1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Riegsee

Ganz Aidling soll Tempo-30-Zone werden

Erstellt:

Von: Silke Reinbold-Jandretzki

Kommentare

null
Vorfahrt im Fokus: ein Auto auf der Aidlinger Dorfstraße; links zweigt die Lohwiesstraße ab. © Herpen

Wer hat Vorfahrt? Das lässt sich auf der Aidlinger Dorfstraße rechtlich nicht immer mit letzter Gewissheit sagen. Eine Tempo-30-Zone im ganzen Ortsteil soll künftig für klare Verhältnisse sorgen – und verhindern, dass Aidling mit Schildern überflutet wird.

Aidling – Ein ganzer Ortsteil fast ohne Verkehrszeichen – in Aidling ist das bisher Realität. Und wenn es nach Polizei, Bürgermeister und Ordnungsamt der zuständigen Verwaltungsgemeinschaft (VG) Seehausen geht, soll sich an diesem Zustand nichts Grundlegendes ändern. Deshalb wollen sie Aidling nach einem gemeinsamen Ortstermin komplett zur Tempo-30-Zone machen. Diese soll in erster Linie nicht etwa Raser ausbremsen. Ziel ist es vielmehr, für eine rechtlich eindeutige Vorfahrtsregelung an der zentralen Dorfstraße zu sorgen – und genau diese bringt eine Zone mit sich. Dann gilt ganz klar und einfach durchgehend rechts vor links. Am Mittwochabend kommt das Vorhaben in der Sitzung des Gemeinderats Riegsee, der dazu angehört wird, auf den Tisch (Beginn 19.30 Uhr). Erster Bürgermeister Rudolf Kühn rechnet damit, dass der Vorschlag auf Zustimmung stößt.

„Die Vorfahrsregelung in Aidling ist unübersichtlich und an einigen Einmüdungen an der Dorfstraße seit Jahrzehnten immer wieder unklar“, sagt Kühn – und zwar auch rechtlich. Florian Abbé, Leiter des Ordnungsamts der VG Seehausen, bestätigt: Die Bebauung mit geplastertem Gehbereich erwecke den Eindruck, als sei die Dorf- auch die Vorfahrtsstraße. „Rechtlich ist das allerdings nicht eindeutig“, betont Abbé. Kühn nennt Beispiele für neuralgische Stellen: die Abzweigungen zu Mesnerhauser Straße, Lohwiesstraße, Am Mühlfeld Kirchberg und Höhlmühlstraße. Es gibt unterschiedliche Straßenbeläge – mal Pflaster, mal Asphalt –, zahlreiche Hofausfahrten, Einmündungen, aber eben keine Verkehrszeichen. Kühn weiß von zwei Karambolagen in den vergangenen rund zehn Jahren, in denen unterschiedlich entschieden worden sei. Nun soll eine wasserdichte Lösung her, ohne an jeder Einmündungen mehrere Tafeln aufstellen zu müssen. „Wir sind ja eher auf den Abbau des Schilderwaldes bedacht“, sagt Abbé – da will man nicht ausgerechnet im vorbildlichen Aidling aufforsten. Bei einer Tempo-30-Zone bräuchte es nur an den Ortsein-/ausgängen entsprechende Hinweise. Damit ließe sich das Problem eindeutig klären.

Rudolf Schedler ist ein Fürsprecher dieses Schritts hin zur Zone: „Ich halte das für eine sinnvolle Lösung“, sagt der Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Murnau. Und Abbé spricht mit Blick auf einen möglichen Schilderwald vom „geringeren Übel“ und von einer „einheitlichen Regelung“. Auch Riegsees Zweiter Bürgermeister Ingo Presuhn hält eine Tempo-30-Zone für gar keinen schlechten Weg: „Das bedeutet nicht viel Aufwand.“

Das Tempolimit, das damit einhergeht, scheint von nachrangiger Bedeutung zu sein. „Da wird sowieso nicht viel schneller als 30 km/h gefahren“, sagt Abbé. Auch Kühn meint: Es gibt in Aidling kein großes Raser-Problem. Die Frage nach der Überwachung bleibt zunächst offen.

Treten keine unerwarteten Widerstände auf, könnte die neue Regelung nach Ansicht Abbés Anfang 2018 umgesetzt werden. Damit wäre die Kuh nach Jahrzehnten vom Eis. Kühn hatte bereits in seiner ersten Periode als Mitglied des Gemeinderats in den 1980er Jahren eine Tempo-30-Zone ins Spiel gebracht – doch die Kollegen bremsten ihn einst aus: „Der Vorschlag“, erinnert sich Kühn, „wurde in Bausch und Bogen abgeschmettert.“

Auch interessant

Kommentare