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Die Putzplatte im Bereich der Freskenmalereien von Johann Michael Wittmer dem Jüngeren, die sich über dem Chor abgelöst hatte, sichert Restaurator Antonio Russo-Scharrer . 

Großer Festgottesdienst am 17. September mit Weihbischof Wörner

Pfarrkirche St. Nikolaus: Fünf Jahre Restaurierung und Kampf gegen die Feuchtigkeit

Fünf Jahre gaben sich Bauhandwerker und Restauratoren in der Murnauer Pfarrkirche St. Nikolaus die Türklinke in die Hand. Doch nun ist ein Ende in Sicht. Am 17. September, dem 300. Jahrestag der Grundsteinlegung, feiert Weihbischof Florian Wörner mit den Gläubigen einen großen Festgottesdienst.

Mit einem feinen Pinsel säubert Maria Rauchenberger die in Gold gefassten Verzierungen an der Kanzel.

Murnau – An seinen ersten Eindruck von der Murnauer Pfarrkirche erinnert sich Pfarrer Siegbert Schindele noch sehr genau. „Mir war sofort klar, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht“, sagt er rückblickend auf den 24. Februar 2011. „Ich sah im Altarraum diese schwarzen Wände, in denen die Feuchtigkeit hochstieg, die auch an den Altären bereits Schäden hinterlassen hatten.“ Kirchenpfleger Franz Neuner gibt ihm Recht: „Die Feuchtigkeitsschäden gerade im Bereich des Hochaltars waren sehr gravierend. Wir wussten das schon länger.“ Für eine Sanierung hatten sie einen beachtlichen Grundstock von rund 900 000 Euro gespart.

Dabei ging es vor allem darum, das Übel bei der Wurzel zu packen. Das Problem war, dass das vom Mayr-Graz-Weg kommende Regenwasser ungehindert in die Mauern des Chores eindringen konnte. In Absprache mit der Marktgemeinde, der der Weg und das Gelände rund um die Kirche gehört, wurde der gesamte Platz vor der Aussegnungshalle neu gestaltet, und ein Sandfang mit Ablauf eingebaut.

Die Wahl fällt auf Architekt Clemens Pollok

Begutachten die Schäden im Chorraum: Pfarrer Siegbert Schindele (l.) und Kirchenpfleger Franz Neuner

Doch zunächst galt es, für die Sanierung des barocken Gebäudes per Ausschreibung einen erfahrenen Architekten zu finden. Die Wahl fiel auf den Münchner Clemens Pollok, der 2012 mit den Planungen begann. „Bei jedem einzelnen Sanierungsschritt musste die Diözese Augsburg und die Denkmalpflege einbezogen werden“, erklärt der Pfarrer. 2013 wurde die gesamte Kirche außen eingerüstet, als Erstes kam das Dach an die Reihe, dann die Außenfassade und der Turm, der neben einem Anstrich auch neue Zifferblätter erhielt. Große Probleme hatte in der Vergangenheit die Beheizung des Gotteshauses bereitet, die von einem Anbau des Leichenhauses aus erfolgte. „Der Staub wurde damit durch das ganze Schiff geblasen, und hat die Wände geschwärzt“, erinnert sich Schindele. „Jetzt wird die Kirche mit aus dem Pfarrheim gespeisten Warmwasserrohren, die unter den Bänken durchlaufen, beheizt. So gibt es keine Staubentwicklung mehr.“

Gerüst, das Kirchenschiff und Chor ausfüllt

Gewaltiger Aufwand wurde bei der Innenrenovierung der Raumschale 2014 betrieben. Ein Gerüst, das das gesamte Kirchenschiff und den Chor ausfüllte, wurde aufgestellt, damit die Restauratoren jeden Punkt der Wände und Decken erreichen konnten. Mit Schwierigkeiten besonderer Art hatte Restaurator Antonio Russo-Scharrer im Bereich des Chores zu kämpfen: Ausgerechnet an jener Stelle, an der Schindele sonntäglich zu predigen pflegt, entdeckte er inmitten eines Freskos von Johann Michael Wittmer dem Jüngeren eine Putzplatte von etwa zwei Quadratmetern Fläche, die sich teilweise abgelöst hatte und in die Tiefe zu stürzen drohte. Mittels eines Spezialverfahrens sicherte er diese und verspachtelte alle Risse, bevor er zum Pinsel griff und dem Fresko zu neuem Glanz verhalf.

2015 erfuhr der Außenbereich durch die Gemeinde eine Umgestaltung, 2016 war eine ganze Gruppe hoch qualifizierter Restauratoren der Firma Wiegerling aus Gaißach mit der Restaurierung der zehn Altäre beschäftigt, und im Frühjahr dieses Jahres waren alle „holzsichtigen Teile“ wie die Kirchenbänke, Beichtstühle und Chorgitter an der Reihe. „Das Holz war restlos ausgetrocknet, und wird mit Leinöl behandelt, damit es wieder Kraft und Farbe bekommt“, erläutert Schindele. Wie von Neuner verlautete, belaufen sich die Kosten für die Sanierung des Außenbereichs und der Raumschale auf rund 1,9 Millionen Euro (siehe unten).

Großer Festgottesdienst am 17. September

„Wir sind mit allem Ende August fertig, sodass wir am 17. September die gesamte Kirche renoviert haben“, bilanziert Schindele sichtlich erleichtert. Um 10 Uhr beginnt der Festgottesdienst, bei dem ein Projektchor aus verschiedenen musikalischen Gruppen der Pfarrei singen wird. Anschließend gibt es ein großes Pfarrfest mit Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen, für das auf dem Kirchplatz ein Zelt für 500 Personen aufgestellt wird. Sogar eine 45er- und eine 70er-Briefmarke mit dem Abbild von St. Nikolaus soll zum Jubiläum aufgelegt werden: „Wir verkaufen sie an einen eigenen Stand – nebst aktuellen Poststempel.“ Somit werden sich auch kommende Generationen an diesen Festtag erinnern können.

Die Kosten

Von den 1,9 Millionen Euro Gesamtkosten trägt die Diözese 700 000 Euro. Die Altäre und die Holzarbeiten schlagen mit weiteren 452 000 Euro zu Buche. An privaten Spenden gingen 641 000 Euro ein, vom Eigenkapital der Pfarrei wurden 677 000 Euro eingebracht. Weitere Zuschüsse gab es vom Markt Murnau (200 000 Euro), vom Landkreis (20 000), vom Bezirk Oberbayern (50 000) sowie von Stiftungen (57 000). Die verbleibenden Rücklagen von über 220 000 Euro sind für die Renovierung der Filialkirchen in Hagen, Hechendorf und Grafenaschau nötig. 

Heino Herpen

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