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Eine Architektin aus Weimar steht in ihrem von ihr selbst geplanten Tiny House. Kleine Tiny-Häuser sind auch in Deutschland zunehmend gefragt (Symbolbild).

Außergewöhnliches Vorhaben am Campingplatz

Eigenes Domizil auf 25 Quadratmetern: Gemeinderat Riegsee berät über „Tiny House“ 

Eine Münchnerin möchte auf dem Campingplatz Riegsee ein Tiny-Haus errichten. Eine endgültige Entscheidung will der Gemeinderat aber erst treffen, wenn das Gesamtkonzept für das Areal steht.

Riegsee – Mit der Bewegung „Tiny Houses“ schwappt ein (gar nicht so neuer) Trend von den USA nach Europa, der das Leben in besonders kleinen, kompakten Häusern propagiert. Tiny-Häuser verfügen in der Regel über eine Wohnfläche von 15 bis 45 Quadratmetern und werden meist als Wohn-, Ferien- oder Wochenendhaus genutzt, wofür eine Baugenehmigung eingeholt werden muss. Überdies sind viele der sehr unterschiedlich gestalteten Objekte mit Rädern ausgestattet und somit als eine Art Autoanhänger beweglich, alle anderen können jedoch auch ohne großen Aufwand umgesetzt werden.

In Deutschland erlangte ein Tiny-Haus durch die ZDF-Kinderfernsehsendung „Löwenzahn“, die von 1981 bis 2005 lief, Popularität: Hauptdarsteller Peter Lustig lebte damals in einem umgebauten Bauwagen.

Nun hat eine Münchnerin im Riegseer Gemeinderat erstmals eine Voranfrage zur Aufstellung eines Tiny-Hauses auf dem knapp drei Hektar großen, gemeindeeigenen Campingplatz eingereicht, die bei der jüngsten Sitzung behandelt wurde. Sie wolle das Haus nur als Feriendomizil und für das Campingleben nutzen, hatte die Antragstellerin darin geschrieben, die ihren Hauptwohnsitz in der Landeshauptstadt hat.

„In Sachen Tiny-Haus bekommen wir immer mehr Anfragen, und zur weiteren Entwicklung des Campingplatzes wäre das durchaus ein Thema“, schickte Bürgermeister Rudolf Kühn (ÖDP/WGA) voraus. „Das Problem dabei ist, das wir in diesem Zusammenhang eine unklare Rechtslage haben. Es gibt keine dementsprechende Gesetzgebung.“ Tiny-Häuser würden meist als Hauptwohnsitz genutzt, was jedoch auf einem Campingplatz nicht zulässig sei. „Unsere Dauercamper haben ihren Hauptwohnsitz auch alle woanders.“ Angesichts der allgemeinen Wohnungsnot werde die Zahl der Anfragen steigen, mutmaßte Kühn: „Vermutlich müssten wir dann für einen Teil des Campingplatzes einen Bebauungsplan aufstellen, um ständiges Wohnen zu ermöglichen. Dann können wir auch die Kosten für einen Kanal- und Wasseranschluss nach Gemeindesatzung auf die Antragsteller umlegen.“

Vor übertriebener Eile warnte der Zweite Bürgermeister Ingo Presuhn (WGR). „Wir müssen erst ein Konzept für den Campingplatz erarbeiten, und schauen, ob Tiny-Häuser da überhaupt hineinpassen.“ Auch erinnerte er daran, dass der Campingplatz im Außenbereich liege. Kein Problem mit Tiny-Häusern hat Georg Miller (WGA): „Wenn es beweglich ist wie ein Wohnwagen, habe ich nichts dagegen“. Florian Höck (WGA) fragte nach der Höhe für solche Gebäude. Georg Mayr (WGR) entgegnete ihm, sie seien nicht höher als große Wohnmobile.

Kühn schlug vor, zum Thema Tiny-Haus einen Berliner Filmemacher in den Bauausschuss einzuladen, den er zufällig kennengelernt hat: „Er ist Mitglied einer Initiative, die sich mit der Rechtsprechung in diesem Zusammenhang beschäftigt, und wie man die Bauordnung ändern muss, um hier Klarheit zu schaffen.“ Dem stimmte das Gremium einmütig zu. Die Münchnerin darf nach Meinung der Räte ihr bewegliches Tiny-Haus unter dem Vorbehalt, dass die Platzordnung eingehalten wird, vorübergehend auf dem Campingplatz abstellen. Eine endgültige Entscheidung darüber kann jedoch erst getroffen werden, wenn das Gesamtkonzept für den Platz steht.

Über Erfahrung mit Tiny-Häusern verfügt Buchautorin und Seminarleiterin Bettina Müller aus Ohlstadt, die bereits eigenhändig ein solches Bauwerk errichtet hat. „Im Sommer lebe ich in meinem Tiny-Haus, das etwas über 20 Quadratmeter Wohnfläche verfügt, im Winter bin ich in Australien“, erzählte die 56-jährige dem Tagblatt. „Ich bin sowieso der Meinung, dass wir alle viel zu viel Wohnraum beanspruchen. Es gibt Bewegungsprofile von Wohnungen, und es ist definitiv erwiesen, das Menschen nur ein Drittel ihrer Wohnfläche nutzen, egal, wie groß ihre Wohnung ist. Auf so kleinem Raum überlegt man sich bei jeder Ecke, wie man sie nutzen kann, weil kein überflüssiger Raum mehr da ist.“

Auch der Saulgruber Gemeinderat hatte mit dem Thema in diesem Jahr schon zu tun. Dem Antrag für ein Tiny-Haus und ein Wohnboot in Wurmansau stimmte das Gremium zu. Auch das Landratsamt gab sein Okay.

Heino Herpen

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