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Blick ins Kühlregal: Ob sich die Leute jetzt mehr Vorräte zulegen, wird sich zeigen.

Notfall-Konzept stößt auf geteiltes Echo

„Jeder hat Konserven daheim“

Landkreis - Die Planungen für ein neues Zivilschutzkonzept lösen im Landkreis unterschiedliche Reaktionen aus. „Es ist grundsätzlich nicht schlecht, wenn man sich nach 20 Jahren wieder Gedanken macht“, sagt etwas Hella Keßner, Leiterin des Oberammergauer Ordnungsamts. „Aber man sollte die Kirche im Dorf lassen.“ 

Zum Hintergrund: Die Bundesregierung entwickelt derzeit ein neues Notfall-Konzept. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ruft die Regierung in ihrem neuen Zivilschutzkonzept dazu auf, „einen individuellen Vorrat an Lebensmitteln von zehn Tagen“ und für einen Zeitraum von fünf Tagen je zwei Liter Wasser pro Person und Tag vorzuhalten. Das bisherige Konzept für „zivile Verteidigung“ stammt aus dem Jahr 1995. 

Florian Krammer, Leiter des Murnauer Ordnungsamts und damit auch für den Katastrophenschutz zuständig, findet, dass man das Thema „nicht ganz aus den Augen lassen sollte. Man weiß nie, was kommt.“ Auch dass die Bürger einen Lebensmittelvorrat anlegen sollen, findet er „nicht schlecht“. Wobei Krammer auch sagt: „Jeder hat Konserven daheim, das ist gang und gäbe.“ 

Seine Oberammergauer Kollegin Keßner schließt nicht aus, dass mit solchen Konzepten in der Bevölkerung Verunsicherung ausgelöst wird. Sie warnt vor „Panikmache“. „Man sollte an den gesunden Menschenverstand appellieren. Wir haben mündige Bürger.“ 

Berichtet wird auch von massiven Defiziten im Alarmsystem. Der Murnauer Gemeinderat Michael Hosp (CSU), Referent für Katastrophenschutz, sagt, er habe „nie ganz verstanden, warum man so viele Sirenen abgebaut hat“. Zum Bestand im Landkreis: Aktuell gebe es 66 Katastrophenschutzsirenen zur Warnung der Bevölkerung, teilt Stephan Scharf mit, Sprecher des Landratsamts, das Katastrophenschutzbehörde ist. „Die Funktionsfähigkeit wird circa zweimal im Jahr durch Probealarme geprüft.“ Wie viele Sirenen in den vergangenen 20 Jahren abgebaut wurden, sei dem Landratsamt nicht bekannt. 

Wie Scharf weiter erklärt, legt die Kreisbehörde keine Lebensmittelvorräte an. Der Bund allerdings schon: An 150 geheimen Standorten werden insgesamt 800 000 Tonnen Lebensmittel gehortet. Zur Elektrizität: „Wichtige Einrichtungen wie zum Beispiel Krankenhäuser haben eine Notstromversorgung“, erklärt Scharf. Es gebe zudem Notwasserversorgungen.

Bei einem Seuchenfall greift ein bestimmter Ablaufplan. „Maßnahmen für eine potentielle Seuchenbekämpfung können vom Gesundheitsamt jedoch nur unter Einbeziehung der ambulant und stationär tätigen Ärzte im Landkreis und weiteren Akteuren (zum Beispiel Hilfsorganisationen) bewältigt werden“, sagt Scharf. 

Lokalpolitiker Hosp findet es „sehr gut, dass man sich wieder“ über Fragen des Zivilschutzes Gedanken macht. Schließlich hätten sich die Bedrohungslagen geändert. Stichwort: Terroranschläge. 

Beim Markt Garmisch-Partenkirchen gibt es übrigens keinen Katastrophen- oder Zivilschutzbeauftragten. „Da wir lediglich eine kreisangehörige Gemeinde sind und Katastrophenschutz Aufgabe des Landkreises ist, besteht hierzu auch keine gesetzliche Verpflichtung oder Notwendigkeit“, erklärt Sprecher Florian Nöbauer. 

Im Katastrophenfall hat der Landrat die Entscheidungsgewalt. Dann wird auch eine spezielle Führungsgruppe eingerichtet.

Roland Lory

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