Energie aus Wasserkraft: Für Großweils Bürgermeister Manfred Sporer sowie seine Partner aus Garmisch-Partenkirchen und Farchant ist das eine Herzensangelegenheit. f.: kolb

Auf dem Weg zu sauberem Loisach-Strom

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Großweil - Auf einen Schlag energieautark: Das Schachtkraftwerk in der Loisach macht’s für Großweil möglich. Nach zähen Verhandlungen über dieses Vorhaben im FFH-Gebiet stehen die Zeichen gut für einen Baubeginn 2015.

Sauberer Strom, gewonnen aus der Wasserkraft der Loisach - die Erfüllung dieses Traums rückt in greifbare Nähe. „Der Bescheid geht in den nächsten Wochen raus“, bestätigt Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen. Die Aussicht, dass die Baugenehmigung für das Wasserkraftwerk in Großweil erteilt wird, nennt er durchaus positiv, „Es gibt keine Gründe, die erkennen lassen, dass es negativ beschieden wird.“ Während sich der Behördenvertreter noch vorsichtig äußert, feilen die Partner - die Gemeindewerke Garmisch Partenkirchen (55 Prozent), die Gemeinde Großweil (25) und das Kraftwerk Farchant (20) - bereits eifrig an ihrer Kooperation. „Wir erarbeiten gerade den Gesellschaftervertrag“, sagt Werke-Vorstand Wotan Lichtmeß. Die Wasserkraft Großweil GmbH bekomme ihren Firmensitz in dem 1450-Einwohner-Ort. Im Verwaltungsrat der Werke und auch im Gemeinderat Großweil wurde dieses Konstrukt schon nicht-öffentlich abgesegnet.

Läuft alles nach Plan, dann steht dem Baubeginn für das 3,5-Millionen-Euro-Projekt im Frühjahr 2015 nichts im Weg. Um die 900 000 Euro investiert das Kraftwerk Farchant und eine knappe Million Großweil in das Kraftwerk. Insgesamt, schätzt Lichtmeß, der 1,6 Millionen Euro in die Hand nimmt, können 600 Durchschnitts-Haushalte mit der Energie versorgt werden, die aus der Loisach gewonnen wird - „es werden deutlich über zwei Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt, die Leistung der Anlage beträgt um die 500 Kilowatt“. Neben dem, was die Großweiler verbrauchen, bleibt noch ein ordentlicher Überschuss. Zahlen, die Sporer überzeugen - „zumal das Wasser ja unabhängig von der Witterung 24 Stunden fließt“. So leiste sein Dorf einen gewaltigen Betrag zur Energiewende. „Ich bin zuversichtlich, dass das eine gute Geschichte ist.“

Seit 2012 kämpfen er und seine Partner für die Umsetzung. Insbesondere Naturschützer und Fischer stehen dem Bau im FFH-Gebiet nach wie vor sehr kritisch gegenüber. Sie befürchten ökologische Schäden in dem sensiblen Gebiet. Deren Bedenken seien allerdings in die Planung eingeflossen, unterstreicht Sporer. Unter anderem erinnert er an die Tests in der Wasserversuchsanstalt Obernach der TU München am Walchensee, woraufhin nun eine zweite Aufstiegshilfe für Fische eingeplant wurde.

Für Sporer und seine Mitstreiter ist das Projekt „eine echte Herzensangelegenheit“. In Zeiten, in denen über den Atomausstieg diskutiert wird, komme man an Wasserkraft gar nicht herum, betont Markus Poettinger, Geschäftsführer des Kraftwerks Farchant. „Ich hoffe, dass wir im kommenden Jahr mit dem Bau beginnen können.“ Das Prinzip, das an der Loisach umgesetzt werden soll, ist denkbar einfach: Das Wasser strömt von oben in einen Schacht, treibt dort die an einen Generator gekoppelten Turbinen an und wird wieder zurück in den Fluss geleitet. All das passiert unter Wasser, direkt am bereits vorhandenen Wehr, der so genannten Rauhen Rampe. Größere bauliche Eingriffe im Uferbereich sind somit nicht nötig. Lediglich ein kleines Betriebsgebäude für die Steuerungstechnik entsteht in Loisach-Nähe - mit Holz verkleidet.

Von Tanja Brinkmann

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