Vizebürgermeister mit Bautrockner: Georg Miller steht im Turnraum des Kindergartens Zwergerlhaus, in dem nach dem Wasserschaden Gemeinderäte den Sportparkettboden entfernt hatten.
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Vizebürgermeister mit Bautrockner: Georg Miller steht im Turnraum des Kindergartens Zwergerlhaus, in dem nach dem Wasserschaden Gemeinderäte den Sportparkettboden entfernt hatten.

Wege besonders betroffen

Hochwasserschäden fordern Riegsee: 150 000 Euro zu berappen

Eine Hochwasser-Nachlese hat jetzt im Riegseer Gemeinderat stattgefunden. Der Schaden ist beträchtlich.

Riegsee – Der 2. Juli dieses Jahres wird vielen Riegseern noch lange in Erinnerung bleiben. Hatte sich doch über ihrer Gemeinde ein schweres Gewitter entladen, nebst Hagelschlag und nicht enden wollendem Starkregen, der weite Teile des Ortsgebietes in ein Flussdelta verwandelte. Besonders schlimm erwischte es den Aussiedlerhof der Familie Goldbrunner, bei dem die Kühe im Stall bis zu 60 Zentimeter tief im Wasser standen. Aber auch zahlreiche andere Gebäude drangen die Wassermassen ein. Die ganze folgende Nacht kämpften Feuerwehrleute aus der ganzen Region gegen die Folgen des Unwetters, das in Riegsee besonders tiefe Spuren hinterlassen hat.

Die ganze Nacht im Einsatz

In der jüngsten Gemeinderatssitzung im Haus des Gastes nutzte Bürgermeister Jörg Steinleitner (WGR) die Gelegenheit, gleich eingangs die Rettungskräfte im Namen aller Bürger gebührend zu würdigen. „Die Riegseer Wehr sowie die Wehren aus befreundeten Nachbargemeinden und das THW waren die ganze Nacht im Einsatz und haben Enormes geleistet“, sagte der Rathauschef. „Ohne sie wären die Schäden viel gravierender ausgefallen, als sie letztendlich ausgefallen sind.“ Viele Menschen wüssten gar nicht, dass die Einsatzkräfte ehrenamtlich arbeiteten und für ihre Tätigkeit keine Bezahlung erhielten, stellte Steinleitner fest. „Viele waren sehr beeindruckt und wollten wissen, was sie den Helfern Gutes tun könnten. Sein Tipp: „Auf der Website www.gemeinde-riegsee.de unter ‚Aktuelles’ haben wie die Kontonummer unserer Wehr veröffentlicht“, verriet der Bürgermeister, „und außerdem wird in zwei Kurzfilmen gezeigt, was in Riegsee wirklich los war.“

150 000 Euro Schaden

Der Starkregen war der heftigste seit 1952. Kaum verwunderlich, dass bei den meisten Beschlussvorschlägen der anschließend verhandelten Bauanträge der Zusatz „eine Elementarversicherung wird dringend angeraten“ nicht fehlen durfte. Besonders schlimm hatte der Starkregen den Wanderwegen rund um die Gemeinde zugesetzt. Den Gesamtschaden schätzte Steinleitner auf rund 150 000 Euro. Allein am Brandweg zwischen Aidling und der Höhlmühle sind Reparaturarbeiten in Höhe von 55 000 Euro notwendig, wofür eine bekannte Baufirma den Zuschlag erhalten hat. Auf 18 000 Euro bezifferte der Bürgermeister den Schaden am Zukehrswiesweg, auf 8000 Euro jenen am Seeweg.

Feuerwehrauto kaputt

Übel hat es auch das 31 Jahre alte Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Riegsee erwischt, in dessen Motor Wasser gelangte: „Eigentlich ist das mit 20 000 bis 25 000 Euro Reparaturkosten ein wirtschaftlicher Totalschaden“, bedauerte er. Allerdings würde eine Neubeschaffung mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen, in der in Riegsee kein Fahrzeug vorhanden ist. „Und das geht gar nicht. Deshalb wird der Wagen trotz allem von einer Weilheimer Fachwerkstatt instand gesetzt.“ „Land unter“ hieß es während des Starkregens auch im Kindergarten Zwergerlhaus: „Da ist Wasser durch einen Lichtschacht in den 83 Quadratmeter großen Turnraum eingedrungen. Der wertvolle Sportparkettboden war daraufhin unbrauchbar und wurde von Mitgliedern des Gemeinderates entfernt, um Kosten zu sparen“, erklärte er nicht ohne Stolz. Auch bei der Neuverlegung, die mit knapp 6300 Euro zu Buche schlägt, würden drei Ratsmitglieder mitarbeiten. „Die Trocknung wird noch zwei bis drei Wochen dauern“, fügte Rathausvize Georg Miller (DGA) hinzu.

Rathausakten getrocknet

Eine gute Nachricht hatte Steinleitner aus dem Rathaus parat, wo die Wassermassen im Keller einen Teil des Gemeindearchivs überschwemmten. „Dorfhistoriker Karl Wolf und Altbürgermeister Franz Höcker haben zusammen mit Gemeinderäten die nassen Akten gerettet. Inzwischen wurde das Papier bei einer Frankfurter Spezialfirma gefriergetrocknet und ist bereits wieder da. Die Blätter sind nicht mehr miteinander verklebt und wieder zu gebrauchen“. Kosten der Aktion: Rund 2000 Euro. Mittlerweile wurde ein Planungsbüro beauftragt, einen Starkregenschutz für das Rathaus zu entwickeln.

Gutes Miteinander

Alle Entscheidungen im Gremium fielen einstimmig – ein Zeichen für das in Riegsee gut funktionierende Miteinander, bei dem alle an einem Strang ziehen.

Heino Herpen

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