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Im Riegseer Rathaus (l.) hat auch künftig ein ehrenamtlicher Bürgermeister das Sagen. 

Debatte um Bürgermeister-Status in Riegsee

Nur drei Stimmen für hauptamtliche Lösung

Die Gemeinde Riegsee wird auch künftig von einem ehrenamtlichem Bürgermeister geführt. Dies beschlossen die Volksvertreter in ihrer jüngsten Sitzung. 

Riegsee – Als sich die Türen hinter den Hohen Herren schlossen, begann die Diskussion des Volkes. Im Regen vor dem Gemeindehaus zog man genüsslich an seiner Zigarette und sprach von einer vertanen Chance, vom abgelehnten Bürgerwillen, aber auch von den etwa 60 000 Euro mehr, die ein hauptamtlicher Bürgermeister die Gemeinde Riegsee gekostet hätte.

Seit der Sitzung am Mittwochabend steht fest, dass in dem 1200-Einwohner-Dorf alles bleibt wie bisher. Ein ehrenamtlicher Bürgermeister verwaltet Riegsee nach den Kommunalwahlen 2020. Die Entscheidung fiel sehr eindeutig. Nur drei von zwölf Räten stimmten für die teurere, hauptamtliche Lösung – darunter Ingo Presuhn (Wählergemeinschaft Riegsee).

Für den Vizebürgermeister endet die kurze Bewerbungsphase für das höchste Amt der Gemeinde. Er wäre in den Wahlkampf gezogen, wenn seine Ratskollegen pro hauptamtlichem Posten gestimmt hätten. Auf ehrenamtlicher Basis lässt sich die Arbeit nicht mit seinem Job beim Murnauer Bauamt verbinden. Zeitlich klappt das nicht, und die Arbeitsfelder überkreuzen sich auch. Eine zweite anonyme Bewerberin, die nicht aus Riegsee, Aidling oder Hagen kommt, dürfte ebenfalls aufgeben. Damit verbleibt ein Kandidat für den Ehrenamtsposten. Der Gemeinderat kennt den Namen, verrät ihn aber vor den Aufstellungsversammlungen im Dezember nicht. „Man muss damit rechnen, dass es noch mehr gibt“, betonte Bürgermeister Rudolf Kühn (Wählergemeinschaft Aidling).

Ursprünglich war die Debatte um den Status des Bürgermeisteramts entflammt, weil sich einfach kein Bewerber für den ehrenamtlichen Posten gefunden hatte. Ins Finale am Mittwochabend zogen beide Seiten mit je einem gewichtigen Argument: Presuhn und Florian Höck (Wählergemeinschaft Aidling) wiesen auf die Arbeitszeit hin, die für einen ehrenamtlichen Bürgermeister nicht festgelegt ist. Geschäftsleiterin Elisabeth Mohr von der Verwaltungsgemeinschaft (VG) unterstützte sie und legte eine Kalkulation vor. Auf etwa 40 Stunden Arbeit pro Woche (das festgeschriebene Pensum im Hauptamt) komme sie in der Gemeinde Riegsee – inklusive Präsenzzeiten im Rathaus, Ehrungen, Sitzungen, Besprechungen. Ein Aufwand, den ein Ehrenamtlicher neben dem Job erst einmal stemmen muss. Sie habe Kühn, der zuletzt wieder stark in seine Landwirtschaft eingespannt war, etwa bei VG-Besprechungen vermisst. Presuhn äußerte ähnliche Kritik. „In den sechs Jahren haben wir nichts so recht umgesetzt.“ Arbeit für 40 Stunden sei locker da. Ratskollege Höck sprach die drei anstehenden Großprojekte Campingplatz, Bauhof und Wasserreserve an. „Die Intensität wird höher.“ 

Ihnen entgegen stand die Meinung der Mehrheit: Für 1200 Bürger braucht es kein Hauptamt – erst recht nicht, wo sich nun ein Bewerber für den ehrenamtlichen Posten gefunden hat. Die Nachbarn aus Habach (1168 Einwohner/Stand Dezember 2018) und Seehausen (2441) setzen auch auf ehrenamtliche Chefs. „So eine Riesengemeinde haben wir nicht“, betonte Josef Wäspi (Wählergemeinschaft Aidling) und sorgte mit einem Spruch für die meisten Lacher: „Wenn unser Bürgermeister bei 1200 Einwohnern 40 Stunden beschäftigt ist, bräuchte ja ein Ort mit 8000 gleich zwei Hauptamtliche.“

Andreas Mayr

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