 Euro. Dass macht einen Bilanzgewinn in Höhe von 211 000 Euro. So dürfen sich die Mitglieder über eine Gutschrift von fünf Prozent freuen. „Das ist ein Vielfaches von dem, was zurzeit am Zins- und Kapitalmarkt zu erzielen ist.“

Vorstand Georg Hornsteiner erklärte es im Detail: „Schuldner profitieren in einer solchen Situation vom negativen Realzins, Sparer dagegen nicht.“ Auch so würden sich Staatsschulden abbauen lassen, wie er brüskiert feststellt. Allerdings um einen hohen Preis, wie er erläutert: Banken würden in ihren Gläubigerpositionen geschwächt und „Millionen Sparer nach und nach um Teile ihres Ersparten gebracht“ werden.

Da die Niedrigzins-Politik die Zinsüberschüsse der Raiffeisenbank drückt, würde es immer schwerer werden, „im originären Geschäft mit Einlagen und Krediten auskömmliche Erlöse zu erzielen“. Dazu würde kommen, dass vor allem kleine Banken durch die „überbordende Regulatorik stark betroffen“ seien. Dass würde die Kosten der Raiffeisenbank „massiv erhöhen“.

Dennoch sind die beiden Vorstände mit dem Jahr 2015 mehr als zufrieden. Auch Bürgermeister Adolf Hornsteiner freut sich über „die gute Arbeit“, welche die Bank 2015 geleistet hat. Das Geldinstitut zählt mit über 130 000 Euro jährlich zu einem der größten Steuerzahler in der Gemeinde und beschäftigt 26 Mitarbeiter. Hornsteiner empfindet es als „wohltuend“, dass eine heimische Bank bisher „sämtliche Eisberge umschiffen konnte“. Josef Hornsteiner

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