Campingplatz Riegsee Luftaufnahme
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Soll umgestaltet werden: der Campingplatz Riegsee.

Studentengruppen entwickeln Ideen

Campingplatz: Riegsee erhält kreative Hilfe

Riegsee sieht sich bei der Neuausrichtung seines Campingplatzes vor einer Mammutaufgabe. Fachlich versierte Unterstützung boten zwei Studentengruppen von Hochschule Kempten und TU München. Sie machten sich kreative Gedanken über Optionen, die Riegsee zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse wurden jetzt präsentiert.

  • Zwei Studentengruppen unterstützen Riegsee mit Ideen bei der Neugestaltung des Campingplatzes.
  • Die Hilfe ist für die kleine Gemeinde ein großer Glücksfall - das Projekt stellt für sie eine Mammutaufgabe dar.
  • Die Ergebnisse wurden jetzt präsentiert. Nun geht es darum, aus „vielen brillanten Ideen“ jene herauszufiltern, die zu den Bedürfnissen von Riegsee und seinen Einwohnern passen.

Riegsee – Jörg Steinleitner weiß genau: Es handelte sich um einen glücklichen Zufall, dass zwei renommierte bayerische Bildungsinstitutionen in diesem Fall an einem Strang zogen. Das Ergebnis stimmt den Bürgermeister von Riegsee sowie seinen Stellvertreter Georg Miller sehr zufrieden: Man habe sehr viele interessante und gute Ideen gesehen, „auf diesen werden wir jetzt aufbauen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Gemeinde.

Bürgermeister: „Mit unseren kleinen Ressourcen eine schier unlösbare Aufgabe“

Ihr Lob gilt Studierenden der Fakultät Tourismus-Management der Hochschule Kempten und des Lehrstuhls „Entwerfen und Holzbau“ der TU München. Diese hatten Ideen für die Neugestaltung des Campingplatzes der rund 1200 Einwohner großen Kommune entwickelt, die seit langem im Raum stehe, wie Steinleitner sagt. „Aber das ist mit unseren kleinen Ressourcen eine schier unlösbare Aufgabe.“

Eine Bürgerbefragung 2019 hatte gezeigt, was sich die Riegseer von dem Projekt erhoffen: Der neue Campingplatz soll kein Luxusareal mit mehr Urlaubsgästen als bisher im Dorf werden. Dafür ein Ort, an dem sich auch die Einheimischen wohlfühlen, um etwa im See zu baden oder im Restaurant zu essen. Mit Projektentwicklerin Carmen Schütz-Kegel von der Projektagentur Kegel aus Pettstadt entstand die Idee zu einem Gemeinschaftsprojekt. „Aus Camping-Sicht betreten wir mit dieser Art der interdisziplinären Kooperation Neuland“, betont Schütz-Kegel. Und Georg Miller meint: „Wir erhalten somit den Rundumblick. Auf der einen Seite Ideen zur Gelände- und Gebäudeplanung, auf der anderen Seite die Betriebswirtschaft.“

Campingplatz Riegsee: Nach dem Austausch mit dem Gemeinderat und den Bürgern können Anpassungen vorgenommen werden

Dana Hiermaier, Tourismus-Management-Studentin im siebten Semester an der Hochschule Kempten, erläutert die Projektaufgaben der 24-köpfigen Allgäuer Gruppe: „Für uns standen neben der Wirtschaftlichkeitsberechnung für Platz und Restaurant vor allem auch nachhaltige und digitale Entwicklungsaspekte im Vordergrund.“ Zudem habe man einen Platz schaffen wollen, „der sich von anderen abhebt“. Die gesamte Planung wurde so konzipiert, dass viele Variablen im Nachgang angeglichen werden können. Steinleitner zeigt sich begeistert: Alle Anpassungen, die sich jetzt im Zuge des Austauschs mit Gemeinderat und Bürgern ergäben, „können wir selbst eingeben, und die Planung aktualisiert sich automatisch“. Eine Win-Win-Situation, denn: Das Projekt habe den Studierenden ermöglicht, die erlernte Theorie ganz konkret anzuwenden. So wurde etwa die „Customer Journey“, also die „Reise des Kunden“ von der Buchung bis zur Verabschiedung, darauf untersucht, inwiefern Berührungspunkte sinnvoll digitalisiert werden können. Der Projektverantwortliche der Hochschule Kempten, Prof. Dr. Christian Mayer, zeigt sich stolz auf die Arbeit und das Engagement der Studenten, „zumal coronabedingt seit Ende Oktober die gesamte Projektarbeit ausschließlich online ge–stemmt werden musste“.

Neuer Campingplatz soll Einheimischen genauso gefallen wie Gästen

Hubert Anneser umreißt, um was es ging: „Einen Ort in Riegsee zu schaffen, der sowohl Einheimischen als auch Gästen gefällt, das war die Herausforderung für die 24 Architektur-Studierenden der TU München“, erläutert der Initiator und Verantwortliche des Projekts am Lehrstuhl „Entwerfen und Holzbau“ von Prof. Hermann Kaufmann. Seine Studenten entwickelten Ideen für die mögliche Aufteilung des Gesamtgeländes. Sie überlegten, wo Empfangs-, Sanitär- und Gastronomiegebäude stehen könnten und arbeiteten sogar einzelne Fassadenbereiche aus. Dabei entstanden überraschende Ansätze: Eine Gruppe entwarf ein Gebäude, bei dem alle Funktionen unter einem verbindenden Dach Platz finden, quasi das Herz der neuen Campingwelt. Ein anderes Konzept bestand aus drei Gebäuden, die einen Camping-Dorfplatz mit Anschluss an den Ort und Restaurantterrasse mit Blick auf den See aufspannen. Ein weiteres Team plante ein „Langes Haus“, das alle Funktionen unter einem Dach vereint und dabei den Campingplatz geschickt in Stellplatz- und Badebereiche einteilt. „Dies alles sind Visionen, die vielleicht ungeahnte Möglichkeiten für den Ort Riegsee eröffnen“, fasst Anneser die Präsentationen zusammen.

Riegsees Campingplatz: Aus vielen Ideen müssen nun die passenden herausgefiltert werden

Camping-Expertin Schütz-Kegel weiß, worauf es jetzt ankommt: „Unsere Aufgabe wird es jetzt sein, aus den vielen brillanten Ideen der Studierenden diejenigen weiterzuverfolgen, die auf Riegsee und die Bedürfnisse seiner Bürgerinnen und Bürger passen.“ Aber sie sei „da optimistisch“.

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