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Mit dem Rollstuhl auf den Jakobsweg

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Will zu sich selbst finden: Luise Schwarz bricht von Schöffau in Richtung Spanien auf. foto: Lory
Will zu sich selbst finden: Luise Schwarz bricht von Schöffau in Richtung Spanien auf. foto: Lory

Schöffau - Das Ziel von Luise Schwarz ist 2700 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt. Sie will auf dem Jakobsweg. Aber nicht zu Fuß, sondern mit dem elektrischen Rollstuhl. Und allein.

Als Luise Schwarz 33 Jahre alt wurde, stellten die Ärzte eine spezielle Muskelerkrankung fest - die fazioskapulohumerale Muskeldystrophie (FSHD). Die dreifache Mutter und gelernte Kindergärtnerin kam damit gut zurecht. Bislang. Als sie vor gut einem Jahr eine familiäre Krise aus der Bahn warf, veränderte sich etwas. „Seither stelle ich vieles in Frage und empfinde mein jetziges Leben als schwer“, erzählt sie. Plötzlich reifte in der zierlichen Frau der Wunsch zu pilgern. Ihr Ziel: der Jakobsweg, der im spanischen Santiago de Compostela endet.

Die 58-Jährige möchte damit ihre jetzige Situation besser bewältigen und zu sich selbst, ihrer Gelassenheit und Lebensfreude zurückfinden. Luise Schwarz sucht das Gespräch mit Gott und nach einem neuen Sinn. Und sie möchte Spenden für die Erforschung der FSHD sammeln, die eher selten ist. Pro 20 000 Einwohner erkrankt durchschnittlich eine Person daran.

Für den Jakobsweg setzt Schwarz ein Tagespensum von durchschnittlich 30 Kilometern an. „Das ist realistisch.“ Am ersten Tag will sie über Kirnberg und Schönberg nach Rottenbuch und dann weiter nach Steingaden rollen. Dort kann sie bei Freunden übernachten. Das nächste Tagesziel ist Marktoberdorf, wo ebenfalls Freunde wohnen. Sieben Etappen führen, so der Plan, durch deutsches Staatsgebiet. Danach fährt Schwarz über Österreich, die Schweiz und Frankreich nach Spanien. Dabei hat sie einiges zu bedenken. Zum Beispiel müssen die Akkus des Rollstuhls, der elf Stundenkilometer schnell ist, regelmäßig aufgeladen werden.

Früher ging Schwarz gerne in die Berge und machte Skitouren. Das ist heute nicht mehr möglich. Eigenständig kann sie sich nur mit Stöcken fortbewegen. Das heißt aber nicht, dass sie untätig ist. Bei Bauer Sepps Märchenbühne ist sie als Puppenspielerin aktiv. Außerdem leitet sie in Schöffau die Mutter-Kind-Gruppe des Katholischen Kreisbildungswerks. Im Sommer rollt sie gern in 50 Minuten die neun Kilometer zum Staffelsee, um dort zu baden. Doch das fällt heuer aus. Der Jakobsweg ruft.

„Bereits die Planung dieser Pilgerreise gibt mir neue Hoffnung und Mut“, sagt die Schöffauerin. Sie hat sich bereits Bücher und Landkarten besorgt. Doch es gibt noch einiges zu tun. So muss der Rollstuhl, der passenderweise „Adventure“ (Abenteuer) heißt, noch überholt werden. Zurück geht’s mit dem Auto. Eine ihrer Töchter und deren Freund holen Schwarz ab.

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