In Riegsee regiert eine Doppelspitze: Bürgermeister Jörg Steinleiter (Zweiter v.l.) und sein Vize Georg Miller (Zweiter v.r.) treten meist als Duo auf.
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In Riegsee regiert eine Doppelspitze: Bürgermeister Jörg Steinleiter (Zweiter v.l.) und sein Vize Georg Miller (Zweiter v.r.) treten meist als Duo auf.

Steinleitner und Vize Miller agieren auf Augenhöhe

Riegseer Bürgermeister-Tandem ist gemeinsam stark

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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Sie gibt’s nur als Duo: Riegsees Bürgermeister Jörg Steinleitner und seinen Vize Georg Miller. Die beiden bilden ein Erfolgsmodell, ein Tandem, das sich auf Augenhöhe bewegt – zum Wohle ihres Ortes. Seit einem Jahr packen sie zusammen an. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Riegsee – Die Rollenverteilung zwischen einem Bürgermeister und seinem Stellvertreter ist meist hierarchisch geregelt. Der Chef schafft an und steht im Mittelpunkt, zieht alle Aufmerksamkeit auf sich, der Zweite Bürgermeister führt ein Schattendasein, wird meist kurz gehalten, erhält kaum Chancen, sich zu profilieren und darf im besten Fall als Grüß-Gott-August sein Dasein fristen. Häufig trauen sich die beiden Bürgermeister nicht über den Weg – besonders, wenn sie verschiedenen Parteien angehören. Ein besonders krasses Beispiel lieferte vor Jahren Garmisch-Partenkirchen. Das Verhältnis zwischen dem damaligen Rathaus-Chef Thomas Schmid und seinem Stellvertreter Wolfgang Bauer war ab 2007 – als klar war, dass Schmid die CSU verlassen und das CSB gründen wird, – zerrüttet und geprägt von Misstrauen. Schmid soll bei seiner Abwesenheit und im Urlaub Bauer jedweden Zugang zu wichtigen Akten verwehrt haben.

Riegseer Rathaus: Frontmann und Schattenmann gibt es nur gemeinsam

In Riegsee ist so etwas zwischen Bürgermeister Jörg Steinleitner, vor Kurzem 50 geworden, und seinem Vize Georg Miller (49) unvorstellbar. Beide, Frontmann und Schattenmann, gibt’s nur gemeinsam, einer ist ohne den anderen kaum denkbar. Eigentlich wird die 1200 Einwohner zählende Gemeinde die aus Riegsee, Aidling, Hagen und mehreren Weilern besteht, seit einem Jahr von einer Doppelspitze regiert. „Wir sind uns sehr ähnlich, wir haben den gleichen Humor und oft die gleiche Meinung“, sagt Miller.

Bürgermeister und Vize loben einander

Schon der Wahlkampf der beiden war eher ein Miteinander als ein Gegeneinander. Steinleitner, Schriftsteller, Journalist und Rechtsanwalt, seit zwölf Jahren in Riegsee zu Hause, und Miller, Biobauer, Chef einer Hackschnitzelfirma, Ur-Einheimischer aus dem Weiler Leibersberg, sind Brüder im Geiste. Sie spielen sich die Bälle zu und machen deutlich, wie gut sie sich verstehen. Miller nennt Steinleitner „irrsinnig fleißig“, Steinleiter lobt Millers „Kompetenz, die ich nicht habe“. Sie befinden sich „auf Augenhöhe. Ich kann unser Modell nur allen Bürgermeisterkollegen empfehlen. Als Duo hat man eine ganz andere Schaffenskraft“. Die Symbiose der beiden funktioniert so gut, weil sie sich ergänzen. Die Schwächen des einen sind die Stärken des anderen – und umgekehrt. „Wir wissen, was wir können und was nicht.“

Steinleitner räumt ein: „Als Bürgermeister sind wir noch ziemlich grün hinter den Ohren“

Und sie üben sich in Demut vor den Ämtern, die sie seit dem 1. Mai 2020 ausfüllen. „Als Bürgermeister sind wir noch ziemlich grün hinter den Ohren“, meint Steinleitner. Er genieße die Verantwortung. Das habe viel damit zu tun, „dass ich Georg an meiner Seite habe. Allein würde mir das nicht so viel Spaß machen“. Während Steinleitner vor seiner Wahl über keinerlei kommunalpolitische Erfahrung verfügte, sitzt Miller seit 19 Jahren im Gemeinderat, wofür er in der vergangenen Woche im Namen von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit einer Urkunde geehrt wurde.

Nach einem Jahr im Amt gibt es Anerkennung von den Bürgern

Für das, was beide in einem Jahr geleistet haben, erhielten sie keine Auszeichnung oder Ähnliches, ernteten aber Anerkennung bei den Bürgern. „Ich glaube, unsere Bilanz kann sich sehen lassen“, sagt Steinleitner. Als Leuchtturmprojekt sieht er den Anschluss seiner Gemeinde an den Omobi, den Öffentlichen Personennahverkehr des Markts Murnau. Er nennt den Bestellbus, der telefonisch oder digital gebucht werden kann, einen „Erfolg, von dem alle profitieren. Jung und Alt“. Als positiv betrachtet der Mann, der im Allgäu aufgewachsen ist, die Einführung einer Zweitwohnungssteuer sowie die Bewirtschaftung verschiedener Wanderparkplätze. Damit will die Gemeinde die Tagestouristen an den Kosten beteiligen, die sie verursachen. Für die Einheimischen ist eine Ausnahmeregelung vorgesehen. Zudem versprechen sich Steinleitner und Miller Steuerungseffekte, nachdem die Kreisstraße immer häufiger zugeparkt war. Die damalige Situation bezeichnet Steinleitner als „lebensgefährlich. Wir mussten handeln“.

Vize-Bürgermeister Miller weiß: „Der Welpenschutz ist vorbei“

Sobald es die Corona-Pandemie zulässt, soll auch wieder Lebens ins Haus des Gastes einziehen. Mit Salvatore Armeli konnte im Dezember des vergangenen Jahres ein neuer Pächter gewonnen werden. Dafür wurde die Küche für einen fünfstelligen Euro-Betrag auf den neuesten Stand gebracht. So gut wie abgeschlossen sind auch die Sanierung des Kindergartens und der Kindergartenturnhalle, die das Hochwasser vom 2. Juni 2020, das schlimmste in der Geschichte Riegsees, arg in Mitleidenschaft gezogen hatte. Ein großes Zukunftsvorhaben ist der Campingplatz am See, das noch Zeit braucht. „Es wird anstrengender“, sagt Miller. „Der Welpenschutz ist vorbei.“

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