Sepp Zunterer lässt sich von Drohungen nicht beeinflussen. Foto: ku

Ein salomonischer Beschluss

Mittenwald - Eine Entscheidung ist ausgeblieben. Stattdessen möchten die Gemeinderäte den Verkehr erst beobachten, bevor sie über eine zeitlich befristete Sperrung der Hochstraße nachdenken.

Egal wie man über eine befristete Sperrung der Hochstraße denkt, mit seinem jüngsten Beschluss hat der Mittenwalder Marktgemeinderat erst einmal eines: Zeit gewonnen. Denn nicht zuletzt um etwas Druck aus der hitzigen Debatte zu nehmen, haben die Volksvertreter nun ein nahezu salomonisches Urteil gefällt. Mit 18:2 beschlossen sie folgendes: Der Antrag der Hausbesitzergemeinschaft Hochstraße wird für mindestens ein Jahr zurückgestellt. In dieser Zeit soll ein Verkehrsgutachten des Planungsbüros Lang, Keller & Burkhart aus dem Jahr 1992 aktualisiert werden. Soll heißen: Nach Wiedereröffnung des Fritz-Prölß-Platz-Ensembles wird mit Hilfe zweier mobiler Messgeräte die Geschwindigkeit der Autofahrer im Zentrumsbereich festgehalten. Um darüber hinaus belastbare Ergebnisse zu erhalten, will die Verwaltung an den Kommunalen Zweckverband herantreten. Dieser soll der Marktgemeinde drei weitere - nicht sichtbare - Tempo-Messgeräte zur Verfügung stellen.

Ein Vorschlag, mit dem Josef Schandl „vorläufig gut leben kann“. Vor über einem Monat hatte der Immobilienmakler mit einigen gleichgesinnten Anwohnern den Anstoß gegeben, dass Nadelöhr zwischen Fritz-Prölß-Platz und Gries, die Hochstraße, in eine zeitlich begrenzte Fußgängerzone umzuwandeln.

Doch damit zog sich die Interessengemeinschaft den Groll gerade der Anrainer der Goethestraße zu, die befürchten, dann im Verkehr zu ersticken. Einer polterte ganz besonders: Adolf Merk. „Wahrlich, wahrlich ich sage Euch, dann werden wir zuschlagen und auf die Barrikaden gehen“, drohte der scharfzüngige, ehemalige Gemeinderat (1996 bis 2008) Anfang September bei einem gut besuchten Info-Treffen im Gasthof Gries.

Eine Wortwahl, die Sepp Zunterer (Freie Wähler) sauer aufstößt. „Man sollte nicht versuchen, uns Angst zu machen“, betonte der Alpenrose-Chef. „Ich lasse mich von Argumenten beeinflussen, aber nicht von Drohungen - und schon gar nicht von Leuten, vor denen ich keinen Respekt habe.“ Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) sieht in dem getroffenen Kompromiss „einen gangbaren und zielführenden Weg“.

„Wir haben lange diskutiert und uns zu dieser Entscheidung durchgerungen - und ich glaube, dass sie gut ist“, meinte abschließend Verkehrsreferent Dieter Schermak (CSU). Die Empfehlung des Polizeibeamten: „Das Ganze in Ruhe anschauen.“

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