der Geldautomat in Riegsee, hier kurz nach der Aufstellung im Jahr 2019.
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Seine Tage sind gezählt: der Geldautomat in Riegsee, hier kurz nach der Aufstellung im Jahr 2019.

Kommune hätten monatlich 350 Euro überweisen müssen

Betreiberfirma blitzt mit Zuschussforderung ab: Riegsee bald wieder ohne Geldautomaten

Die Riegseer müssen ab Mitte Juli ohne den Geldautomaten am Kramerladen auskommen. Dies hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen. Die Kommune hätte monatlich 350 Euro zuschießen müssen, weil die Betreiberfirma den Automaten als nicht rentabel ansieht.

  • Riegsee war bereits von 2017 bis 2019 ohne Geldautomaten - dann stellte eine Firma einen solchen wieder auf.
  • Der Betreiber teilte der Gemeinde nun mit, dass der Betrieb nicht rentabel sei - und wollte, dass die Kommune monatlich 350 Euro übernimmt.
  • Riegsee lehnt die Forderung ab - ab Mitte Juli wird es deshalb keinen Geldautomaten mehr im Dorf geben.

Riegsee – Über zwei Jahre, von Heiligdreikönig 2017 an, gab es in Riegsee keinen Geldautomaten mehr. Das Gerät, das einst in den Räumen der ehemaligen Filiale der Volks- und Raiffeisenbank Werdenfels (VR) im Rathaus stand, war abgeschafft worden. Die Riegseer mussten in der Folge nach Murnau oder Söchering zum Geldabheben. Seit dem Frühjahr 2019 ist wieder Bares in der 1200-Einwohner-Gemeinde verfügbar. Die Trierer Firma Cardpoint GmbH stellte an Rathaus/Kramerladen einen Automaten auf – mit happigen Gebühren. Pro Abhebung werden in der Regel mindestens 3,99 Euro fällig, Ausnahmen wurden damals für Postbankkunden angekündigt. Doch es können ebenso höhere Kosten anfallen.

Geldautomat in Riegsee: Betrieb für Unternehmen angeblich nicht rentabel

Im Juli wird damit Schluss sein. Die Betreiberfirma teilte der Gemeinde im November 2020 mit, dass der Betrieb des Automaten für das Geldinstitut nicht rentabel sei und dass die Kommune deshalb fortan 350 Euro im Monat an das Unternehmen zu zahlen habe. Eindeutig zu viel, wie Bürgermeister Jörg Steinleitner (parteilos) in der Gemeinderatssitzung befand. Richten soll es der Ortsbus Omobi, der die Bankkunden zu den betreffenden Geldinstituten nach Murnau bringen kann.

Angebot wird nicht gut angenommen: Nur 52 Abhebungen im Monat

In der Sitzung erklärte der Rathauschef, der Finanzausschuss habe sich die Nutzungszahlen für den Automaten vorlegen lassen. „Daraus ergibt sich eine Quote von 52 Abhebungen im Monat. Wenn man die 350 Euro Monatsgebühr durch 52 teilt, erhält man eine Gebühr von 6,73 Euro pro Abhebung“, rechnete er vor. Die Zeit, in der der Automat nicht funktionsfähig war, sei dabei bereits berücksichtigt. „Zählt man hier die 3,99 Euro dazu, die der Kunde zu zahlen hat, so bekommt die Bank insgesamt fast elf Euro für eine einzelne Anhebung.“ Dies sei auch der Fall, wenn zum Beispiel nur 20 Euro abgehoben werden. Der Finanzausschuss finde das nicht verhältnismäßig. „Und er hält den Bankautomaten im Hinblick auf die lediglich 50 Abhebungen im Monat auch nicht für infrastrukturell entscheidend.“ Offensichtlich nutze nur ein sehr kleiner Anteil der Gemeindebürger dieses Angebot, folgerte Steinleitner. Der Finanzausschuss habe auch die Betreiberinnen des Kramerladens befragt. „Ihre Aussage war, dass der Geldautomat wenig frequentiert wird und regelmäßig nicht funktioniert“, bilanzierte Steinleitner. Dies bestätigten ihm zufolge Anwohner, die das Gerät von ihren Fenstern aus sehen.

Geldautomat: Bank will geforderten Monatsbetrag nicht reduzieren

Mehrmals sei auf dem Verhandlungsweg versucht worden, den von der Bank geforderten Monatsbetrag zu reduzieren, doch die Antwort der Bank sei stets kompromisslos gewesen, ärgerte sich das Gemeindeoberhaupt. Deshalb schlage der Finanzausschuss vor, die 4200 Euro pro Jahr, die der Automat die Gemeinde koste, lieber in ein anderes Projekt zu investieren, von dem eine größere Anzahl an Menschen im Ort profitierten.

Ortsbus Omobi soll für Fahrt zu Geldhaus-Filialen genutzt werden

Der Bürgermeister verwies in diesem Zusammenhang auf den Ortsbus Omobi, der nach einem Gemeinderatsbeschluss in Kürze auch nach Riegsee fahren wird (wir berichteten). Er könne den Geldautomaten zumindest dahingehend ersetzen, dass er Bürger, die Geld abheben wollten, für nur zwei Euro zu einer Bankfiliale ihrer Wahl nach Murnau bringe. „Bei dieser Gelegenheit können sie auch noch ihre Einkäufe erledigen oder zum Arzt gehen“, schlug Steinleitner vor. Auch die Hagener, die den Geldautomaten vermutlich nicht nutzten, profitierten vom Ortsbus, stellte er klar.

Die Ratsmitglieder waren offensichtlich alle dieser Meinung, denn sie votierten ohne jegliche Diskussion dafür, das Angebot der Betreiberfirma, für die Bereitstellung des Geldautomaten monatlich 350 Euro zu bezahlen, abzulehnen. Der Vertrag läuft am 17. Juli aus.

Heino Herpen

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