Telefonisch oder per App buchbar: der Ortsbus, hier an der Schloßbergstraße in Murnau. 
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Telefonisch oder per App buchbar: der Ortsbus, hier an der Schloßbergstraße in Murnau. 

Beteiligung am Murnauer Ortsbus

Riegsee steigt in den „Omobi“ ein

  • vonRafael Sala
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Riegsee beteiligt sich am Murnauer Ortsbus. Dies beschloss der Riegseer Gemeinderat. Der Deal gilt zunächst für drei Jahre.

  • Murnau streckt in Sachen Ortsbus die Fühler aus.
  • Der Riegseer Gemeinderat hat jetzt beschlossen, sich zu beteiligen.
  • Bürgermeister Jörg Steinleitner ist begeistert vom Angebot des großen Nachbarn.

Riegsee/Murnau – So leidenschaftlich hat man den Bürgermeister von Riegsee, Jörg Steinleitner (Wählergemeinschaft Riegsee), in einer Sitzung selten erlebt. Von einer „wunderbaren Chance“ schwärmte er, davon, dass seine Gemeinde die „tolle Möglichkeit“ habe, Klimaziele zu verwirklichen und dass ihm das Projekt „wirklich am Herzen“ liege. Die Rede ist vom Ortsbus „Omobi“, der bereits in Murnau zum Einsatz kommt. Dem Vernehmen nach erfolgreich. „Die Erfahrungen zeigen, dass der Bus von sehr vielen älteren Bürgern genutzt wird“, führte der Rathauschef aus. „Sie empfinden es als eine Entlastung, damit zum Arzt oder zum Einkauf fahren zu können.“ Nun will auch Riegsee den Dienst in Anspruch nehmen: Einstimmig beschloss der Gemeinderat, das entsprechende Angebot der Marktgemeinde anzunehmen und sich – zunächst – für eine Dauer von drei Jahren an diesem System zu beteiligen.

Von 6 bis 20 Uhr unterwegs

Dabei handelt es sich um eine Art Ruftaxi, das von Montag bis Freitag von 6 bis 20 Uhr auf den Straßen unterwegs ist und individuell bestellt werden kann. Die Kosten für den Dienst sind überschaubar: Zwei Euro kostet die Fahrt pro Person – unabhängig davon, wie lang die Fahrt innerhalb des Betriebsgebiets dauert und wie viele Kilometer gefahren werden. „Das kann sich wirklich jeder leisten“, warb Steinleitner weiter für das Projekt. Im Idealfall müssten die Nutzer maximal 40 Minuten warten, bis der Bus sie abholt. Bestellt werden kann er telefonisch oder per Smartphone über eine App.

Bürgermeister sieht viele Vorteile

Zahlreiche Vorteile sind nach Auffassung Steinleitners mit dem „Omobi“ verbunden. Zum einen verringerten sich dadurch die Fahrten von Eltern für ihre Kinder. „Augenblicklich müssen Riegseer, Aidlinger und Hagener Eltern viele Nachmittagsfahrten selbst übernehmen, weil nachmittags kaum Schulbusse im Einsatz sind, weil die Kinder vom Bahnhof abgeholt werden oder zum Musikunterricht oder zu Sportveranstaltungen gebracht werden müssen.“ Der Ortsbus werde das überflüssig machen. Außerdem leiste er einen Beitrag dazu, die Parkplatzsituation im Ort insgesamt zu verbessern: „Je mehr Touristen und Wanderer zu uns kommen, umso weniger werden sie unsere Dörfer zuparken.“ Gerade in den Sommermonaten, wenn sich die Blechlawinen in Richtung See durch den Ort wälzten, sei dies eine echte Entlastung. Seine Hoffnung: Badegäste aus Murnau würden dann nicht mehr mit ihrem Auto kommen, sondern diesen Service nutzen.

Steinleitner: Klima ist großer Gewinner

Schließlich sei das Klima der große Gewinner. Der Autoverkehr spiele hinsichtlich des Ausstoßes von Kohlendioxid eine große Rolle – alleine im Jahr 2018 sei der Straßenverkehr für 26 Prozent der Emissionen in der EU verantwortlich gewesen. Das dürfe so nicht weiter gehen: „Der Bus eröffnet uns die Möglichkeit, ihr Auto zuhause stehen zu lassen oder ihr Zweit-Fahrzeug abzuschaffen.“ Individuelle Verkehrssysteme wie „Omobi“ seien die Zukunft des Öffentlichen Personennahverkehrs, ist der Bürgermeister überzeugt.

Eine Hoffnung finanzieller Art

Steinleitner hofft, dass der Landkreis die Kosten übernimmt, wenn sich das Projekt bewährt. Denn erst einmal wird Riegsee in die Tasche greifen müssen: Im ersten Jahr fallen nach Berechnungen der Marktgemeinde Murnau im ersten Jahr 17 700 Euro an, im zweiten sind es 21 000 und im dritten 23 000 Euro. Ob sich Seehausen und Spatzenhausen anschließen, wird sich in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen zeigen.

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