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Markante Brandzeichen: Mit „Bienen Franz“ sind die gestohlenen Kästen beschriftet.

Anrufer nennt sich „Herr Franz“

Gestohlene Bienenvölker: Dieb sucht Käufer

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Die 18 Bienenvölker, die ein Unbekannter Mitte März dem Riegseer Franz Höcker bei Eberfing gestohlen hat, sind offenbar einem Inker in Hannover angeboten worden. Der unbekannte Anrufer ging wohl ausgesprochen frech vor.

Riegsee - Franz Höcker ist überzeugt, dass es sich um sein Eigentum handelt, das bei dem Telefonat  im Spiel war – denn die Details passen perfekt. Der Unbekannte, dessen Nummer unterdrückt war, meldete sich zeitnah nach der Tat als „Herr Franz“ – Höcker hatte seine Kästen mit dem Brandzeichen „Bienen Franz“ markiert – bei dem Hannoveraner und bot, nach dessen Einschätzung in oberbayerischem Dialekt, Völker für 90 Euro pro Stück zum Verkauf an. „Das ist extrem billig“, sagt Höcker, „normalerweise kostet dort eines 150 Euro.“ Beschriftete Kästen sollte es für 10 Euro pro Stück dazu geben.

Der Kollege, dem schon einmal Diebesware angedreht worden war, wurde angesichts des vermeintlichen Schnäppchens misstrauisch. Er recherchierte im Internet, stieß auf die Homepage von Höckers Imkereifachhandel mit Hofladen („BienenFranz“) sowie auf den Tagblatt-Bericht über die dreiste Tat und kontaktierte den Riegseer, der 20 000 Euro Schaden beklagt.

Höcker, der davon ausgeht, dass sich der Täter mit der Imkerei auskennt, meldete die Neuigkeit direkt an die für Eberfing zuständige Weilheimer Polizei. Diese kam dem Täter bislang allerdings nicht auf die Schliche. „Wir nehmen solch eine Spur natürlich auf, aber meines Wissens nach hat der Hinweis bisher nicht zum Erfolg geführt“, sagt der stellvertretende Inspektionsleiter Bernd Schewe. Die Ermittlungen liefen noch – allerdings eben weiter gegen unbekannt. Der zuständige Beamte recherchiere unter anderem im Internet. Zudem hofft man auf Informationen aus Imkerkreisen. Schewe weiß: „Das ist ein ungewöhnlicher und relativ spektakulärer Fall.“

Dieser besitzt für Höcker, dem zuvor schon wiederholt in kleinerem Umfang Völker gestohlen worden waren, gravierende Folgen. Der Postmitarbeiter betreibt die Imkerei im Nebenerwerb: „Für uns ist der Diebstahl nicht nur ärgerlich, sondern existenzbedrohend“, stellt er klar. 96 seiner vormals 126 Völker – also rund 80 Prozent – überlebten den Winter nicht, weitere 18 hat der Dieb gestohlen. Das stellt Höckers Honigproduktion in Frage. Er überlegt nun, den Stand bei Eberfing aufzugeben – er erscheint zu riskant. Die verbliebenen Völker holte er erst mal heim nach Riegsee, neue kaufte er hinzu. Nun hofft Höcker, dass seine Versicherung wegen des Diebstahls einspringt.

Denn: Ob der Täter gefunden wird, bleibt trotz dessen Telefonaktion fraglich. Die unterdrückte Nummer stellt ein Hindernis dar. Höcker zog alle Register und den Riegseer Juristen Jörg Steinleitner hinzu. Man habe zusätzlich Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt, um den Vorgang zu beschleunigen, bestätigt Steinleitner. Theoretisch könne die Anklagebehörde beantragen, dass das Fernmeldegeheimnis aufgehoben werde, damit sich der Anrufer ermitteln lasse. 30 Tage lang stehe dieser Weg offen, beginnend Mitte März. Steinleitner sagt: „Die Zeit läuft.“

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