Geschlossen-Hinweisschild am einst legendären Forsthaus Höhlmühle.
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„Bis auf Weiteres geschlossen“: Hinweisschild am einst legendären Forsthaus Höhlmühle.

Zukunft ungewiss

Zwei Traditions-Gasthäuser geschlossen: Bayerische Gemeinde verliert legendären Geheimtipp - auch Promis waren gerne da

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
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Zwei Riegseer Traditions-Gaststätten bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Damit verliert die Gemeinde auch ihren Geheimtipp, in dem auch mancher Promi gern zu Gast war.

  • Riegsee hat es gastronomisch heuer hart getroffen.
  • Sowohl im einst legendären Forsthaus Höhlmühle als auch in der Dorfwirtschaft Westner ruht der Betrieb.
  • In beiden Fällen wissen die Immobilien-Eigentümer im Moment nicht, wie es mit den Objekten weitergehen wird.

Riegsee – Zwei Wirtschaften, die innerhalb weniger Monate auf unbestimmte Zeit schließen: Riegsee hat es gastronomisch heuer hart getroffen. Der Betrieb des bekannten, urig im Wald gelegenen Forsthaus Höhlmühle, das internationales Publikum – neben Wanderern und Radfahrern auch immer wieder Prominenz – anzog, ruht bereits seit Jahresbeginn. Es folgte der Gasthof Westner: Pächter Siegfried Fischer machte nach dem Corona-Lockdown erst gar nicht mehr auf; im Sommer endete sein Vertrag nach über 20 Jahren. Auch als Wirt im Riegseer Haus des Gastes zog Fischer einen Schlussstrich. In diesem Fall läuft die Geschäftsbeziehung am 31. Oktober aus. Bürgermeister Jörg Steinleitner wird wohl nahtlos einen Nachfolger für das Veranstaltungsgebäude der Gemeinde präsentieren. Er spricht von einer „tollen Lösung“ – und einem „Glücksfall in Zeiten von Corona. Wir brauchen einen guten Wirt“.

Schließung des Dorfgasthauses Westner in Riegsee: „Ein großer Verlust für uns alle“

Dieser ist beim Gasthof Westner, bisher eine klassische bayerische Dorfwirtschaft, aktuell offenbar nicht in Sicht. „Das ist ein großer Verlust für uns und tut uns sehr leid“, erklärt Steinleitner, der Fischer als „hervorragenden Koch“ würdigt. Was aus dem Objekt wird, ob es Gaststätte bleiben soll oder nicht, steht in den Sternen. Aus der Eigentümerfamilie Westner verlautet, man wisse „ehrlich gar nicht, wie es weitergeht“.

Traditions-Gaststätten in Riegsee schließen: Noch kein Nachfolger in Sicht

Steinleitner schaltete sich, obwohl diese Immobilie der Gemeinde nicht gehört, helfend ein. Er habe „mit mehreren potenziellen Wirten Kontakt aufgenommen“ und angefragt, ob sie nicht an einem Ableger in Riegsee interessiert seien. Die Gaststätte sei „voll angenommen in der Bevölkerung“ und Riegsee „ein attraktiver Standort“. Allerdings gelang es Steinleitner nicht, einen Nachfolger für Fischer aufzutun. Die Corona-Pandemie erschwerte die Suche immens: „Keiner mag in dieser Situation ein Risiko eingehen, das nicht kalkulierbar ist.“ Sollte sich das Blatt zum Guten wenden und ein neuer Wirt vorstellig werden, „würden wir als Gemeinde das sehr begrüßen“.

Westner-Wirt blieb nach dem Corona-Lockdown geschlossen

Bei Fischers persönlicher Entscheidung wirkte Corona als Katalysator: Der Wirt zog seinen für 2021 anvisierten Ruhestand in Riegsee vor. In dem Gebäude wäre ein Hygienekonzept seiner Einschätzung nach nur sehr schwer umzusetzen gewesen, sagt der ehemalige Pächter. Vor allem für die Situation in Gängen und Toiletten sah er keine Lösung. Angestellte in seinem Alter – Fischer wird noch in diesem Herbst 65 Jahre – fragten ihn, ob ihm das Risiko nicht zu groß sei. „Wir haben lange überlegt, was wir machen.“ Denn: Man hänge an einem Lokal, das man so lange betrieben habe. Doch letztlich kam Fischer zum Fazit: „Das ist mir zu unsicher.“ Er stehe seit 50 Jahren in der Küche, „und man hat noch ein Leben“. Also macht er in Riegsee gleich ganz Schluss: im Westner, im Haus des Gastes. Dessen Pendant in Spatzenhausen, in dem er seit Jahren ebenfalls Veranstaltungen bewirtet, führt Fischer fort.

Forsthaus Höhlmühle in Riegsee: Investitionen notwendig

Riegsee brach derweil – mindestens vorübergehend –ein wichtiges Stück seines gastronomischen Angebots weg. Im Forsthaus Höhlmühle verlor das Dorf zudem einen legendären Geheimtipp, der lange Zeit als gute Adresse für gehobene bayerische Küche galt. Seit Jahresbeginn steht der Betrieb in dem Objekt still, das sich im Eigentum der Familie von Poschinger befindet. Den Plan gebe es, die Höhlmühle als Gaststätte fortzuführen, sagt Hubertus von Poschinger. „Es ist jedoch nicht absehbar, ob das klappt.“ Die Pandemie mache es schwierig, einen neuen Pächter zu finden. Im Fall der Höhlmühle lag bereits ein unterschriftsreifer Vertrag auf dem Tisch, „der allerdings nicht zustande kam“. Im Gebäude sind nach Angaben von Poschingers „einige Investitionen notwendig“. Wenn sich aktuell „nur geringe Pachteinnahmen erzielen“ ließen, stelle sich aber die Frage nach der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit, sagt er. Auch hier gilt: Zukunft offen.

Noch ist selbst der Ortsteil Riegsee nicht ganz ohne Gastronomie. Die Seestube zum Beispiel sei im Sommer glänzend gelaufen, sagt Steinleitner. Er sehe „die Gesamtsituation nicht total negativ“ – und das nicht nur mit Blick auf die Nachfolge im Haus des Gastes. Momentan werde auch der Campingplatz neu geplant. „Da wird die Gastronomie eine Rolle spielen.“

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