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Rottweiler Mona darf nach Hause

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Von: Sebastian Grauvogl

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Rottweiler Mona
Wieder vereint: Margit und Wolfgang Seidelmann mit ihrer Rottweilerhündin Mona. © Reinhard Kurzendörfer

München/Bad Kohlgrub - 2000 Euro Steuer hätte das Ehepaar Seidelmann aus Bad Kohlgrub für Rottweilerhündin Mona bezahlen müssen. Die Seidelmanns klagten, erzielten einen Teilerfolg. Jetzt haben sie Mona aus dem Tierheim geholt. Ob sie sie behalten werden, ist offen.

Als Wolfgang Seidelmann Mona aus dem Zwinger führt, ist die Freude groß. Bei der Rottweilerhündin wie bei ihren Besitzern. Nach zwei Jahren im Münchner Tierheim holen die Seidelmanns Mona wieder in ihr Haus in Bad Kohlgrub. Mona wedelt heftig mit dem Schwanz, scharrt mit den Pfoten auf dem Boden, zerrt ruckartig an der Leine. „Sie ist aufgeregt“, sagt Margit Seidelmann. „Aber sie ist gutmütig, das sieht man doch.“ Es klingt wie eine Entschuldigung.

Die Seidelmanns sind es gewohnt, sich für Mona zu rechtfertigen. Mona ist ein Kampfhund. Ein Listenhund, wie es im Behördendeutsch heißt. Weil Rottweiler auf der Rasseliste zu den Kampfhunden zählen, dürfen Gemeinden eine höhere Hundesteuer kassieren. 2000 Euro wären es für die Seidelmanns in Bad Kohlgrub gewesen – ein normaler Hund kostet 75 Euro. Obwohl ein Gutachter die viereinhalb Jahre alte Mona als ungefährlich eingestuft habe. „2000 Euro – das konnten wir uns nicht leisten“, sagt Wolfgang Seidelmann. Schweren Herzens brachte das Paar Mona 2012 ins Tierheim zurück.

Doch die Seidelmanns wollten das Vorgehen der Gemeinde nicht akzeptieren. Gemeinsam mit Kurt Perlinger, Vorsitzender des Münchner Tierschutzvereins, und dem Rechtsexperten Claus Reichinger zogen sie bis vor das Bundesverwaltungsgericht, um gegen die überzogene Hundesteuer zu klagen. Im Oktober haben sie teilweise Recht bekommen. Das Urteil: Die Steuer für Kampfhunde dürfe keine „erdrosselnde Wirkung“ entfalten und in keinem Fall die Haltungskosten übersteigen. Alles andere käme einem Verbot dieser Hunde gleich.

Erdrosselt fühlt sich auch der Münchner Tierschutzverein. Mit 10 000 Euro im Jahr schlägt ein Heimplatz für Listenhunde wie Mona zu Buche, erklärt Perlinger. Sollten die hohen Steuern bei den Gemeinden Schule machen, würden die Tierheime künftig mit Kampfhunden überflutet. Weitervermittlung so gut wie ausgeschlossen. „Da denkt man selbst als Tierschützer über Euthanasie nach“, sagt Perlinger. „Aus wirtschaftlichen Gründen.“ Einen Rottweiler könnten sich dann nur noch wohlhabende Halter leisten. Als Statussymbol.

Ob die Seidelmanns ihre Mona behalten werden, wissen sie nicht. Die Gemeinde hat den neuen Steuersatz noch nicht festgelegt. „Wir warten erst das schriftliche Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ab“, gibt Bad Kohlgrubs Bürgermeister Karl-Heinz Reichert auf Anfrage bekannt. Sollten die Kosten für Mona nicht deutlich unter 1000 Euro liegen, werden die Seidelmanns die Rottweilerdame endgültig abgeben. Aber selbst, wenn sie bei ihnen bleibt, werden die Bad Kohlgruber Mona nicht oft auf der Straße sehen, sagt Margit Seidelmann: „Wir werden außerhalb mit ihr Gassi gehen. Weil Mona als Kampfhund gilt, sind wir im Ort nicht mehr erwünscht.“

Sebastian Grauvogl

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