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Aus is‘ und gor is‘: Toni Kargl ist ab sofort nur noch Rentner.

Nach 50 Jahren ist Schluss: Landgasthaus schließt seine Pforten

Der Bärlauch-Wirt sagt leise „Servus“

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Eine Ära geht zuende: Das Landgasthaus „Beim Kargl“ in Saulgrub macht dicht. Für immer.

Saulgrub – „Es war mein Leben, meine Überzeugung, ich bereue keine Sekunde. I war gern Wirt“ – ein paar Worte, die soviel aussagen. Soviel über eine Ära, die nun zuende geht: Nach 50 Jahren schließt am kommenden Sonntag, 5. Januar, das Landgasthaus Beim Kargl in Saulgrub für immer seine Pforten. Die Wirtsleut’ Hildegard und Toni Kargl sagen leise Servus. Toni’s Traum, „dass es mit der Wirtschaft weitergeht“, erfüllte sich leider nicht. Sein Sohn, zwar Koch, aber kein Wirt: „Das ist nicht seins. Ich hab’ ihn leider nicht überreden können.“ Obwohl er schon mal fünf Jahre im Geschäft war.

Mit den Kargls verlieren die Saulgruber und viele Stammgäste Wirtsleute, die noch mit echter Leidenschaft, Zuverlässigkeit und Bodenständigkeit dieses Handwerk ausgeübt haben. Dass der 72-Jährige nun aufhört, ist einerseits dem Alter geschuldet, andererseits seiner angegriffenen Gesundheit: „Jetzt langt’s! I hab Probleme mit der Luft, da kann mi nimmer stundenlang in die Küch’ stellen.“ Das Ehepaar hat die Immobilie verkauft, zieht nach Bad Kohlgrub. Aus der Wirtschaft wird ein Wohnhaus: „Verpachten wollte ich nicht, weil man da immer irgendwie mit drin hängt.“ Toni Kargl zieht einen Schlussstrich. Für immer. Auch ausräumen muss er nicht. „Was tät’ ich mit dem ganzen Zeug?“ Ein paar Erinnerungsstücke nimmt er freilich mit in sein künftiges Domizil. Für den 31. Januar ist die Übergabe geplant, dann beginnt für die Kargls das Rentner-Dasein.

„Erfinder“ der Regionalküche

Anno 1970 eröffnete der Vater das „Weinstube & Café Kargl“, zehn Jahre später wurde ein richtiges Café daraus. 1991 schließlich übernahmen Hildegard und Toni das Lokal, nachdem sie zuvor zehn Jahre das Kurpark-Restaurant und das Antoni-Stüberl in Bad Kohlgrub geführt hatten. Dem neuen Projekt drückte das Ehepaar alsbald seinen Stempel auf. Sie erfanden die „Regionalküche“, die es vorher noch nirgends gegeben hatte: „Da waren wir die Ersten“, erinnert sich der Toni. Fleisch direkt vom Jäger oder vom Bauern im Dorf, frische Zutaten und alte Rezepte, wie früher gekocht wurde – damit landeten die Kargls einen kulinarischen Volltreffer nach dem anderen. Weit über die Region hinaus bekannt wurde der Toni aber als der „Bärlauch-Wirt“. Die Fernseh-Teams gaben sich die Klinke in die Hand, und kaum eine Gastro-Zeitschrift, in der der Saulgruber nicht vertreten gewesen wäre.

Ohne große Pläne in den Ruhestand

Schließzeiten? Urlaub? Das hielt sich bei den Kargls in Grenzen: „Wir haben auch für eine Beerdigung aufgemacht, wenn wir geschlossen hatten.“ Für die Vereine im Dorf war die Lokalität stets eine feste Adresse für Versammlungen.

Auf was er sich nun freut? „Auf den ersten Tag, wenn ich abends im Bett liege und nicht überlegen muss, was ich am nächsten Tag alles brauche.“ Große Pläne hat der Toni noch nicht geschmiedet: „Es kommt, wie’s kommt.“ Um seine drei Enkelkinder will er sich auf alle Fälle mehr kümmern. Silvester wollen die Kargls mit den Nachbarn feiern – als Privat-, nicht als Wirtsleut’. Und dann steht am kommenden Sonntag, 5. Januar, noch der Abschied vom Dorf an: „Pfüa Gott sagen, dann ist Feir’abend.“ Wirt zu sein, das war das Leben vom Kargl Toni: „A scheene Zeit ... “

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