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Hier trifft man sich: Bei Susanne Binder (v.l.), Hildegard Bernhard und ihrer Mitarbeiterin Evi Oswald kaufen Christian Freude, Helene Schmidt, Lisi Höck und Eva Echter gerne ein.

Riegseer Dorfladen ist mehr als ein Lebensmittelgeschäft 

Eine Drehscheibe des sozialen Lebens

Riegsee - Sie sind nicht nur ein Ort, um sich mit Produkten für den täglichen Bedarf einzudecken. Kleine Geschäfte in kleinen Dörfern sind auch Treffpunkte, wo sich Menschen in Ruhe austauschen und miteinander in Kontakt treten können. Ein Beispiel ist der Kramerladen in Riegsee.

Riegsee – Er liegt im Herzen von Riegsee und ist weit mehr als ein Ladengeschäft für Lebensmittel und Artikel des täglichen Gebrauchs. Der Kramerladen von Hildegard Bernhard und Susanne Binder fungiert als eine Drehscheibe des sozialen Lebens im Dorf. Dort herrscht keine betriebsame Hektik wie in einem Supermarkt, sondern es ist Zeit für einen Ratsch, es werden von den Kunden Kochrezepte und Tipps zu Gesundheitsfragen ausgetauscht, ältere Bäuerinnen trinken gemütlich einen Cappuccino und unterhalten sich über das familiäre Geschehen auf ihren Höfen.

Als Bernhard und Binder den Laden, der seit über 100 Jahren existiert, im Juni 2012 übernahmen, herrschte in der Gemeinde ein großes Aufatmen, zumal in vielen anderen Kommunen keine Lebensmittelgeschäfte dieser Größenordnung mehr existieren. „Seit wir den Laden vor über vier Jahren übernommen haben, hat sich alles gut eingespielt“, freut sich Bernhard. „Man braucht keine 83 verschiedenen Joghurts und keine 25 Sorten Essiggurken. Fünf gute genügen.“

Dieser Meinung ist auch Kundin Eva Echter. „Ich lege Wert auf qualitativ hochwertige Waren, die in der Region hergestellt werden“, erklärt die 47-Jährige. „Gesunde Ernährung liegt mir sehr am Herzen. Zudem kann ich meine Kinder mit einem Beutelchen losschicken, um rasch ein paar Sachen zu holen. Und außerdem hängen im Laden Informationen über das Geschehen im Dorf aus, die man sonst gar nicht mitbekommen würde“. Im gleichen Sinne äußert sich auch Lisi Höck (39). „Alles, was man braucht, gibt es hier, vor allem sehr gute Lebensmittel. Es ist für mich eine große Zeitersparnis, hier einzukaufen, und alles ist viel persönlicher, man pflegt menschliche Kontakte und Gespräche. Es gibt sogar bestimmte Zeiten, in denen man hofft, jemand Bestimmtes zu treffen.“ Auch Schauspieler Christian Freude (52) schätzt die Zeitersparnis und die persönliche Atmosphäre im Kramerladen: „Ich komme immer gerne, hier ist es einfach Klasse.“

Manch kuriose Begebenheit vermag Bernhard zu erzählen: „Ich kann mich an einen besonders großen Mann aus Berlin erinnern, er war wirklich von mächtiger Statur. Er kam bis zu dreimal am Tag zu uns. Als einmal der Laden voll war und er ganz hinten stand, rief er plötzlich in voller Lautstärke in seinem Berliner Dialekt: „Eines muss ich schon mal sagen. Das ist der schönste Laden, den ich kenne.“ Die Rücksichtnahme auf ihre Kunden besitzt für die beiden tatkräftigen Geschäftspartnerinnen einen großen Stellenwert. So benutzt etwa eine ältere Dame, die auf einen Rollator angewiesen ist, den Hintereingang des Lagers, weil sie die Stufen vor der Ladentür nicht überwinden kann.

Seit Oktober betreibt Susanne Binder zusätzlich den Kramerladen in der Murnauer Postgasse. „Dort habe ich ein komplett anderes Sortiment“, sagt die 46-Jährige. „Auch in Murnau genießen es die Menschen, ohne mit Musik berieselt und an der Kasse durchgeschubst zu werden. Ältere Leute dürfen dort noch in Ruhe zahlen und Kinder lernen, mit Geld umzugehen.“

Rundum überzeugt vom Dorfladenkonzept zeigt sich Bürgermeister Rudolf Kühn (ÖDP): „Den Bürgern sind die regionale Versorgung und die menschlichen Kontakte immer wichtiger“, ist sich der Rathauschef sicher. In absehbarer Zeit steht im Übrigen ein Umzug an: Der Dorfladen wird dann in den ehemaligen Räumen der VR-Bank im Riegseer Rathaus zu finden sein. Das Sortiment wird hingegen gleich bleiben und vielleicht sogar etwas erweitert werden.

Heino Herpen

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