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Ausflug an den Riegsee: Bettina Schürer aus Dießen am Ammersee und ihr Dackelrüde Oscar genießen am Aidlinger Badesteg das schöne Wetter. 

Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes

Badefloß bleibt am Riegsee-Ufer

Mit Empörung und Spott reagieren Bürger in Weilheim und Penzberg, nachdem aus Angst vor Regressforderungen Badestege gesperrt wurden. Auch in Seehausen trübt ein Gerichtsurteil das Badevergnügen. Konsequenzen hat es zudem in Aidling und Großweil, wie Recherchen zeigen.

Aidling/Großweil/Schlehdorf–Das Urteil des Bundesgerichtshofes im Hinblick auf die Sicherheit in öffentlichen Bädern und die Aufsichtspflicht zieht immer weitere Kreise: Auch der Aidlinger Badeplatz am Riegsee ist von den neuen Regelungen betroffen. „Ob wir den Badesteg dort sperren müssen, ist noch nicht abgeklärt, wir machen das vorläufig noch nicht“, sagt der Riegseer Bürgermeister Rudolf Kühn (Wählergemeinschaft Aidling) dazu. „Wenn, dann müssten wir ja den ganzen Badeplatz sperren, oder den Steg ganz entfernen, was durchaus kontraproduktiv wäre. Doch gerade der Steg verbessert die Sicherheit dort und bietet etwa für Erwachsene eine gute Möglichkeit, Kinder zu beaufsichtigen“, erklärt der Rathauschef. „Aber wir werden unser Badefloß, das während des Winters am Ufer liegt, nicht mehr im See installieren. Wir folgen damit einer Empfehlung des Bayerischen Gemeindetags. Ich habe auch keine Lust, mir einen Riesenärger einzuhandeln, falls da mal etwas passieren sollte.“

Einen Badesteg und zwei Badeinseln – am alten Sportplatz und am „Gmoala Badeplatz“ – hat die Gemeinde Schlehdorf am Kochelsee. „Und das belassen wir auch so“, erklärt Bürgermeister Stefan Jocher (WGL) – „weil ich das alles übertrieben finde“. Das Risiko, dass etwas passiert, sei gering.

Konsequenzen aus dem Urteil hat hingegen der Bürgermeister der Nachbarkommune Großweil gezogen, und zwar im gemeindlichen Naturschwimmbad. „Die Schwimminsel aus Kunststoff, die wir jedes Jahr eingesetzt haben, lassen wir heuer vorsorglich heraußen“, erklärt Bürgermeister Manfred Sporer (CSU-Dorfgemeinschaft). Das Naturschwimmbad kostet keinen Eintritt, und es gibt auch keine Badeaufsicht. Natürlich sei es insbesondere für Kinder und Jugendliche schade, dass diese Besonderheit wegfalle. „Aber je kleiner eine Kommune ist, desto schwieriger ist es, eine Badeaufsicht zu beschäftigen.“ Und selbst wenn: Dann müsse man zudem einen Zaun um das Freibad ziehen, damit es außerhalb der Arbeitszeiten der Aufsicht niemand betritt. „All das würde immense Kosten bedeuten.“ Da das Urteil nun einmal existiere, „kann man es nicht einfach außer Betracht lassen“, findet Sporer. „Im Fall der Fälle ist man sonst schnell der Gelackmeierte.“ Persönlich stelle er sich beim Thema Haftung freilich schon die Frage: „Wo fange ich an, wo höre ich auf?“ 

Im Nachbarlandkreis hatte die Sperrung der Badestege in Weilheim und Penzberg vor dem Pfingstwochenende hohe Wellen geschlagen. Die Reaktionen reichten von Belustigung bis hin zu Entsetzen. Auch in Seehausen sah sich der Fremdenverkehrsverein zum Handeln gezwungen. Die Zugänge zu Stegen und Anlagen im Strandbad werden abends versperrt.

Heino Herpen und Andreas Steppan

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