Gratulation zur Hürden-Überraschung: Elisabeth Glonegger (l.) und Antonia Werner (r.) mit der strahlenden Siegerin Pamela Spindler. fotos: Kiefner

Ein Rennen stellt alles auf den Kopf

Unterammergau - Pamela Spindler wollte ihre Karriere beenden, nach der Süddeutschen Meisterschaft aber ist sie ins Grübeln gekommen

Dieses Wochenende hat alles verändert. Diese Hürden, dieser Titel, diese Zeit - Pamela Spindler ist ins Grübeln gekommen. Was soll sie tun? Eigentlich wollte die 29-Jährige nach den Süddeutschen Meisterschaften im badischen Forst ihre sportliche Karriere nach 13 Jahren beenden, die Laufschuhe in der Kiste verschwinden lassen. Doch nun ist alles anders. So mir nichts, dir nichts sprintete sie über die Hürden auf 13,43 Sekunden - die zweitbeste Zeit, die die Unterammergauerin jemals erreichte. Sie holte souverän den süddeutschen Titel, ohne 2011 zuvor ein Hürdenrennen bestritten zu haben.

„Das Wochenende hat so viel Spaß gemacht, und ich weiß, dass noch mehr Potenzial in mir steckt“, sagt Spindler. Soll sie versuchen, das noch einmal voll auszureizen, oder nun doch eher den Fokus auf den Beruf legen? Zwischen diesen Fragen steckt sie gerade fest. „Wäre dieses Rennen nicht gewesen, hätte ich definitiv aufgehört. Denn eigentlich war ich mir mit meinem Trainer Heinz Löser vor der Saison einig, dass es unsere letzte werden würde.“ Dieser Titel jedoch beschäftigt die aktuell schnellste Frau Bayerns. „Mein Bauchgefühl sagt momentan eher, dass ich nochmal weitermache.“ Aber nur unter einer Bedingung: „Wenn mein Coach nicht mitzieht, dann ist es ausgeschlossen.“ Denn die Trainer-Situation in München bewertet sie als „schwierig“. Es gebe einfach keinen außer Löser, der sie vorwärts bringen könne.

Spindler denkt auch nicht, dass die Vorstellung in Forst „ein Zufallslauf“ war. Und auch das bestärkt sie hinsichtlich einer weiteren Saison. Sie führt die Zeit von 13,43 Sekunden aus dem Nichts heraus - wohl gemerkt sogar bei leichtem Gegenwind - auf ihre neue Tempohärte zurück. Spindler hatte sich für diese Saison auf die Flachsprints konzentriert, nur noch 100 und 200 Meter in Angriff genommen. Mit Erfolg. Immerhin wurde sie zweifache Bayerische Meisterin. „Aber zur Deutschen Meisterschaft habe ich es trotzdem nicht geschafft, dazu reicht es bei mir nicht.“ Bei ihrem Hürden-Intermezzo in Forst hat sie aber gemerkt, wie ihr das neue Stehvermögen in ihrer früheren Spezialdisziplin geholfen hat. „Ich war halt noch nie so schnell in den Kurzsprints wie jetzt.“ Und Angst oder Respekt vor den zehn Hindernissen kennt sie sowieso nicht.

„Der Bundestrainer hat mir nach dem Rennen gesagt, dass er mich noch nie so locker Hürdenlaufen gesehen hat.“ Das hat Spindler geschmeichelt. Und auch ihr persönlicher Coach zollte ihr großes Lob. „Er meinte, dass man daran sieht, was ich im Stande zu leisten wäre, wenn ich ganz frei im Kopf laufe.“

Genauso war es bei den Süddeutschen Meisterschaften. Die Ammertalerin, die für die LG Regensburg startet, entschied sich erst einen Tag vor den Rennen für den Hürdenstart. „Ich habe eine Sondergenehmigung gebraucht, weil ich ja keine Zeiten hatte.“ Im Vorlauf spurtete sie der Konkurrenz schon davon. „Ich habe mir gedacht, dass ich ganz ohne Training so unter 14 Sekunden schon laufen könnte.“ 13,71 sind es im Vorlauf geworden. Und im Finale standen plötzlich die 13,43 auf der Uhr. „Da waren auch die Konkurrentinnen geschockt“, weiß sie. „Schließlich waren die Zweite und Dritte sogar im DM-Endlauf“ - und hatten nun keine Chance gegen Spindler. Die zeigte dann auch in den Flachsprints, was sie gelernt hat: Direkt nach dem Hürdenrennen war sie etwas müde und wurde Fünfte über 100 Meter, über 200 Meter am Tag darauf holte sie die Vize-Meisterschaft.Beide Male lief sie Hausrekord (12,06 und 24,52 Sekunden).

Der Ehrgeiz hat sie also wieder gepackt. „Es ist einfach der Reiz da, vielleicht noch einmal ein bisschen näher an die deutsche Spitze heranzukommen“, nennt sie das Ziel. „Ich denke, dass ich die 100 Meter in 11,80 Sekunden laufen kann, und dann sind auch 13 Sekunden über die Hürden drin.“ Die unterbietet in Deutschland nur eine: Hallen-Europameisterin Carolin Nytra aus Hamburg.

Bis Oktober hat Spindler nun Zeit, sich Gedanken zu machen. „Dann würde die Vorbereitung auf die Hallensaison beginnen. Bis dahin muss ich mich entscheiden.“ (cf)

Auch interessant

Kommentare