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Ein markantes Gebäude am Unterammergauer Dorfplatz ist die Sparkasse: In Parterrre befindet sich die Filiale, in den Obergeschossen eine Reihe von meist kleinen Wohnungen. Einst konnte man hier im „Schweiger-Wirt“ gut essen und trinken. Den Sparkassenkunden ist jetzt erst mal der Appetit vergangen.

Meinung, Analyse, Hintergrund

Abzug der Banken

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Unterammergau/Saulgrub – Die Banken ziehen sich aus dem Ammertal zurück. Ab Juli gibt es in Unterammergau und Saulgrub nur noch Automaten. Die Bürgermeister sind verärgert.

Man kann schlechte Nachrichten auch so verpacken, dass sie ganz neutral klingen. Mit der Betreffzeile „Anpassung unseres Geschäftsstellennetzes“ versandte die Kreissparkasse am Mittwoch an ihre Kunden in Unterammergau rund 1000 Einheitsbriefe. Ehrlicher wäre gewesen: Wir schließen unsere Filiale! Aber dies klingt ja zu negativ. Nach 46 Jahren macht die Sparkasse im Pürschlingdorf die Schotten dicht. „Mir blutet da schon ein wenig das Herz. Ich hatte eine sehr, sehr schöne Zeit dort. Aber irgendwie habe ich es sogar erwartet, dass es soweit kommen würde“, erklärt Rainer Scholz, von 1970 bis zu seinem Ausscheiden 2004 Filialleiter in Unterammergau. Zunächst im Rathaus, später dann im Schweiger-Anwesen, in einer ehemaligen Wirtsstube, hatte die Zweigstelle ihre Heimat. Aus dem Nichts baute Scholz die Sparkasse im Ort auf, auch weil er ein sehr persönliches Verhältnis zu den Kunden pflegte. Flott ging es aufwärts. Ende Juni gehen nun die Lichter aus, zusammen mit der VR-Bank werden im Rathaus (Eingangsbereich der Bücherei) zwei Automaten – ein Kontoauszugsdrucker und ein Geldautomat – aufgestellt.

Georg Fink, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse, verteidigt die Entscheidung: „Es rentiert sich in Unterammergau einfach nicht mehr. Wir haben täglich im Schnitt nur vier Nutzungen am Geldautomaten. Ohne die Kooperation mit der VR-Bank hätten wir uns ganz zurückziehen müssen.“ Was mit dem Gebäude passiert, das der Sparkasse gehört und in dem sich rund zehn, meist kleine Wohnungen befinden, vermag Fink noch nicht zu sagen: „Wenn wir einen guten Preis geboten bekommen, stellen wir uns nicht gegen einen Verkauf.“ Auf eine lange Tradition blickt auch das Gebäude der VR-Bank in Unterammergau zurück. Dort, im sogenannten „Stoakasten“, hatte seit 1822 die „Bayerische Marmor-Wetzsteingenossenschaft“ ihren Sitz. Strenge Prüfer nahmen hier die fertigen Wetzsteine ab. 1902 wurde das Haus völlig neu gebaut, das 1954 die Raiffeisenkasse erwarb. 1981 versah der bekannte Maler Sebastian Pfeffer aus Mittenwald die Fassaden mit zwei Fresken, auf denen Szenen aus der Wetzsteinmacherei als Motive abgebildet sind.

„Alle haben sie mich verlassen . . .“ – aus einem Lied von Andreas Hofer zitiert Bürgermeister Michael Gansler, der die Schließungen nicht nachvollziehen kann: „Dieser Schritt wäre meiner Meinung nicht notwendig gewesen, denn es hätte doch andere Möglichkeiten geben müssen, um Geld einzusparen. Zum Beispiel, wenn man auf Gewinnausschüttungen verzichtet hätte. Die kleinen Dörfer bluten immer mehr aus.“ Gansler ärgert sich mächtig, „weil diese Entscheidungen wieder hauptsächlich die älteren Leute trifft.“ Die Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen stehe mit einer Kapitalquote von 16 bis 18 Prozent im Vergleich zu anderen Instituten mit neun Prozent nicht so schlecht da. Auch sein Kollege Rupert Speer aus Saulgrub ist „enttäuscht und verärgert“. In Altenau, bisher von der Sparkasse ohnehin nur noch stundenweise besetzt, gibt es ab Juli gar keine Möglichkeit mehr, Geld abzuheben, während in der VR-Bank in Saulgrub wenigstens noch ein SB-Automat bestehen bleibt. Doch wie lange noch? Bürgermeister Speer: „Ich versteh’ das nicht. Ein minimaler Service, wie bisher in Altenau, muss doch noch drin sein. Das ist ein weiterer Schritt, wo man den kleinen Orten das Wasser abgräbt.“ Man versuche, Ärzte herzubringen und Gewerbe anzusiedeln, und dann ziehen die Banken ab: „Das ist einfach nur noch enttäuschend.“ „Es gibt in beiden Orten – Saulgrub-Altenau mit 700 Kunden, Unterammergau mit 750 – zu geringe Frequenzen und zu hohe Kosten“, verteidigt Walter Beller, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank die Entscheidung: „Wir haben es mal ausrechnen lassen: Auf einen Besuch in einer Filiale kommen 500 Zugriffe über Telefon, online und Automaten.“ Durch die Kooperation mit der Sparkasse würden die Kosten für die Automaten wenigstens halbiert, sonst könnten wir in Saulgrub nicht mal mehr die SB-Station halten.“ Was mit dem Bankgebäude in Unterammergau passieren wird, dazu gebe es laut Beller noch keine konkreten Pläne: „Entweder wir bauen um und schaffen Wohnraum oder wir verkaufen.“ Auf drastische Weise drückte gestern ein Kunde seine Meinung zu den Schließungen aus: „In den fetten Jahren haben die heimischen Banken von uns gut gelebt, jetzt lassen sie uns wie heiße Kartoffeln fallen . . .“

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