Ein Sanierungsfall: das Murnauer Rathaus mit dem alten Strütthaus (r.). Foto: seiler

Rathaus-Sanierung: Das große Aufatmen

Murnau - Erleichterung in der Murnauer Verwaltung: Sie hat sich im Rechtsstreit um die Auftragsvergabe für die umfangreiche Rathaus-Sanierung durchsetzen können.

Der Gemeinde bleibt somit eine Wiederholung des Verfahrens erspart. Diese hätte viel Zeit und Geld gekostet. Der Markt kann nun seinen Favoriten, das Büro „Schoeps & Schlüter“ aus Münster, mit der Umsetzung des nach ersten Schätzungen rund 4,5 Millionen Euro teuren Bauvorhabens beauftragen. Derzeit werden die Verträge ausgehandelt, denen dann noch der Gemeinderat zustimmen muss.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) ist „froh“, endlich zusammen mit dem Wunschkandidaten das Mammutprojekt anpacken zu können. Entstehen soll im Herzen des Marktes ein Verwaltungskomplex - dazu gehören das denkmalgeschützte, neogotische Rathaus und direkt daneben in der Schlossbergstraße das alte Strütthaus -, der die Ansprüche einer modernen Behörde erfüllt. „Wir stürzen uns jetzt mit aller Kraft in die Planung“, sagt Beuting. Die Ziele sind ehrgeizig: Nächstes Jahr soll Baustart sein - und Ende 2017 die Fertigstellung.

Die Hintergründe des juristischen Hickhacks sind kompliziert: Der Auslöser war die überraschende Entscheidung der Gemeinde, nicht den Sieger des vielbeachteten Architektenwettbewerbs, das Büro „Bembé Dellinger“ aus Greifenberg, mit der lukrativen Aufgabe zu betrauen, sondern den Zweitplatzierten „Schoeps & Schlüter“ (wir berichteten). Dieser hatte offenbar in der zweiten und entscheidenden Runde, im eigentlichen Vergabeverfahren, den besseren Eindruck hinterlassen - und seinen Mitbewerber von der Pole-Position verdrängt.

Doch damit waren „Bembé Dellinger“ nicht einverstanden. Die Architekten aus der Ammersee-Region fühlten sich ungerecht behandelt und schalteten die Vergabekammer Südbayern der Regierung von Oberbayern ein. Dieses Sondergericht gab ihnen schließlich im Zuge eines sogenannten Nachprüfungsverfahrens Recht und verlangte, das Prozedere zur Vergabe der Architektenleistungen nachmals abzuwickeln. Wieso es zu diesem juristischen Rüffel kam, ist unklar. Angeblich wurde das Bewertungskonzept beanstandet.

Wie dem auch sei: Die Marktgemeinde wollte das Urteil nicht akzeptieren und brachte den Fall vor das Oberlandesgericht in München - mit Erfolg. Dort wurde, wie jetzt auf Tagblatt-Nachfrage von der Rathaus-Verwaltung zu erfahren war, bereits im Dezember mit „Bembé Dellinger“ ein Vergleich geschlossen. Details werden nicht verraten. Der entscheidende Punkt ist aber, dass „Bembé Dellinger“ den Antrag auf das besagte Nachprüfungsverfahren zurücknahmen. Damit ist der Weg frei für „Schoeps & Schlüter“.

„Eine Enttäuschung ist schon da“, resümiert Sebastian Dellinger, einer der Geschäftsführer von „Bembé Dellinger“. Aber in der mündlichen Verhandlung habe sich herauskristallisiert, dass das Gericht eher die Position Murnaus vertrete. Daher der Rückzieher. Man werde in der Sache auch nicht mehr nachhaken und das Kapitel schließen, sagt Dellinger.

In Münster ist hingegen die Stimmung bestens: „Wir freuen uns, den Auftrag bekommen zu haben“, so Martin Schlüter, einer der Chefs von „Schoeps & Schlüter“. Seine Firma blicke auf reichlich Erfahrung mit vergleichbaren Sanierungsvorhaben im Verwaltungsbereich zurück. „Wir wissen, was wir tun“, sagt er selbstbewusst. Auffallend beim „Schoeps & Schlüter“-Konzept ist, dass zumindest die beiden Fassaden des abgewirtschafteten Strütthauses zur Schlossbergstraße und Färbergasse stehen bleiben sollen. „Wir wollen den städtebaulichen Charakter erhalten“, betont Schlüter.

Zur Erinnerung: Bei „Bembé Dellinger“ wäre dieses Nebengebäude komplett abgerissen und durch einen Neubau mit einem modernen Erscheinungsbild ersetzt worden. Ein Vorschlag, der von einigen alteingesessenen Murnauern eher skeptisch gesehen wurde. (as)

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