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Das waren noch Zeiten: Elisabeth Hoechner bei der Nominierung zur SPD-Bürgermeisterkandidatin. Rechts neben ihr der damalige SPD-Ortschef Felix Burger.

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Rücktritt: Hoechner macht es Gattner nach

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Murnau - Die Arbeit in Murnaus Gemeinderat ist kein Zuckerschlecken, das Klima mitunter rau. Das Gremium zeigt nach zwei Jahren erste Erosionserscheinungen: Nach Guntram Gattner, Urgestein des ÖDP/Bürgerforums, erklärte jetzt auch SPD-Frontfrau Elisabeth Hoechner ihren Rücktritt.

Es fällt Elisabeth Hoechner nicht leicht, über ihre Entscheidung zu sprechen, das Gemeinderatsmandat zurückzugeben. Beim Pressetermin ringt die 52-jährige SPD-Fraktionschefin, die sonst für ihre taffe Art bekannt ist, um Fassung. Hoechner gehört seit 14 Jahren dem Murnauer Kommunalparlament an, hat vielen Debatten mit leidenschaftlichen und oft angriffslustigen Wortbeiträgen ihren Stempel aufgedrückt. Doch Ende Juni ist Schluss – aus beruflichen Gründen, wie die Computer-Programmiererin betont. Politische Überlegungen spielten dabei keine Rolle.

„Meine beruflichen Aufgabenfelder haben sich in den letzten Monaten derart verändert, dass ich diese Tätigkeiten und die Aufgaben als Gemeinderätin zeitlich nicht mehr vereinbaren kann“, erklärt Hoechner, die beim Seehauser Institut zur Fortbildung von Betriebsräten arbeitet, in einer schriftlichen Stellungnahme. Am Montagabend informierte sie auf einer Jahresversammlung ihre Parteifreunde. Mit dem bisherigen SPD-Ortschef Felix Burger steht ein Polit-Youngster bereits als Nachrücker in den Startlöchern.

 An Spekulationen über die Hintergründe des Hoechner-Ausstiegs mangelt es in Murnaus Politbetrieb nicht. Die Spitzenfrau der Orts-SPD habe ihre Niederlage bei der Bürgermeisterwahl 2014 – Hoechner wurde trotz ihres hohen Bekanntheitsgrades nur Dritte, den Rathaus-Thron eroberte bekanntlich der damalige Außenseiter Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) – nie richtig überwunden, wird hinter vorgehaltener Hand gemunkelt. Andere vermuten: Sie komme mit dem Führungsstil Beutings nicht klar. 

Wie dem auch sei: Hoechner zählt nicht zu den Beuting-Vertrauten. Im Gegenteil, das Verhältnis der beiden gilt als eher kühl. Die SPD-Sprecherin ergreift gerne im Gemeinderat die Gelegenheit, um den Rathaus-Chef in die Enge zu treiben – wie zuletzt im Hickhack um den mysteriösen Bürgerbeirat. Zur Erinnerung: Beuting hatte offenbar auf eigene Faust dieses geheime Gremium installiert – und das Projekt nach Protesten wieder eingestellt (wir berichteten).

 Das Etikett Opposition gefällt Hoechner überhaupt nicht. Sie sieht sich als Volksvertreterin – ohne parteipolitisches Kalkül. „Wenn ich meine, dass etwas nicht stimmt, dann sage ich es auch“, erklärt sie. Und mit Beuting habe sie in vielen strittigen Fragen einen guten Konsens gefunden. Generell hat sich ihrer Ansicht nach die Zusammenarbeit im Gemeinderat gebessert. 

Ein anderes Bild zeichnet Gattner. Der 58-jährige Grandseigneur des ÖDP/Bürgerforums – der Buchhändler sitzt wie Hoechner seit 2002 im Gemeinderat – ist von der Atmosphäre in dem Gremium genervt. „Es steht nicht mehr die Sachpolitik im Vordergrund“, ärgert er sich. Er habe den Eindruck, dass es einigen nur noch darum gehe, Beuting zu schaden. Gattner, dem eine gewisse Amtsmüdigkeit nachgesagt wird, bleibt dabei: Ende Juli ist finito. Seine Nachrückerin heißt Sabine Pecher.

 Die Nachricht ist nicht neu: Gattner hatte seinen Rücktritt Ende März im Zuge der Auseinandersetzung um besagten Bürgerbeirat in einer denkwürdigen Gemeinderatssitzung verkündet. Nach Tagblatt-Recherchen kochte damals der sonst so besonnene Geschäftsmann vor Wut, witterte hinter der deutlichen Kritik an Beuting, die 14 Gemeinderäte der Fraktionen CSU, SPD, Freie Wähler und Mehr bewegen in einem gemeinsamen Schreiben formuliert hatten, einen Generalangriff auf den Bürgermeister – und holte zum Gegenschlag aus. Per E-Mail dachte er laut über einen harten Schnitt nach: einen kollektiven Rücktritt. „Eigentlich müssten mir die vier Fraktionssprecher in die Demission folgen. Das täte dem GR bestimmt gut“, schrieb er an Gemeinderatskollegen.

 Heute will Gattner zwar keine Namen nennen. Aber es würde dem Gemeinderat bestimmt nicht schaden, meint er, wenn einige den Weg frei machten – für „neue Leute“.

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