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Drei Stunden lang war Quirin Herterich bei seinem Weltrekordversuch in Norwegen auf der Slackline unterwegs.

Quirin Herterich in Norwegen

Auf der Slackline: Mann aus Bayern schafft Unglaubliches

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500 Meter über dem Abgrund  - für einen 24-Jährigen aus dem Ammertal schon fast selbstverständlich. Er hat jetzt einen Riesen-Coup gelandet.

Altenau – Wenn man sich Bilder von Quirin Herterich betrachtet, wird einem schon vom Hinschauen mulmig. Die Balance zu halten in schwindelerregender Höhe auf einem 2,5 Zentimeter schmalen Band – nicht Jedermanns Sache. Und doch: Der junge Altenauer kennt auch Höhenangst. „Richtig die Düse“ ging ihm vor kurzem. Doch er hat alle Furcht, alle Beklemmung besiegt. Und etwas Einzigartiges geschafft. Auf der Insel Senja in Norwegen legte er auf der Slackline ohne Sturz eine Strecke von 2500 Metern zurück – das ist die längste Distanz, die bisher je ein Mensch auf diese Weise gemeistert hat. Weltrekord! Über drei Stunden brauchte er dafür. Mit einem „All in-Pokerspiel, bei dem es keine zweite Chance gibt“, vergleicht der 24-Jährige seinen Coup: „Ich sehe die Herausforderung als ein Spiel. Je länger die Line ist, umso schwieriger wird das Spiel.“

Seit sieben Jahren betreibt Quirin diesen Sport. Es begann mit der „normalen“ Slackline, vor einem Jahr hat er sich als Highliner – Slackline in großen Höhen – spezialisiert. Über das Klettern, eine weitere Leidenschaft des Altenauers, fand er Gefallen an diesem ausgefallenen Hobby. Bereits mit drei Jahren nahm ihn sein Vater mit zum Klettern. Heute bewegt er sich in maximalen Höhen bis zu 400 und sogar 500 Meter über dem Abgrund. Gesichert nur durch einen Klettergurt, der mit der Slackline verbunden ist. Wenn es das Wetter zulässt, ist Herterich immer barfuß auf der Slackline unterwegs. Nur wenn’s zu kalt wird, zieht er Schuhe an.

Der Moment der Ankunft: Quirin Herterich ist überglücklich.

Was nun treibt den selbstbewussten jungen Mann an, sich diesen Herausforderungen zu stellen? „Es ist das Zusammenspiel aus körperlicher Anstrengung und psychischer Belastung.“ Er gibt zu, beim ersten Mal „ganz schreckliche Angst“ gehabt zu haben: „Aber ich habe inzwischen gelernt, damit umzugehen und mich mit der eigenen Angst auseinander zu setzen. Auch mit ein wenig Stolz blickt Quirin auf die Leistung, die er in Norwegen vollbracht hat, zurück: „Als ich vor sechs, sieben Jahren damit angefangen habe, hätte ich nie gedacht, dass ich das je schaffen würde. Das ist einfach gigantisch.“

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Der Altenauer ist inzwischen in Ebenen vorgestoßen, dass er auch von Sponsoren unterstützt wird. In Norwegen gehörten 30 Mann zum Team, darunter waren vier Highliner. Herterich kam am weitesten: „Wir haben die Slackline an vier Tagen auf- und an einem Tag abgebaut, an zwei Tagen sind wir gelaufen.“

Mit seinen Kollegen aus Tirol und Süddeutschland ist Quirin Herterich regelmäßig unterwegs, auch in der Region: „Ich halte die Augen immer offen, wenn sich was für eine Überquerung eignen könnte.“

Die (Grenz-)Erfahrungen und Situationen im Sport helfen dem Ammertaler auch in seinem Beruf als Prozessentwickler bei der Firma ept in Peiting: „Aus jedem Projekt, das ich mache, lerne ich etwas für meinen Job, und umgekehrt. Sich ein großes Ziel zu setzen, mag im ersten Moment unmöglich sein, dies zu schaffen. Wenn man jedoch Schritt für Schritt vorgeht, werden aus dem großen Ziel kleinere Ziele, die dann auch zu erreichen sind.“

Sechs Wochen hat Herterich im Jahr Urlaub – diese sind ausgefüllt bis zum Letzten. Sein nächstes Ziel hat der Altenauer bereits vor Augen: „Eine Kombination aus Höhen-Bergsteigen und Highlinen, vielleicht in Peru.“ Ob der Weg zum Profitum da vielleicht schon vorgezeichnet ist? „Das weiß ich nicht. Mein Hobby ergänzt sich sehr gut mit meinem Beruf. Und mein Arbeitgeber geht hervorragend auf meine sportliche Tätigkeit ein und lässt mir die Freiräume, um mir mein Training und meine Projekte möglich zu machen“ – sagt der junge Kerl, der es gelernt hat, die Balance zu halten.

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