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An der Spitze der Regierungspartei Freie Wähler Bayern: Hubert Aiwanger, hier beim Almbauerntag in Mittenwald.

Nähe zur Aiwanger-Partei Freie Wähler Bayern sorgt für Missfallen

Er möchte keinen „großen Guru“:  Riegsees Altbürgermeister Höcker beschließt Austritt

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Riegsees Altbürgermeister Franz Höcker kehrt den Freien Wählern der Landkreisgemeinden (FWL) den Rücken. Der Verein, sagt er, werde gerne mit der Regierungspartei um Hubert Aiwanger gleichgesetzt. Höcker aber will „frei sein“. In Murnau diskutiert man die Nähe der FW zur Partei konträr.

Riegsee/Murnau – Franz Höcker hatte seinen Schritt angekündigt und den Worten Taten folgen lassen. Bevor die Freien Wähler der Landkreisgemeinden (FWL) in Mittenwald Amtsinhaber Anton Speer zum Landratskandidaten kürten, überreichte der 71-Jährige dem FWL-Vorsitzenden Speer seine schriftliche Austrittserklärung zum 31. Dezember. Schließlich ergriff Riegsees Altbürgermeister noch kurz das Wort, weil er sich erklären wollte, seine Beweggründe erläutern, warum er nach rund 25 Jahren Mitgliedschaft den Verein FWL verlässt. Und klarstellen: Diese Entscheidung ist nicht gegen einzelne Personen gerichtet, er gehe nicht im Streit. „Ich stehe weiter hinter den FWL, was die Kreissache angeht. Das ist für mich keine Frage.“ Und auch hinter Landrat Speer.

Höcker möchte sich vielmehr abgrenzen von Hubert Aiwangers Freien Wählern Bayern, der Regierungspartei. Die vielen eigenständigen Freie-Wähler-Gruppierungen, die nichts mit dieser zu tun haben, werden nach Höckers Empfinden oft mit dem Koalitionär in einen Topf geworfen, auf eine Stufe gestellt. „Man verallgemeinert ganz gerne“, sagt Höcker, der 24 Jahre lang Bürgermeister von Riegsee war. Diese Gleichsetzung, aber auch die zunehmende Nähe, also das Heranrücken an Aiwanger und Co., das er in einzelnen Äußerungen und Zeitungsberichten erkannt hat, missfallen ihm. Er distanziert sich, will diesen Anstrich nicht: „Ich bin noch nie in einer Partei gewesen“, stellt Höcker klar. „Ich möchte frei sein und keinen großen Guru oben sitzen haben, der mir sagt, was ich will.“ Ein Vorsitzender, der die Meinung vorgebe – das sei ihm „zu eng“.

Freie Wählergemeinschaft Murnau wird „als Anhängsel der Partei wahrgenommen“

Höckers Bauchschmerzen dürften auch andere plagen. Welf Probst jedenfalls sagt: „Das ist ein schwieriges Thema, das wir immer wieder bei uns auf der Tagesordnung haben.“ Der Vorsitzende der eigenständigen Freien Wählergemeinschaft Murnau weiß, dass auch sein Verein „draußen vom Wähler als Anhängsel der Partei wahrgenommen wird. Man wirft uns in einem Topf“. Er verstehe Franz Höcker, der damit vielleicht ein Problem habe. Probst, FWL-Talschaftsvertreter fürs Staffelseegebiet, sieht Nähe und Gleichstellung allerdings von einer anderen Warte aus, erkennt Vorteile und glaubt, dass eigenständige FW-Organisationen von der Partei profitieren können – und umgekehrt. Die FW verfügten über eine sehr große Basis. „Themen, die uns in der Kommune bewegen, kommen oben an“ – bis in den Landtag hinein. Probst, der Murnauer Bürgermeister werden möchte, sieht einen Vorteil sowohl für die Regierung als auch „für uns draußen, weil wir mehr Gehör finden“. Der 50-Jährige erkennt „keine Diskrepanz“, räumt jedoch ein: „Es gibt Mitglieder, die das anders sehen.“

Auf Landkreisebene sind die Freien Wählergemeinschaften nach Angaben der FW Murnau in zwei Gruppen organisiert und im Kreistag vertreten: die FW des oberen Loisachtals mit Garmisch-Partenkirchen, Grainau, Farchant und Oberau sowie die FW der Landkreisgemeinden mit den vier Talschaften Isartal, unteres Loisachtal, Ammertal und Staffelseegebiet (Murnau, Riegsee, Seehausen, Spatzenhausen, Uffing).

Lesen Sie auch: Debatte um Bürgermeister-Status in Riegsee: Nur drei Stimmen für hauptamtliche Lösung

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