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Gründung – ja oder nein? Das Riessersee Hotel bekommt möglicherweise einen Betriebsrat. Mit im Bunde ist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Neuer Ärger im Riessersee Hotel

Steiniger Weg zum Betriebsrat

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Garmisch-Partenkirchen - Stürmische Zeiten für das Riessersee Hotel Resort: Seit dem vergangenen Jahr darf das Vier-Sterne-Superior-Haus nicht mehr ausbilden. Jetzt schlägt die Gründung eines Betriebsrats hohe Wellen.

Sowas hat Wolfgang Zunterer noch nicht erlebt. „Das war eine Inquisition“, sagt der Kreisgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes. Von der Industrie- und Handelskammer (IHK) gegen das Riessersee Hotel Resort. Die Rede ist vom Ausbildungsverbot, das Mitte des vergangenen Jahres für das Vier-Sterne-Superior-Haus in Garmisch-Partenkirchen erlassen worden war. Der ausschlaggebende Grund: Der Betrieb führt die Lehre nicht ordnungsgemäß aus, hieß es damals von Seiten der IHK. Wie eine Sau sei das Hotel daraufhin durch den Ort getrieben wurden. Zu Unrecht, wie Zunterer findet. „Davor hat es nie Beanstandungen gegeben.“ Die Hotel-Geschäftsführung um Dieter Ballwanz, der sich mittlerweile vom Tagesgeschäft zurückgezogen hat, reichte Klage gegen die IHK ein. Doch während das Verfahren noch läuft, wird die Hotelleitung mit den nächsten Vorwürfen konfrontiert. Diesmal von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit Sitz in Rosenheim – und wieder geht es um das Personal.

Einige Mitarbeiter möchten einen Betriebsrat ins Leben rufen. „Sie wollen sich wehren“, sagt Klaus Brinnig. Gegen die wahllose Einteilung von Schichten. Gegen Mobbing durch die Arbeitgeber. Schwerwiegende Anschuldigungen, bei denen sich der Gewerkschaftssekretär auf Aussagen aus den Reihen der Belegschaft und gleichzeitigen Mitgliedern in der NGG stützt. Auf Wunsch leitete die Gewerkschaft eine Betriebsratsgründung in die Wege.

Mit einer Woche Vorlauf hatte Brinnig dem Arbeitgeber ein Schreiben mit der Ankündigung für die Wahlversammlung am 5. April um 8.30 Uhr geschickt – verbunden mit der Bitte, einen Raum zur Verfügung zu stellen. „Einige Tage kam nichts zurück“, sagt er. Dann traf ein Brief von Zunterer als Rechtsbeistand des Hotels bei ihm ein. „Er teilte mit, dass das mit der Versammlung nicht geht“, sagt Brinnig. Dazu steht Zunterer und verweist auf das Betriebsverfassungsgesetz. „Die Vorstufe ist der Wahlausschuss“, erklärt der Jurist. Um diesen zu bestellen, ist es nötig, dass entweder mindestens drei wahlberechtigte Arbeitnehmer zu einer Betriebsversammlung laden. Oder ein Angestellter, der Mitglied in einer Gewerkschaft ist. Deshalb stellt Zunterer die daraus resultierende Forderung an die NGG. Sie muss nachweisen, dass ihr Mitarbeiter des Riessersee Hotels angehören. Brinnig habe ihm das verweigert. Der wiederum betont, diese notarielle Beglaubigung für die 15 bis 20 Beschäftigten des Resorts zu erbringen – ohne Nennung von Namen. Und er tritt nach: „Es gibt auch Betriebe, die damit lockerer umgehen, weil es nichts zu verbergen gibt.“

Die schriftliche Absage hat den Gewerkschaftssekretär nicht davon abgehalten, am angesetzten Termin das Hotel aufzusuchen. Statt einer Versammlung gab es ihm zufolge ein Gespräch mit Michael Kirchhoff, der sich von einem Betriebsrat nicht unbedingt angetan zeigte. Der Hoteldirektor will das auf Tagblatt-Nachfrage nicht bestätigen und verweist auf Dörte Mäder, die neue Geschäftsführerin. „Ich werde mich an Gerüchten und Spekulationen nicht beteiligen“, sagt er.

In Kirchhoffs Pressemitteilung, mit der er einen Tag später reagierte, ist von der Abneigung des Vorhabens nichts zu lesen. „Die Gründung eines Betriebsrates wird von der Geschäftsführung und der Hoteldirektion des Riessersee Hotels begrüßt, aktiv unterstützt und begleitet“, heißt es. Sie sei ein Bestandteil von Mäders und Kirchhoffs eingeleiteter Erweiterung des Personalstabes nach den Grundsätzen moderner Mitarbeiterführung. Die gleiche Meinung vertritt Rechtsbeistand Zunterer, der aber gleichzeitig einräumt, dass sich natürlich „niemand über einen Betriebsrat freut“. Üblich sei die Installierung eines solchen in der Branche ebenfalls nicht. Dennoch wird sich die Hotelleitung nicht querstellen und „100-prozentig mit einem Betriebsrat zusammenarbeiten“.

Brinnig geht auch gar nicht davon aus, dass die Hotel-Chefs eine künftige Versammlung verhindern. Der Gewerkschaftssekretär hegt eine ganz andere Befürchtung: Nämlich die, dass bis dahin das Personal, dass einen NGG-freundlichen Betriebsrat wählen würde, „rausgekegelt wird“. Ihm zufolge sei es schon zu Kündigungen und Aufhebungsverträgen gekommen, seit die Geschäftsführung Wind von der Sache bekommen hat. Seine Quellen nennt er nicht.

Während sich Mäder in puncto Betriebsratsgründung eher wortkarg gibt, will sie derartige Anschuldigungen nicht unkommentiert stehen lassen. „Wenn Mitarbeiter weggehen“, sagt sie, „gibt es Gründe dafür“. Zum Beispiel, wenn sich diese weiterentwickeln wollen. Oder, wenn Personal und Haus nicht mehr harmonieren. Aber eines will sie klarstellen: „Wir setzen niemanden vor die Tür, bei dem uns die Nase nicht passt."

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