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Spezialschiff im Einsatz: Ende 2014 untersuchen beauftragte Experten die Reinheit des verschlammten Sachensees bei Wallgau.

Strom-Riese Eon in der Kritik

Sachensee versinkt im Morast

Wallgau - Der Sachensee bei Wallgau verschlammt immer mehr. In die Kritik gerät dabei Energiekonzern Eon. Dieser sieht sich nicht für die Säuberung verantwortlich.

Hansjörg Zahler (CSU) versteht die Welt nicht mehr. Der Wallgauer Bürgermeister zitiert im Gemeinderat aus einem Befund des Strom-Riesen Eon und seiner Schwesterfirma uniper energy, die Ende 2014 den Sachensee auf seine Reinheit geprüft hatten. 21 Bohrungen wurden damals im November gemacht (wir berichteten). Ein Günzburger Labor untersuchte daraufhin die Sachensee-Proben. Ein Spezialschiff war gut zwei Wochen unterwegs, insgesamt kostete die Analyse über 100 000 Euro.

Nun ist das Ergebnis ernüchternd: „Die Uniper Kraftwerke haben sich eingehend mit dem Thema ,Verlandung des Sachensees‘ auseinandergesetzt und es über längeren Zeitraum wissenschaftlich untersuchen lassen“, erklärt Lars Pappert von der gleichnamigen Firma aus Landshut. Diese Untersuchungen hatten zum Ergebnis, dass „weder aufgrund der Sedimentzusammensetzung, noch aufgrund fisch-ökologischer Gesichtspunkte eine Entlandung des Sachensees angeraten oder notwendig ist“.

Für Zahler ein Unding: „Die Firma sieht keinen Grund, den See wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen“, erklärt Zahler verärgert. Was bedeutet, dass Uniper die Sedimentschicht am Seeboden künftig nicht mehr ausbaggern wird. „Der See muss uns aber erhalten bleiben“, verdeutlicht der Rathauschef. Dass der Bescheid so ausfällt, ist für ihn aber kein Wunder. Schließlich war die Untersuchung „von der Firma selbst beauftragt und finanziert worden“.

Die Satellitenbilder vom Sachensee sprechen Bände. Das Gewässer, früher türkis und strahlend blau, sieht nun sehr gräulich aus. Deutlich zeichnet sich der Obernachkanal ab. „An vielen Stellen sind nur mehr wenige Zentimeter Wasser über der Sedimentschicht“, meint Zahler. Die Folgen wären fatal, würde nicht bald etwas passieren: Denn wenn die Schlammschichten nicht abgetragen werden, würde der See in seiner jetzigen Form bald austrocknen und zu einem künstlichen Kanal schrumpfen.

Doch wie kam es überhaupt soweit? Im Jahr 1924 wurde das Walchenseekraftwerk errichtet. Wurde es damals noch für die allgemeine Stromversorgung gebaut, dient es heute mehr als Spitzenlastkraftwerk. Da die natürlichen Zuflüsse des Walchensees für den Betrieb nicht ausreichten, musste um die zentrale Anlage ein weiträumiges Netz aus Stauwehren, Kanälen, Stollen und Kraftwerken entstehen – vor allem die Isar wurde zur wichtigsten Wasserversorgerin und zum Walchensee übergeleitet. Dieser Bypass verläuft in einem offenen Kanal durch Krün und Wallgau.

Von dort kommt das Wasser durch einen Tunnel zum Sachensee. Durch den See läuft seither der sogenannte Obernachkanal. Der kleine See wird durch ein Wehr ebenfalls geringfügig aufgestaut und reguliert.

Durch den enormen Wasserzustrom werden nämlich Unmengen an Sediment in den See gespült, welches sich außerhalb des Obernachkanals seit Jahrzehnten auf dem Seeboden ablegt. Bis vor 30 Jahren wurde der See noch permanent von den Kraftwerksbetreibern ausgeschaufelt und somit gesäubert. Doch damit soll nun Schluss sein. „Wir werden an einem runden Tisch miteinander reden müssen“, versichert Zahler. Denn „wenn ein Großkonzern schon unsere Ressourcen zum Geld verdienen ausschlachtet, muss er sich auch darum kümmern, dass die Natur wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt wird“.

In der nächsten Gemeinderatssitzung will er konkret über das heikle Thema diskutieren lassen. Verantwortliche des Energiekonzerns waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.Josef Hornsteiner

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