Zwei Gründe zum Feiern: Auf dem Dach des umgebauten Bahnhofs halten die Zimmerer Josef Holzer junior (r.) und Franz Grünauer den Richtspruch. foto: Tokarski

Richtfest und Spatenstich in einem

Mittenwald - Der Mittenwalder Bahnhof ist fast fertig, beim Ärzehaus nebenan geht's jetzt los: Zwei große Projekte, die gemeinsam gefeiert werden ...

Zunächst hieß es für alle Gäste warten. Dann erschienen Josef Holzer und Franz Grünauer doch noch mit der kleinen Fichte, trugen sie aufs Dach des Mittenwalder Bahnhofs und erhoben ihr Weinglas. Mit dem Richtspruch ist es nun offiziell: In 32 Tagen wird der neu gestaltete Bahnhof eröffnet.

Ganz einfach war das Projekt nie. Erst zog sich die Ideal Mobil AG als Investor des Mittenwalder Bahnhofs zurück. Für Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) waren das „Tage der Ernüchterung und Enttäuschung“. Klammheimlich schaute er sich nur wenige Wochen später das sanierungsbedürftige Gebäude mit Wolfgang Schwind und dessen Sohn Michael von der Schwind GmbH an. Das geheime Treffen mit der Mittenwalder Unternehmerfamilie hat sich gelohnt. Sie übernahm den Bahnhof, kaufte das angrenzenden Zollhaus und renovierte den Komplex.

Auch die Bauherren stießen auf Probleme, beispielsweise mit Auftragsvergaben. „35 Zimmerer haben wir angefragt und nur Absagen bekommen“, blickte Seniorchef Wolfgang Schwind zurück. Mit der Firma Maurer aus Garmisch-Partenkirchen fand sich aber doch noch ein einheimischer Handwerksbetrieb.

Und jetzt ist Eile angesagt: Pünktlich zu den Feierlichkeiten 100 Jahre Mittenwaldbahn am 28. September „muss alles fertig sein“, betonte Schwind. Darum wird im Gebäude mit Hochdruck gearbeitet: Überall liegen Kabel, und es riecht nach Farbe.

So weit sind die Mittenwalder Unternehmer auf dem Nachbargrundstück noch lange nicht. Dort geht’s jetzt erst los. Die Hebauffeier für den Bahnhof nutzten sie gleich für den Spatenstich fürs Ärztehaus. „Das macht uns keiner vor: Spatenstich und Hebauf an einem Tag“, meinte der Seniorchef. Auch bei diesem Zwei-Millionen-Euro-Projekt ging es natürlich nicht ohne Schwierigkeiten, diesmal mit der Deutschen Bahn wegen einer Baugenehmigung.

Durch eine Galerie mit dem Bahnhof verbunden, sollen Patienten ab Dezember 2013 auf 720 Quadratmetern und zwei Etagen Ärzte verschiedener Fachrichtungen finden. „So gelingt es das erste Mal, in der Alpenwelt Karwendel tageweise eine fachärztliche Versorgung anbieten zu können“, sagte Hornsteiner erfreut. Ob Chirurg, Augen-, Hals-Nasen-Ohren- oder praktischer Arzt, alles unter einem Dach. Dazu eine Physiotherapie-Praxis gleich nebenan im Bahnhof.

Noch sind nicht alle Verträge unterschrieben, „aber zur Eröffnung ist die Bude voll. Das garantiere ich“, betonte Schwind senior. Das Ärztehaus sei ein Schritt, die Gesundheitsregion „mit Inhalten zu füllen. Sie existiert bislang nur auf dem Papier“.

Bis die ersten Patienten versorgt werden, gibt’s noch viel zu tun - und sicherlich das ein oder andere Problem zu lösen. Aber darin haben die Schwinds ja Erfahrung.

Janine Tokarski

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