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Großes Interesse: Nach den Erläuterungen der Bauexperten nutzen zahlreiche Murnauer die Gelegenheit, ihre frisch restaurierte Pfarrkirche genauer in Augenschein zu nehmen.

Restaurierte Pfarrkirche St. Nikolaus: „Ein traumhaft schöner Anblick“

Murnau - Die lange Zeit des Wartens ist zu Ende: Murnauer Bürger hatten jetzt nach fast einjähriger Sperrung erstmals Gelegenheit, den komplett restaurierten Innenraum der katholischen Pfarrkirche in Augenschein zu nehmen.

Rund 400 Personen drängten sich auf den Bänken des Gotteshauses, um sich von Bauexperten über das umfangreiche Projekt, das voraussichtlich erst 2017 ganz abgeschlossen sein soll, zu informieren.

Das Staunen und die Begeisterung waren groß, als Mesner Peter Schäfer nach und nach im eingangs fast völlig abgedunkelten Kirchenraum die Möglichkeiten der neu installierten Beleuchtungstechnik demonstrierte und zunächst das neu gesetzte Holzkreuz anstrahlte, dann den Hochaltar und schließlich das von Restaurator Antonio Russo-Scharrer instandgesetzte Kuppelfresko von Waldemar Kolmsperger.

Angesichts dieser Pracht ging zunächst ein Raunen durch die Menge, dann brandete spontaner Beifall auf. „Das ist ja ein traumhaft schöner Anblick“, schwärmte etwa Annemarie Hell (76). Und auch Georg Rieger (65) zeigte sich tief beeindruckt: „Die Möglichkeiten der heutigen Lichttechnik unterstützen ganz entscheidend den sakralen Charakter des Raumes. Ich bin überwältigt.“

Zuvor hatte Architekt Clemens Pollok aus München das speziell für die Nikolauskirche entwickelte Sanierungs- und Technikkonzept erläutert. So sei etwa die Lüftung komplett erneuert worden, um künftig Verschmutzungen von Wänden, Stuck und Fresken so weit wie möglich zu vermeiden. In der Kuppel, so erfuhren seine Zuhörer, seien sogar Sensoren installiert worden, die die Entwicklung der Mikrobakterien, die für die Verunreinigungen verantwortlich sind, zu beobachteten. Im kommenden Frühjahr, kündigte Pollok an, würden die Außenanlagen rund um das Gotteshaus erneuert.

„St. Nikolaus ist die bedeutendste Kirche, von der man den Architekten nicht kennt“, eröffnete Diözesankonservator Dr. Michael Schmid den gebannt lauschenden Gläubigen. Während die Grundsteinlegung bereits 1717 erfolgte, seien die Deckenfresken von Michael Wittmer im Chorraum und von Waldemar Kolmsperger in der Kuppel aus Geldmangel der Pfarrgemeinde erst Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Letzterer habe es wie kaum ein anderer verstanden, sich in die Welt des Barocks einzufühlen, sagte Schmid. Die Experten seien sich vor Beginn der Arbeiten einig gewesen, die Raumschale nicht in „Ersttagsfrische“, sondern im alten Glanz wieder erstehen zu lassen. Daher habe man kleine Unebenheiten an den Wandflächen gelassen, um sie „lebendig zu halten“.

Der frisch restaurierte Kirchenraum sei „ein gutes Instrument, dem Menschen eine Heimat zu sein und sich durch die Gegenwart Gottes nicht so sehr durch die Hektik des Zeitgeistes beeinflussen zu lassen“, sagte der Kunstbeauftragte der Bischöflichen Finanzkammer, Felix Landgraf. Es gelte, der kommenden Generation den Blick auf den Himmel offenzuhalten.

Über die Finanzierung des Projekts sprach Kirchpfleger Franz Neuner. Bisher hätten die Bauabschnitte eins und zwei (außen und innen) 2,2 Millionen Euro gekostet , sagte er. Von 2012 bis heute seien allein 330 000 Euro von Privatpersonen gespendet worden. 800 000 Euro habe die Diözese Augsburg beigesteuert, 200 000 die Marktgemeinde Murnau. Pfarrer Siegbert Schindele appellierte im Hinblick auf die anstehende Restaurierung der zehn Altäre (wir berichteten) zum wiederholten Male an die Spendenbereitschaft der Murnauer: „Unsere Nachkommen würden uns vorwerfen, dass wir es als reichste Generation aller Zeiten nicht geschafft haben, diese einmaligen, wertvollen Altäre zu erhalten.“ Die Kirche sei durch die Sanierung zu einer „eleganten Audienzhalle des dreifaltigen Gottes“ geworden, schloss der Geistliche den Abend.

her

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